In der Internetgemeinschaft SchülerVZ trauern Hunderte Jugendliche um die Opfer von Tim K. Andere hingegen hoffen, dass ihre Killerspiele nicht verboten werden.
Eine Sandra B. schreibt: "Ich kann es immer noch nicht fassen. Kein bisschen. Freunde leiden, ich leide, wir sind alle geschockt."
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Winnenden unter Schock: Viele Schüler äußern sich auch im Internet. (© Foto: AP)
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Eine Lauri schreibt: "Bei uns gab es auch schon mehrere Drohungen. Und ich hab Angst. Schreckliche Angst."
Ein Daniel schreibt: "Meine Klassenkameradin hat eine Freundin, die im Nebenzimmer war. Ich fühle richtig mit. Ich habe ein starkes Mitgefühl ..."
Die Einträge stammen aus dem Online-Netzwerk SchülerVZ. Über fünf Millionen Schülerinnen und Schüler sollen hier aktiv sein. Auch 168 von Schülern der Albertville-Realschule in Winnenden sind hier eingetragen. Mit den Zahlen muss man allerdings vorsichtig sein. Es ist ein Leichtes, sich auf SchülerVZ das Profil eines Albertville-Schülers zuzulegen.
Möglicherweise sind auch Opfer bei SchülerVZ zu finden. Aber angeblich löschen die Betreiber von SchülerVZ solche Einträge, wenn es entsprechende Hinweise gibt.
Wer ein offenes Profil hat, auf das jeder zugreifen kann, bekommt Beileidsbekundungen aus ganz Deutschland. Auf der Seite einer Lisa G. etwa sind seit Mittwoch über 450 Nachrichten eingegangen.
Viele übermitteln nur schlicht ihr "herzliches Beileid". Andere schreiben Gedichte, schreiben, dass sie geschockt sind, dass sie geweint haben, wünschen Stärke und alles Gute für die Zukunft.
Manche können dagegen ihre Neugier nicht im Zaum halten. Sie fragen, was die Albertville-Schüler über den Täter wissen. Oder fragen schlicht: "Lebst du noch?"
Auch wegen solcher Einträge versuchen einige Schüler Verhaltensregeln aufzustellen. Ein Jan M. bittet darum, den betroffenen Schülern der Albertville-Realschule keine persönlichen Nachrichten mehr zu schreiben. "Diesen Schülern und Schülerinnen wird dadurch nicht geholfen."
Es gibt bereits ein Dutzend sogenannter Trauergruppen auf SchülerVZ, in denen sich Hunderte Schüler über den Amoklauf austauschen. Viele Schüler berichten von Amok-Drohungen an ihren eigenen Schulen. Ein Stefan F. berichtet: "An unserer Schule haben wir sogar einen Jungen, der schon eine richtige Todesliste geschrieben hat." Er könne die Schulverwaltung nicht verstehen, die nichts unternommen habe, obwohl der Vorfall bekannt sei.
Einem Witali K. geht es ähnlich: "Leider habe ich auch zwei Tische weiter so einen Idioten sitzen, der uns jeden Tag droht, uns alle umzubringen." Er habe "ein ziemlich schlechtes Gefühl in die Schule zu gehen. Man weiß ja nicht, ob der es wirklich durchzieht".
Ganz andere Sorgen haben Tausende Fans des Killerspiels Counterstrike auf SchülerVZ. Als öffentlich wurde, dass auch Tim K. Counterstrike auf seinem Rechner gespielt hatte, bildeten sich gleich neue Diskussionsgruppen. Eine trägt den Titel: "Counterstrike-Spieler und trotzdem kein Amokläufer". Ein Sascha N. schreibt darin: "Ich glaube, Counterstrike ist nicht weit davon entfernt, indiziert zu werden!" Andere sehen sich und ihr Spiel als Sündenböcke.
Solche Debatten stoßen offenbar nicht bei allen SchülerVZ-Mitgliedern auf Verständnis, wie der Eintrag von Ellu F. zeigt: "Ich frag mich gerade, wie man sich in dem Moment, in dem man hört, dass 16(!) Menschen wegen so einem Idioten gestorben sind, aufregen kann, dass man vielleicht bald sein Computerspiel nicht mehr spielen kann."
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
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(sueddeutsche.de/grc)
Studie von UN-Kinderhilfswerk
Der Versuch, dem Mehrfachmord eine Erklärung abzuringen, ist verständlich aber nicht wirklich hilfreich.
Zunächst einmal sollte sich die gesamte Gesellschaft der Trauer stellen und nicht gleich nach dem Warum schreien. Es ist schade und peinlich, bei Pressekonferenzen mit anzusehen und hören zu müssen, welch "senationsgeile" Fragen aus dem Kreis der Journalisten kommt.
Erst durch den Prozess der Trauer über die Opfer und der Angehörigen darf man Ursachenforschung betreiben.
Wenn man sich dann an die Forschung begibt, sind Schreie nach Verboten oder bessere Schutzmaßnahmen unrealistisch.
Die Gesellschaft muss sich der Fragen stellen:
Wieso Gewalt herrscht? Warum der Leistungsdruck auf Junge Menschen so groß ist? Und welche Werte macht das Leben des einzelnen und der Gesellschaft aus?
