Algerien Mehr als 250 Tote bei Absturz von Militärflugzeug

Das ausgebrannte Wrack der Iljuschin IL-76

(Foto: AFP)
  • Ein Flugzeug des algerischen Militärs ist kurz nach dem Start von einem Luftwaffenstützpunkt abgestürzt.
  • Laut Verteidigungsministerium kamen dabei 257 Menschen ums Leben.
Von Paul-Anton Krüger, Kairo

Beim Absturz eines Militärflugzeugs in Algerien sind am Mittwoch offenbar 257 Menschen getötet worden. Die Maschine vom Typ Iljuschin Il-76 sei beim Start vom Luftwaffenstützpunkt Boufarik in der Provinz Blida verunglückt, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Algérie Presse Service unter Berufung auf das Militär. Das Verteidigungsministerium erklärte, die Unglücksursache sei noch unklar - eine Untersuchung laufe. Nach Augenzeugenberichten verlor die Maschine direkt nach dem Start abrupt an Geschwindigkeit und stürzte hinter der Startbahn ab.

Boufarik liegt etwa 25 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Algier; der nochmal 30 Kilometer entfernte Militärflugplatz ist das Hauptquartier der Transportflieger der Armee. Die Maschine sollte über Tindouf nach Béchar im Südwesten des Landes fliegen. Fernsehbilder zeigten das Wrack des Flugzeugs, das auf einem Feld neben der Autobahn von Algier nach Blida aufgeschlagen und offenkundig in mehrere Teile zerbrochen ist. Schwarze Rauchwolken stiegen auf. Mehr als ein Dutzend Rettungswagen waren im Einsatz.

Dem algerischen Verteidigungsministerium zufolge kamen 257 Menschen ums Leben. Darunter zehn Besatzungsmitglieder und 247 Passagiere. Es sei unklar, ob es Überlebende gebe. Generalstabschef Ahmed Gaïd Salah brach einen Truppenbesuch ab und begab sich an die Unglücksstelle.

Die Maschine war offenbar als Truppentransporter im Einsatz, die Insassen Soldaten. Laut Militärquellen bediente das abgestürzte Flugzeug eine regelmäßige Verbindung zu Zielen im Westen des Landes. Es sollen auch mindestens 26 Mitglieder der Polisario an Bord gewesen sein, einer von Algerien unterstützten Organisation, die für die Unabhängigkeit der Westsahara kämpft. Das Gebiet wird von Marokko beansprucht. Das Gebiet ist de facto geteilt; Marokko kontrolliert den größeren Teil, die Polisario zwei Gebiete im Süden und Osten, das an Algerien grenzt.

Rettungskräfte suchen am Absturzort nach Überlebenden

(Foto: AP)

Laut TSA handelte es sich um eine Iljuschin Il-76, ein vierstrahliges schweres Transportflugzeug, das Mitte der Siebzigerjahre in der Sowjetunion entwickelt wurde und in einer modernisierten Version bis heute gebaut wird. Die algerische Luftwaffe betreibt insgesamt 18 solche Maschinen in verschiedenen Ausführungen. Von knapp 1000 gebauten Maschinen dieses Typs sind etwa 55 in Unfälle verwickelt gewesen.

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