Schuldzuweisungen und Misstrauen bei der französischen Airline nach dem Absturz des Unglücksfluges AF 447: Die Geschäftsführung verbittet sich Kritik ihrer Piloten am Unternehmen.
Der genaue Hergang der Katastrophe am 31. Mai, als der Air-France-Flug AF 447 in den Atlantik stürzte, ist immer noch unklar. Fünf Monate nach dem Absturz der A330-Maschine, bei dem 228 Menschen ihr Leben verloren, wird weiter spekuliert. An gegenseitigen Schuldzuweisungen und Mutmaßungen über mögliches Fehlverhalten aber wird nicht gepart. Seit längerem schwelt der Unmut innerhalb der Fluglinie.
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Geborgene Trümmer nach dem Absturz des Air France-Fluges 447: Die Absturzursache ist weiterhin ungeklärt. (© Foto:)
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Zwei Piloten von Air France hatten in einer von ihnen veröffentlichten Analyse die Geschäftsführung für den Absturz verantwortlich gemacht. Diese habe versäumt, die sogenannten Pitot-Sonden - spezielle, an der Außenwand eines Flugzeugs angebrachte Geschwindigkeitsmesser - auszuwechseln. Mit einer Wartung derselben hätte das Unglück wohl verhindert werden können, so die Piloten. Ob die Pitot-Sonden mit zum Absturz geführt haben, ist zwar nicht nachgewiesen. Aber die Einlassungen der Piloten wiegen schwer - und Air France reagiert gereizt.
Das Management hat nun vergangene Woche an sämtliche Crews ein Memo verschickt, aus dem nun das Wall Street Journal zitiert. Darin gibt die Geschäftführung den Vorwurf der Schuld an die Piloten zurück. So sei es zuletzt zu kleineren, die Sicherheit der Passagiere gefährdenden Vorkommnissen gekommen, weil die Piloten gewisse Standard-Sicherheitsvorkehrungen entweder vernachlässigt oder aber schlicht missachtet hätten.
Ein Pilot habe zum Beispiel einmal während des Starts einer Maschine ein Alarmsignal einfach ignoriert. Die Piloten sollten keine eigenen Sicherheitsvorkehrungen kreieren, sondern einfach die herkömmlichen befolgen. Dies sei der effektivste Weg, Probleme zu vermeiden und zu verhindern. Außerdem werden die Piloten in dem Schreiben angewiesen, das Unternehmen nicht mehr öffentlich zu kritisieren.
Inakzeptabel sei dieser Brief, sagte Erick Derivry, Sprecher der größten Piloten-Gewerkschaft in Frankreich. Zudem verdeutliche er das wachsende Misstrauen zwischen Unternehmen und Piloten.
Air France ließ daraufhin sofort verlauten, dass das Schreiben "lediglich" als Erinnerung gedacht war, die existierenden Sicherheitsvorkehrungen auch zu befolgen - im Übrigen habe man volles Vertrauen zu seinen Piloten.
Französische Ermittler haben nun für Dezember einen neuen, externen Bericht angekündigt, der die Vorgänge im Cockpit des Airbus beleuchten soll. Im nächsten Jahr soll außerdem erneut mit der Suche nach den Flugschreibern begonnen werden, die in mehreren tausend Metern Tiefe im Meer verschollen sind. Dass sie tatsächlich gefunden werden, ist unwahrscheinlich.
Über die Unglücksursache und die Schuld am Absturz wird weiter gestritten.
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(sueddeutsche.de/hey/grc)
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