Angst in Erfurt: Sechseinhalb Jahre nach dem Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium ist erneut eine Drohung gegen eine Schule der Stadt gerichtet worden.

Seit sechs Uhr morgens bewachen Polizeibeamte das Gelände der Integrierten Gesamtschule am Erfurter Johannesplatz. Nach einer laut Kultusministerium "ernstzunehmenden Gewaltdrohung" fällt der Unterricht für die rund 800 Schüler aus. Erinnerungen an den Amoklauf des Robert Steinhäuser werden wach, der vor sechseinhalb Jahren am Erfurter Gutenberg-Gymnasium zwölf Lehrer, die Sekretärin, zwei Schüler und einen Polizisten getötet und sich dann selbst erschossen hatte. "Das ist ganz richtig von der Polizei, dass sie die Schule gesperrt hat", sagt Maria Erbach. "Die Sicherheit für die Kinder und für uns alle ringsum geht vor."

Bild vergrößern

Polizist vor der Integrierten Gesamtschule in Erfurt: "Die Angst geht um". (© Foto: AP)

Anzeige

Atemlos kommt junge eine Mutter angerannt. "Meine Tochter ist in der Grundschule nebenan", sagt sie. "Vielleicht läuft er in der Gegend herum. Das darf sich nicht wiederholen, was an der Gutenberg-Schule geschehen ist. Die Angst ist immer noch da." Das furchtbare Ereignis vom April 2002 ist in Erfurt noch immer präsent. Die Furcht vor Nachahmungstätern bleibt, weshalb die Schulschließung hier auch von keinem der Befragten etwa als eine überzogene Reaktion der Behörden angesehen wird.

Bis zum späten Vormittag hat ein Großaufgebot mit Suchhunden das Schulhaus durchkämmt. Es wurden jedoch dabei weder Sprengstoff noch andere verdächtige Gegenstände gefunden. Dennoch blieben die Beamten weiterhin vor Ort präsent, die Schule blieb gesperrt. Indessen suchen Internetexperten der Kriminalpolizei intensiv nach dem Verfasser einer "sehr drastischen" E-Mail, die am Dienstagabend an der Schule eingegangen ist, wie Polizeisprecher Manfred Etzel sagt. "Wir haben uns nach reiflicher Prüfung entschlossen, die Schule am Mittwoch zu schließen", sagt der Sprecher des Kultusministeriums, Detlef Baer. Bei der Beratung am Dienstag mit der Polizei, der Stadt Erfurt und der Schule habe man genau abgewogen und die Sicherheit der Schüler und Lehrer an die erste Stelle gesetzt

Im Laufe des Mittwoch sollte entschieden werden, unter welchen Bedingungen der Unterricht wieder aufgenommen wird. Für die Schüler insbesondere der Klassenstufen fünf bis acht sei die Betreuung in anderen Schulen gesichert.

Bei einem Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium hatte der ehemalige Schüler Robert Steinhäuser im April 2002 in der Schule zwölf Lehrer, die Sekretärin, zwei Schüler und einen Polizisten getötet und sich dann selbst erschossen.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Der Trauertänzer

"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...

(AP/AFP/grc)