Die angebliche Ankündigung des Amokschützen: Die Polizei ist auf eine offensichtliche Fälschung hereingefallen - und sucht jetzt den Verfasser.
Die Polizei ist bei Ermittlungen zum Amoklauf von Winnenden aller Wahrscheinlichkeit nach einer Fälschung aufgesessen. Das lenkt die Aufmerksamkeit auf das Internetangebot, auf dem sich die ganz offensichtlich erfundene Ankündigung des Attentates befand, krautchan.net. "Die Geschichten und Informationen, die Sie hier finden, sind künstlerische Werke der Erfindung und der Lüge. Nur ein Narr würde etwas für bare Münze nehmen, was hier veröffentlicht wurde." So steht es wortwörtlich über dem Internetangebot 4chan.org.
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Es dient der Internetseite krautchan.net als Vorbild. Die Seite, auf der sich die angebliche Ankündigung der Tat befand, ist kein Chatraum, wie es zunächst hieß, sondern ein sogenanntes Imageboard. Imageboards gehören zur Subkultur des Internets. Ihre Nutzer tauschen sich darauf über Bilder aus. Die mehr oder weniger lustigen Lol-Cats - Fotos von Katzen mit absichtlich radebrechenden Bildunterschriften - gibt es dort genauso wie alle Formen von mitunter geschmacklosen Witzen und Pornobilder.
Die Teilnehmer, oft sind es Jugendliche, laden die Bilder in aller Regel anonym hoch. Die Angebote sind meist thematisch gegliedert, der meiste Schrott und Schund findet sich für gewöhnlich im thematisch nicht festgelegten Bereich /b/, wo Anonymität nicht bloß gebräuchlich, sondern sogar Pflicht ist. Beim amerikanischen Imageboard 4chan heißen alle Teilnehmer "Anonymous", bei krautchan werden sie "Bernd" genannt - wie der vermeintliche Adressat der vermeintlichen Amok-Ankündigung. Das wissen alle, die je mit krautchan zu tun hatten, dementsprechend beißend ist der Spott, der nun über die Ermittler ausgegossen wird.
Nach Darstellung der Betreiber von krautchan.net, die sich nur per E-Mail äußern wollten, manipulierte ein Unbekannter einen harmlosen Eintrag, der ursprünglich um 2.45 Uhr in der Nacht zu Mittwoch verfasst worden war. Dieser manipulierte Eintrag sei erst um 15.48 Uhr - also viele Stunden nach der Tat - eingestellt worden. Ein junger User aus Bayern habe die Fälschung dann gesehen, und so sei sie an die Ermittler gelangt.
Dass der Attentäter krautchan.net genutzt hat, halten die Betreiber "für eher unwahrscheinlich", angesichts der anonymen Struktur könne man das aber nicht eindeutig sagen. Wenn die Polizei zur Ermittlung des "zynischen Einzeltäters", der den Eintrag manipuliert hat, sich an krautchan.net wende, werde man die Logdateien offenlegen, die alle Zugriffe protokollieren. Darin liegt nach Auskunft von Computerforensikern jetzt die Chance der Ermittler. Bis wirklich belastbare Ergebnisse vorlägen, werde es aber mehrere Tage dauern.
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(SZ vom 14.03.2009/grc)
Kapitalabzug aus Südeuropa
Seltsam. Vor kurzem suchten alle eifrig nach "Schuldigen", heute nimmt man es nicht mehr so genau. Hier lese ich, die Polizei habe einen Fehler gemacht, da sie einer "offensichtlichen Fälschung" aufgesessen sei. Nur dann frage ich mich, wenn die Fälschung so offensichtlich war, wieso wurde sie dann nicht schon auf der Pressekonferenz als solche entlarvt? Die Antwort ist einfach und es verwundert mich nicht, dass sie nur zögerlich und nicht gerade offen ausgesprochen wird: Die Medien sind auch einer offensichtlichen Fälschung aufgesessen! Wer aber sind "die Medien"?
Ist das nicht ironisch? Es gibt nun Artikel zu lesen, in denen unter der Hand zugegeben wird, dass man selbst Mist gebaut hat. Aber die Art und Weise, wie das geschieht -! Da kann man zwischen den Zeilen sehr schön die Aversion gegen "das Internet" herauslesen, wo sich feige Menschen hinter einer vermeintlichen "Anonymität" verstecken. Aber was anderes ist das, als wenn hier nur von "den Medien" die Rede ist? Ich lese nirgends "wir von der SZ haben einen Fehler gemacht" oder "wir von der FAZ haben einen Fehler gemacht" oder "wir vom Spiegel haben einen Fehler gemacht". Nein, es waren "die Medien". Es ist genau die gleiche Art von Feigheit, sich hier in einer vermeintlichen Anonymität zu verstecken.
Diese peinliche Panne offenbart, was alle eifrigen Internetnutzer schon längst wussten: Dass Recherche wohl von gestern ist und alles was zählt, Geld ist. Zeitungen verkaufen keine Nachrichten und ihre Leser sind auch nicht ihre Kunden. Zeitungen verkaufen Werbefläche und ihre Kunden sind Firmen, die dort Werbung schalten wollen. Die Texte dazwischen sind bloß Nebensache. Das ganze fast schon kampagnenhafte Web2.0-Bashing in den Zeitungen und Killerspiel-Bashing im Fernsehen ist einzig wirtschaftlichen Gegebenheiten geschuldet. Nicht, dass Web2.0-Content gut wäre, aber er steht in wirtschaftlicher Konkurrenz zu dem der Zeitungen, der beileibe nicht besser ist. Und nicht, dass Killerspiele unterhaltsam wären, aber sie stehen in wirtschaftlicher Konkurrenz zum Unterhaltungsangebot der Fernsehsender, deren Content beileibe nicht unterhaltsamer ist.
Wer die Marktanteile der jeweils konkurrierenden Bereiche und insbesondere deren Veränderung im Verlauf der letzten Jahre kennt, wundert weder das Bashing noch die schlechte Qualität der "alten" Medien. Es geht darum, billig zu produzieren, teuer zu verkaufen und Konkurrenten zu vernichten. Business is war. Wer achtet da schon auf Kollateralschäden?
"Internetangebot, auf dem sich die ganz offensichtlich erfundene Ankündigung des Attentates befand" - falsch, die befand sich nicht dort. Jemand hat eine Seite von krautchan abfotografiert und dieses Bild dann bearbeitet und die Ankündigung eingefügt.
Statt 5 schlechten Artikeln 1 guter, das wär's.
nee klar, eigentlich war darauf zu warten, dass die chose in sandkastenmanier umgedreht wird, um den netten herrn rech zu rehabilitieren. peinlich. brandpeinlich.
und dann noch das: "Die Teilnehmer, oft sind es Jugendliche, laden die Bilder in aller Regel anonym hoch. "
wo doch eigentlich klar sein sollte, dass der aufrechte deutsche sich zuvor mit vollständiger anschrift, sozialversicherungsnummer, haustiernamen und persönlichen vorlieben registriert, bevor seine dscheppeg oder whatever ins netz schwirrt. lol.
beam me up, scotty.
de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCddeutsche_Zeitung
Und nicht böse sein-
Die Sueddeutsche kämpft ums Überleben, aber ob man das mit immer schlechterem Journalismus hinbringt?
Ich will eine gute SZ ! egal welcher Verleger!
Für eine Begründung wäre ich dankbar. Ansonsten bleibt Ihr Kommentar für mich ziemlich undurchschaubar. Danke.
Paging