Ein Kommentar von Gerd Kröncke

Sollten defekte Geschwindigkeitssonden den Absturz des Airbus A330 verursacht haben, würde der Nimbus von Air France geschädigt werden. Und auch das Ansehen Frankreichs.

Piloten zögern lange, bis sie einmal streiken, es passt nicht zu ihrem Arbeitsethos. Dabei streikt immer irgendjemand in Frankreich. Soeben hatten wieder die Fahrer einer Pariser Vorort-Schnellbahn die Arbeit niedergelegt. Sie fürchteten um ihre Sicherheit, nachdem einer der Ihren tätlich angegriffen worden war. Was aber mutet man den Piloten zu, die größeren Grund zur Sorge haben?

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Unglücksursache fraglich: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy dürfte nicht nur die Bergungsarbeiten intensiv verfolgen, sondern auch die Ermittlungen zur Aufklärung der Katastrophe. Das Ansehen des ehemaligen Staatsunternehmens Air France steht schließlich auf dem Spiel. (© Foto: AP)

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Wenn sich herausstellt, dass unzuverlässige oder gar defekte Geschwindigkeitssonden der Unglücksmaschine vom Typ Airbus die Ursache für die Katastrophe des Flugs AF 447 waren, dann wird der Nimbus von Air France nachhaltig geschädigt. In Zeiten der Krise und des Minus-Wachstums ist das doppelt schädlich.

Im Élysée werden nicht nur die Bergungsarbeiten intensiv verfolgt. Man kann davon ausgehen, dass Präsident Nicolas Sarkozy, der alles an sich zieht, sich auch über die Ermittlungen zur Aufklärung der Katastrophe regelmäßig unterrichten lässt. Air France ist zwar seit langem schon kein Staatsunternehmen mehr, gleichwohl leidet auch Frankreichs Ansehen, wenn der Ruf einer Fluggesellschaft mit dem Landesnamen im Firmentitel ins Trudeln gerät.

Es wird sich erweisen, wie dringend die Warnung war, die Air France schon im vorigen November an die Piloten herausgegeben hat. Wenn es nun möglich sein soll, dass die zweifelhaften Sensoren binnen Tagen ausgewechselt werden, dann muss die Frage beantwortet werden, warum das nicht schon voriges Jahr möglich war.

Die Air-France-Piloten werden sich, darauf zählt jeder Passagier, beim geringsten Zweifel gegen den Start mit einem A330 oder A340 entscheiden. Das ist kein Streik, sondern die schiere Fürsorge.

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(SZ vom 10.06.2009/ojo)