Zuerst einmal mein Beileid für die Opfer dieser grausamen und zudem völlig sinnlosen Tat. Und es tut mir auch leid das einige hier denken man könnte das Problem durch ein Verbot lösen. Denn die Behandlung der Symptome wird die Krankheit nicht heilen!
90% meines männlichen Freundeskreises haben diese Spiele, während unserer Schul und Unizeit gespielt. Ich will jetzt wirklich kein langen Lobgesang auf Computerspiele anstimmen, aber schon die Wortschöpfung "Killerspiele" ist bezeichnend und der Diskussion vermutlich eher abträglich. Aber ich verstehe auch die Haltung einiger Menschen, die es befremdlich finden die Worte "Spiel" und "Töten" in einem Atemzug zu nennen.
Ich ( und ich kann hier nur für mich sprechen) fand immer den Aspekt des Teamplays besonders reizvoll. Bei der populären Mehrspielervariante "capture the flag" also "Erbeute die Flagge" u.ä. geht es beispielsweise darum die Handlungen des anderen Teams zu antizipieren und sein eigenes Team so gut wie möglich zu koordinieren. Dies ist eine Ausgangssituation wie sie auch "richtige" Mannschaftssportarten zur Grundlage haben. Und dies macht dann auch für die meisten den Reiz des Spieles aus: sich mit anderen zu messen. Als Berserker, der sich nur abreagieren möchte, wird man an einem solche Spiel nicht lange Freude haben.
Kurz noch eine Anmerkung:
Es erstaunt mich immer wieder, wie schnell manche Menschen die Erinnerung an die eigene Jugend - die Umbrüche und Konflikt - verdrängen können. In dieser Zeit setzen sich die meisten jungen Menschen sehr intensiv mit sich und ihrer Umwelt auseinander und entwickeln ein feines Gespür für die Bigotterie ihrer Umwelt.
Auf unserer Welt gibt es ca 20.000 gefechtsbereite Atomsprengköpfe. die Rüstungsausgaben weltweit beliefen sich Ende 2007 auf 858 Milliarden Euro (1,34 Billionen Dollar). (Das sind Zahlen über die es sich lohnt einfach mal nachzudenken, wenn man des Abends rotweinschwenkend über die Menschheit im allgemeinen philosophiert)
Sie wollen also allen Ernstes zu ihrem Kindern gehen und ihnen erklären ihre Spiele seien gewalttätig?
@guyana07
wir leben (noch) in einer freien Gesellschaft. Also steht nicht der Beweis des Nutzens aus, sondern der Beweis der Gefährlichkeit.
P.S. Mir fallen da ad-hoc noch so einige Sachen ein die KEINEN Nutzen für die Allgemeinheit haben, darf ich die mit auf ihre Liste setzen?
Man könnte zu Beispiel darüber diskutieren wann Journalismus die Grenze zum Voyeurismus überschreitet. Nur so als Ange
Ich zweifle fest an der Faehigkeit vieler Menschen, ihren Kopf "muendig" einzusetzen; viele scheitern ja schon in Bezug auf Strassenverkehr und das rechtzeitige Anlegen von Winterreifen; selbst hier "helfen" leider nur gesetzliche Vorgaben - welches Vertrauen soll ich denn dann in einen muendigen Umgang vieler Menschen mit "riskanten" Medien haben?
"Ich sage ja nicht, dass man solche Taten gaenzlich verhindern kann, aber die "WischiWaschiHaltung" zum Thema Gewalt in Medien finde ich unertraeglich!"
Absolut richtig. Gewalt gehoert inzwischen leider zu jedem "guten" Film dazu. Wenn nicht die Leichen nach einem Terroranschlag in den Medien kursieren wird er als solcher ja gar nicht mehr wahrgenommen. Unsere gesellschaft ist bezueglich physischer Gewalt ohne Zweifel extrem abgestumpft, noch viel schlimmer schauts jedoch mit psychischer Gewalt aus.
Sich mit seinem Nachwuchs z.B. einen Kriegsfilm im Fersehen - wenn sie diesen sehen wollen - gemeinsam anzu sehen und dann darueber zu sprechen halte ich fuer einen guten Vorschlag, da stimme ich Ihnen zu, gilt auch fuer eine intelligente Internetnutzung usw.; den Verkauf und das Herunterladen von Gewaltspielen koennte der Gesetzgeber - wenn er wollte - limitieren, die technischen Moeglichkeiten existieren.
Natuerlich ist leider alles Verbotene erst recht interessant (und wuerde leider einen entsprechenden Markt schaffen), aber ich finde, die Gesellschaft nimmt viel zu wenig Stellung gegen Gewalt; man sollte entsprechende Computerspiele genauso aechten wie KInderpornographie: das Verbot von Internetkinderpornographie verhindert natuerlich keine Straftaten, hierin aechtet aber Politik und Gesellschaft jedoch eindeutig Gewalt in einer ihren moeglichen Auspraegungen.
Ich sage ja nicht, dass man solche Taten gaenzlich verhindern kann, aber die "WischiWaschiHaltung" zum Thema Gewalt in Medien finde ich unertraeglich!
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