Amoklauf von Lörrach Gelegenheit macht Mörder

Der Missbrauch legaler Schusswaffen hat mehr Tote gefordert als der Terror der RAF. Doch statt das Waffenrecht zu ändern, erstarrt die Politik - aus Furcht vor Schützenvereinen und Waffenlobby.

Ein Kommentar von Joachim Käppner

Nur die allerwenigsten Bürger, die legal Pistolen oder Gewehre besitzen, tun dies aus schierer Notwendigkeit: Jäger, Förster, Menschen, die eine Waffe zum Selbstschutz führen dürfen. Die meisten der zehn Millionen ganz legaler Schusswaffen im Land gehören aber den Sportschützen - zu denen die Amokläuferin von Lörrach gehörte.

Sie haben sich das Recht ertrotzt, eine Glock oder eine Beretta daheim zu haben, oder auch fünf oder 25 Schießgeräte. Der Missbrauch legaler Waffen hat inzwischen mehr Opfer gekostet als der Terror der RAF.

Doch die Politik ist erstarrt in Furcht vor der Waffenlobby und vor dem Ärger mit den Schützenvereinen im Wahlkreis. Soeben ist ein Antrag der Grünen, großkalibrige Waffen zu verbieten, abgelehnt worden. Stattdessen heißt es: Deutschland habe eines der schärfsten Waffengesetze der Welt; man dürfe die Sportschützen nicht unter "Generalverdacht" stellen. Das hat aber auch niemand getan. Gewiss sind die meisten gesetzestreue Menschen. Nur leider ist das kein Trost für Hinterbliebene, denn so selten die Fälle sind, so tödlich enden sie.

Das mindeste, was der Gesetzgeber tun könnte, aus Zaghaftigkeit aber schwerlich tun wird, wäre ein Verbot der Aufbewahrung tödlich wirkender Sportwaffen zu Hause. Man könnte die Waffen bei der Polizei unterbringen, an gesicherten Orten, bei ausgesuchten Waffenwarten.

Effektiver wäre, wie in England geschehen, ein grundsätzliches Verbot solcher Schießgeräte oberhalb des Kalibers von Luftgewehren. Damit würde man Hunderttausende Unbescholtene bestrafen, aber wohl manches Leben retten. Denn es ist die Gelegenheit, der schnelle Zugriff zur Pistole, der wie in Lörrach Mörder macht.