Angelus-Gebet in Rom 50.000 Gläubige jubeln Papst zu

Mit diesem Andrang hatte er wohl selbst nicht gerechnet - und so bedankte sich das Kirchenoberhaupt gerührt bei den mehr als 50.000 Gläubigen, die zu seinem vorletzten Mittagsgebet gekommen waren. Die rufen: "Viva il papa!"

Immer wieder bedankt sich Papst Benedikt XVI. bei den mehr als 50.000 Gläubigen, die ihm zujubeln, Transparente hochhalten und "Viva il papa" rufen. "Grazie, grazie", sagt der 85-Jährige aus dem Fenster seines Arbeitszimmers in Richtung Menge, er wirkt gerührt. Wenig später breitet er die Arme aus: "Danke, dass ihr so zahlreich gekommen seid! Auch das ist ein Zeichen der Zuneigung und der geistigen Verbundenheit, das ihr mir in diesen schwierigen Tagen erweist."

Der Jubel ist ohrenbetäubend. Kinder, Jugendliche, Rentner, Nonnen, Geistliche, Deutsche, Chinesen, Franzosen, Südamerikaner - die Menschen, die zum traditionellen Angelus-Gebet des Kirchenoberhauptes auf den Petersplatz gekommen sind, könnten unterschiedlicher nicht sein. Doch sie eint ein Wunsch: das vorletzte Mittagsgebet des Heiligen Vaters erleben.

Und so sind schon in den frühen Morgenstunden die Zufahrtswege und Straßen zum Petersplatz dicht gesäumt. Stunden zuvor strömten immer mehr Gläubige auf den großen Platz vor dem Petersdom. Die Polizei war mit einem Sonderaufgebot auf dem Platz und rund um die vatikanischen Staatsgrenzen im Einsatz.

14 Minuten dauert der Auftritt des Papstes. Mit fester Stimme spricht das scheidende Kirchenoberhaupt das Angelus-Gebet ("Der Engel des Herrn"), eine alte Gebetstradition der Kirche. Das berühmte Gebet beinhaltet den Verkündigungsdialog zwischen dem Erzengel Gabriel und Maria. Es beschreibt das Geheimnis der Menschwerdung Gottes aus der Jungfrau Maria und erinnert an die erlösende Passion Jesu Christi. Wiederkehrendes Element ist die dreimalige Anrufung der Gottesmutter im Ave Maria.

"Müssen uns für die Nachfolge Gottes entscheiden"

In der knappen Viertelstunde ruft der Papst alle Gläubigen in der Fastenzeit zu Umkehr und Reue und zur Absage an Egoismus und Stolz auf. Zum vorletzten Angelus des Geistlichen kam auch die Stadtverwaltung Roms unter Leitung von Bürgermeister Giovanni Alemanno. Die Delegation wurde von Benedikt XVI. besonders erwähnt: "Mit Ihnen grüße ich alle Bürger dieser geliebten Stadt und danke all ihren Bewohnern."

Wie an jedem Sonntag seit seinem Amtsantritt 2005 stellte Benedikt XVI. auch zehn Tage vor seinem Amtsende das Sonntagsevangelium in den Mittelpunkt seiner Ansprache. Die Gläubigen sollten sich wieder auf Gott hin orientieren, sich von Stolz und Egoismus abkehren und in christlicher Liebe leben. "In jedem Moment stehen wir vor einem Scheideweg und müssen uns für die Nachfolge Gottes entscheiden", sagte der Papst.

Er bat alle, ihm und der Römischen Kurie "besonders in der nächsten Woche während unserer alljährlichen Exerzitien nahe zu sein". Im Vatikan begannen am Nachmittag die Fastenexerzitien für den Papst und die Kurie. Bis Samstag sind alle öffentlichen Termine des Papstes abgesagt.