Amoklauf von Winnenden Pädagogisch begabt

Auch eine Lehrerin von Tim hat sich inzwischen zu Wort gemeldet. Bis Dienstag hat Theresia Zurhorst den 17-Jährigen an seiner kaufmännischen Schule in Ethik und Deutsch unterrichtet. Erst vor wenigen Wochen hat sie die Klasse einen Aufsatz über das Thema "Verschärfung der Waffengesetze, ja oder nein?" schreiben lassen. Eine ganze Unterrichtseinheit habe sie dem Thema Computerspiele, Amoklauf in Erfurt und der Reaktion des Staates darauf gewidmet, erzählt sie der Winnender Zeitung.

An Tims Aufsatz kann sich Zurhorst noch genau erinnern. Tenor: Auf Menschen dürfe man nicht schießen, Regeln müssten eingehalten werden. Michael, 19, ein ehemaliger Freund und Nachbar berichtet, Tim habe eigentlich eher "was in die pädagogische Richtung" machen wollen. "Er konnte gut mit Kindern."

Geheimer Ort für die Opfer

Stattdessen besuchte er eine kaufmännische Klasse. Möglicherweise sollte er ja einmal das Familienunternehmen weiterführen. Der Vater besitzt im Nachbarort Affalterbach eine Verpackungsfirma, etwa 20 Leute arbeiten dort. Die Mutter hat gelegentlich als Bürokraft ausgeholfen. "Das waren wirklich rechtschaffene, fleißige Leute", erzählt eine Nachbarin, die im Vorgarten ihres Hauses steht.

Die Zahl der Lehrer an der Albertville-Realschule soll nun um die Hälfte aufgestockt werden. An Unterricht wird in den nächsten Wochen allerdings nicht zu denken sein - ebenso wenig wie an eine Rückkehr in das alte Schulgebäude. Die Nachbargemeinden haben bereits ihre Hilfe angeboten: Mit Bussen sollen die Jugendlichen klassenweise auf die umliegenden Ortschaften verteilt werden.

An einem Ort, der nach dem Willen der Winnender geheim bleiben soll, sind inzwischen die Leichen der 15 Opfer aufgebahrt worden - darunter auch die Frau eines Polizisten, der bei dem Amoklauf im Einsatz war. 26 Jahre war sie alt und unterrichtete Physik. Bereits an diesem Samstag, sagt Bürgermeister Bernd Fritz, sollen die ersten Opfer beerdigt werden.