Angriff in 1500 Metern Höhe Flugschüler landet vor Gericht

Ein 52-jähriger Flugschüler muss sich vor dem Landgericht Frankfurt/Oder wegen Mordversuchs verantworten.

Während eines Übungsfluges über Ostbrandenburg soll ein Flugschüler plötzlich mit einem Stein den Piloten geschlagen und einen Absturz provoziert haben. Beim Prozessauftakt beharrt der Angeklagte auf Notwehr.

Der Prozess um eine lebensgefährliche Attacke im Flugzeug-Cockpit hat in Brandenburg mit widersprüchlichen Aussagen von Angeklagtem und Opfer begonnen. Der angeklagte Flugschüler erklärte am Montag vor dem Landgericht Frankfurt (Oder), der 73-jährige Fluglehrer habe ihn vor und während des Übungsfluges im Sommer 2013 sexuell belästigt. Der Pilot stritt das vehement ab. "Das ist eine grenzenlose Lüge", sagte der frühere NVA-Offizier. Dem 52-jährigen Schüler wirft die Anklage unter anderem versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor.

Laut Anklage wollte er sich umbringen und während des Fluges mit der Cessna den Piloten mit in den Tod reißen. Er soll dem Fluglehrer aus Strausberg einen etwa ein Kilo schweren Stein, einen zackigen Amethysten, mehrmals an den Kopf geschlagen haben. Zudem soll er dem Opfer mit beiden Daumen in die Augen gedrückt haben. Dem Opfer gelang es in letzter Minute, die viersitzige Maschine im Oderbruch nahe der polnischen Grenze zu landen. Die Cessna überschlug sich in einem Weizenfeld. Der Flugschüler floh, wurde aber festgenommen.

Zu Prozessbeginn berichtete der in Athen geborene Angeklagte über sein Leben zwischen den USA und Europa. Er habe in Amerika Medizin studiert, dann als Mode- und zuletzt als Schuhdesigner gearbeitet. In Berlin wollte er den Pilotenschein machen. "Ich hatte schon immer Vorlieben für Flugzeuge", hieß es in seiner Erklärung, die er auf griechisch verlas. Ein Dolmetscher übersetzte sie.

"Teuflische Augen und ein teuflisches Lächeln"

Zum Tathergang berichtete der Angeklagte, der Fluglehrer habe ihn am Boden und in der Luft mehrfach unsittlich berührt, was er abgewehrt habe. "Ich verlor die Kontrolle, meine Hände waren nass, das Herz schlug schnell", las er vor. Der Lehrer habe "teuflische Augen und ein teuflisches Lächeln" gehabt. Im Gerangel sei die Maschine vom Himmel gefallen. Am Boden habe er dem immer aggressiveren Fluglehrer mit einem Kristall einmal auf den Kopf geschlagen. Der Stein, der ihm gehört, stehe für Heilkraft und Schutz, sagte der Angeklagte. Der Lehrer wiederum habe ihn mit einem Messer angegriffen.

Der Fluglehrer berichtete dagegen, der Schüler habe ihn während des Fluges in etwa 1500 Metern Höhe plötzlich einen Stein auf den Kopf geschlagen. "Er hatte ein angstverzerrtes Gesicht, eine regelrechte Fratze", sagte der Zeuge. Zudem habe er ihm mit beiden Daumen in die Augen gedrückt. Der Pilot betonte: "Ich habe sein Leben gerettet, wenn Sie so wollen, in dem ich das Flugzeug landen konnte."