Von D. Stawski

Alice Schwarzer spendete ihren Gewinn aus Günther Jauchs Millionenquiz an eine Berliner Frauennothilfe. Doch statt Migrantinnen zu helfen, investierte der Verein lieber in ein Luxusauto.

Alice Schwarzer räumte ab bei Günther Jauch: Im September 2009 gewann sie in einer Sonder-Ausgabe seiner Show eine halbe Million Euro. Und wie alle Gewinne von Prominenten ging auch ihrer als Spende an eine Hilfsorganisation. Dort jedoch wusste man die Großzügigkeit offenbar wenig zu schätzen: Gut ein Jahr später ist unklar, wo das Geld geblieben ist.

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Alice Schwarzer spendete ihren Gewinn aus Günther Jauchs Millonenquiz an eine Berliner Frauennothilfe. Dort sollen die 500.000 Euro veruntreut worden sein. (© Foto: dpa)

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Schwarzer spendete ihren Gewinn der "Hatun und Can Frauennothilfe" in Berlin. Ein Verein, der bedrohten Frauen aus Migrantenfamilien hilft. Oft geht es um Zwangsverheiratungen und Morddrohungen aus der eigenen Familie. Schwarzer wähnte das Geld dort sinnvoll angelegt, ihr Magazin Emma hatte selbst über den Verein berichtet, andere Medien ebenfalls.

Die Berichte erzählten von jungen Frauen, die nur knapp dem Tod entkamen - mit der Hilfe von "Hatun und Can". Dass es solche Fälle gegeben hat, ist unstrittig. Doch nun steht in Frage, ob der Verein Schwarzers Spende für solche Rettungen verwendet hat - und ob seine Hilfe professionell ist.

Strafanzeige gestellt

Alice Schwarzer, der Sender RTL und die Frauenrechtlerin Necla Kelek, die selbst Mitglied bei "Hatun und Can" war, haben Strafanzeige gegen den Verein gestellt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betruges und Untreue. Es fanden Durchsuchungen statt, die Vereinskonten wurden eingefroren.

Als sich Alice Schwarzer nach der Sendung erkundigt hatte, was mit dem Geld passiere, habe sie nur "sehr knapp und sehr vage" Antwort bekommen. Sie habe sich deshalb mit dem Vereinsgründer getroffen, der aus Angst vor Gewalttaten den Decknamen Andreas Becker benutzt. "Das Gespräch verlief sehr irritierend", sagt Schwarzer.

Denn Becker sei nicht bereit gewesen, auch nur ein einziges Wort über die Verwendung des Geldes zu sagen. Zudem habe er nicht den Eindruck gemacht, "auch nur die Minimal-Qualifikation für eine angemessene Beratung von bedrohten Musliminnen" zu besitzen.

"Wichtigtuerei und Lügen"

Becker selbst streitet die Vorwürfe ab. Sein Anwalt Hubert Dreyling spricht von "Heuchelei, Wichtigtuerei und Lügen". 100 Frauen helfe der Verein im Jahr. Weil man sie schützen müsse, könne man nicht jede Information preisgeben. Im Streit geht es auch um einen BMW, den sich der Verein mit einem Teil des Geldes angeschafft hat, einen BMW X6 Turbodiesel.

Schwarzer kritisiert den Kaufpreis von 60.000 Euro. Beckers Anwalt Dreyling sagte der SZ, dass Betroffenen auch beim Transport ihrer Habe geholfen werde und man ein großes Auto dafür brauche. "Eine andere Karre hält ja nur drei Jahre."

Alice Schwarzer übt nicht als Einzige Kritik. Die Vereinsleiterin von "Papatya", einer anderen Berliner Schutzeinrichtung für Frauen, spricht von "wissentlich falscher Beratung". Von Betroffenen weiß sie, dass sie zwar in Fluchtwohnungen untergebracht worden seien, dort hätten sie aber ohne weitere Hilfe allein herumgesessen.

"Als 'Hatun und Can' auch noch die 500.000 Euro bekam, wurde es richtig gefährlich", sagt die "Papatya"-Chefin. Immer mehr Frauen hätten nach der Spende Unterstützung dort gesucht. Was sie bekamen, sei aber "unprofessionell und kontraproduktiv" gewesen.

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(SZ vom 19.02.2010/kred/jobr)