Von Oliver Das Gupta

Wie sich der Emsdettener Täter im Internet inszenierte und in Foren mit Gleichgesinnten über den Bombenbau diskutierte.

Während die Polizei noch damit beschäftigt war, den Sprengstoff an der Leiche des Amokläufers zu entschärfen, wussten kundige Internetnutzer bereits um Sebastian B.s dunkle Obsessionen.

"ResistanX aka Bastian" steht auf einem Foren-Eintrag des mutmaßlichen Amokschützen von Emsdetten Bild vergrößern

"ResistanX aka Bastian" steht auf einem Foren-Eintrag des mutmaßlichen Amokschützen von Emsdetten (© Screenshot: sueddeutsche.de)

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Nicht einmal sein voller Name war vonnöten, denn der junge Mann hinterließ Spuren zuhauf im Web. Wer den Ort Emsdetten, die bevorzugte Musik des Amokläufers und sonstige Vorlieben kombinierte, stieß schließlich auf seinen Nicknamen: Sich selbst nannte Sebastian B. im Internet zumeist "Resistantx".

Google spuckt unter diesem Pseudonym verschiedene Treffer aus: "Resistantx" diskutierte in einem Forum über den Bau von Bomben mit Düngemitteln, stellte ein vorgebliches Grusel-Filmprojekt vor und erstand am 22. Oktober eine Vorderladerpistole für 116 Euro.

Unter den vielen Einträgen ist einer besonders aufschlussreich. "Resistantx" schreibt in einem Foreneintrag: "Ich bin der Bastian, aka Resistantx" und zeichnet mit "Gruß Resi". Damit lüftete B. den Mantel seiner Anonymität - er gab seinen Vornamen preis - und weitere Suchbegriffe zum Googlen: "Resi" und "Bastian".

Kontaktsuche über abgefuckt-liebt-dich.de

Unter letzterem fand sich auch das makabere Video, in dem allem Anschein nach Sebastian B. und ein weiterer junger Mann durch den Wald laufen, Sprengsätze zünden und Hinrichtungen per Kopfschuss nachstellen.

Inzwischen zeigen TV-Sender Sequenzen des Streifens - im Internet ist er gesperrt. Ein anderer Film, der vom User "Resistantx" stammt, ist bei YouTube nach wie vor zu sehen: Ein Zusammenschnitt verschiedener Filmschnipsel über das Massaker von Littleton, bei dem zwei Schüler in ihrer Schule 13 Menschen und sich selbst umbrachten.

"Resistantx" widmete den Clip "Opfern und Killern" der Bluttat. Ein Mausklick mehr reicht, um noch tiefer in seine Abgründe einzutauchen: "Resistantx" favorisierte Kurzvideos wie "21 Anxieties Till I Kill Myself" ("21 Ängste, bis ich mich selbst umbringe") oder einen Ausschnitt, in dem ein Maskierter einem Mädchen in die Brust schießt. Ein Blick auf das Profil des Users deutet auf seine Identität hin. Alter: 18, Land: Germany.

Der virtuelle "Resistantx" suchte auch realen Anschluss - in seiner Gegend: Auf der Osnabrücker Kontakt-Börse abgefuckt-liebt-dich.de hatte er einen Account, auf dem Alter, Teile der Postleitzahl und sogar die politische Ausrichtung vermerkt waren.

Das dazugehörende Bild zeigt einen jungen Mann mit kurzen Haaren und Sonnenbrille der eine Pistole in die Kamera hält. Bis kurz vor der Tat surfte "Resistantx" im Netz. Die Seite der "German Airsoft Community" sah sich Sebastian B. offenbar am Abend vor der Tat an. Sein letzter Besuch ist dort für "Gestern 22:46" vermerkt.

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(SZ vom 21. November 2006)