Das ZDF hat das Ende der Volksmusiksendung "Lustige Musikanten" beschlossen. Der Sender möchte sein Programm verjüngen: Maria Hellwig, mit 87 Jahren das Urgestein der Volksmusik, findet das gar nicht lustig.
Schlagerstars wie Heino kritisieren die Entscheidung des ZDF und sprechen von "Jugendwahn". Maria Hellwig ("Wenn's niemand mehr zum Reden hast") ist seit Jahrzehnten Gast in solchen Fernsehshows. Einst studierte sie auf der Akademie der Tonkunst in München, privat singt sie lieber Mozart.
Maria Hellwig verzweifelt am deutschen Schlager (© Foto: dpa)
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SZ: Frau Hellwig? Haben Sie schon davon gehört, dass das ZDF die "Lustigen Musikanten" absetzen möchte?
Maria Hellwig: Ja? Und?
SZ: Ihr Kollege Heino ist der Meinung, man solle nun einen Euro seiner monatlichen Rundfunk- und TV-Gebühren aus Protest gegen diese Entscheidung einbehalten.
Hellwig: Soso. Aber mir ist das wurscht.
SZ: Schauen Sie denn nicht die "Lustigen Musikanten" an? Oder Carmen Nebel oder so?
Hellwig: Ach, das sind doch keine Volksmusiksendungen. Das sind doch mehr so bunte Programme.
SZ: Bunt?
Hellwig: Ja. Die letzte richtige Volksmusiksendung im deutschen Fernsehen hieß "Auf geht's Leut', die Musi kommt."
SZ: Wer hat die moderiert?
Hellwig: Ich.
SZ: Ach.
Hellwig: In dieser Sendung traten noch Künstler aus der Umgebung auf. Und es wurde live gespielt. Und Plattenreklame gab es auch noch nicht. Heutzutage macht doch jeder nur noch für seine Platten Reklame. Das ist schrecklich.
SZ: Wieso?
Hellwig: Weil das zeigt, dass die Firmen das Sagen haben. Und die lassen immer nur dieselben vor die Kamera.
SZ: Zum Beispiel Sie.
Hellwig: Na, ich singe halt gerne und bin auch gerne mit der Jugend unterwegs. Bald machen wir wieder eine Tournee mit dem Flori.
SZ: Florian? Silbereisen?
Hellwig: Ja, mit dem Flori.
SZ: Der moderiert doch auch diese Art von Sendungen im Fernsehen. Ist der denn anders?
Hellwig: Ach, der Flori hat da auch nichts zu sagen.
SZ: Nein?
Hellwig: Das machen alles seine Manager.
SZ: Das ist ja furchtbar.
Hellwig: Nur wenige haben da was zu sagen. Deshalb kommen auch immer nur die gleichen Leute dran. Und die, die echte Volksmusik geschätzt haben, die sind schon lange weg.
SZ: Geben Sie es zu, Frau Hellwig: Sie kriegen doch auch Kopfschmerzen, wenn Sie diesen Fernsehmist anschauen. Das klingt doch alles wie Tütensuppe. Und immer dieser mechanische Keyboard-Bass.
Hellwig: Ich verstehe auch nicht, dass das keiner merkt.
SZ: Und alle klatschen ständig auf Eins und Drei.
Hellwig: Dieses Klatschen ist so entsetzlich. Weil man die Stimmung nicht mehr hört. Furchtbar.
SZ: Ist das nur in Deutschland so?
Hellwig: In Amerika oder Russland habe ich das nie erlebt.
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(SZ vom 7.8.2007)
Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld
Man moechte also das Programm verjuengen, erstes "Opfer" die Volksmusiksendungen.
Die eigentliche gar keine sind. Dort wird doch - wer es schon mal geschafft hat, dem Audiomuell mehr als 10 Minuten Aufmerksamkeit zu schenken- ueberhaupt mehr keine Volksmusik gespielt, sondern deutscher Synthi-Ethno-Pop a la Stefanie Hertel und Konsorten. Das bei uns die echte Volksmusik ausgestorben zu sein scheint, hat ja auch was mit der verordneten politischen Korrektheit zu tun.Frag doch mal heute einen deutschen Buerger zwischen 20 und 30 , welche deutsche Volkslieder er vom Text her kennt.... Wer heute am Himmelfahrtstag Am Brunnen vor dem Tore singt, gehoert ja schon zu den Rechten der Republik.
Und ich moechte festhalten, ich bin absolut kein Anhaenger der hier betreffenden Sendungen noch wirke ich in einem Chor fuer ostpreussische Volksweisen mit.
Ohne das zu verunglimpfen.
Nein, das Problem ist doch ein anderes. Man erkennt ploetzlich, und das nach ca. 17 Jahren im Wettbewerb mit den freien Sendern, das man Zielgruppen hat.
Jedes andere Unternehmen in der freien Wirtschaft hätte es so gewirtschaftet mit dem Geld seiner (GEZ) Aktionäre wahre längst in der Pleite gelandet. Unternehmensstrukturen wie im besten Sozialismus, eine Geld-ausgeben-was-ich- nicht- erwirtschaftet-habe-Mentalitaet, die zum Himmel stinkt. über Jahre unkontrolliert auf eine Altersgruppe fokussiert, die ab 60 Jahre aufwärts liegt, plötzlich aufwachen und merken: Zielgruppe verfehlt. Welche Zielgruppe? Für mich stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, inwieweit das öR für sich den Anspruch erheben darf, nach Zielgruppen-relevanten Untersuchungen vorzugehen. Der Versorgungsauftrag sollte doch von 0 bis 100 gelten, oder? Ein ausgewogenes Programm, auf Distanz zum verblödeten I love to entertain you Anspruch oder des 28. Aufgusses einer 70er Jahre Show mit B-Promis stände den öR sicher gut/besser zu Gesicht. Mit einem Blick auf gut gemachte Filme/Sendungen?reportagen etc. im europäischen Raum anstelle der 10. Wiederholung von American Pie. Und innerhalb einer ständig wachsenden Union in Europa waere dies zudem der beste Weg, etwas ueber andere (Film)- Kulturen zu erfahren. Aber da ist wohl der Wunsch der Vater des Gedanken...
Hmm - so hab ich das noch nicht gesehen. Wohl, weil mir der Einblick bzw. Durchblick fehlte. Das, was Sie über die alte Dame geschrieben haben, gibt mir zu denken. Vielleicht sollte ich wirklich nicht über die VM-Sendungen mich aufregen, sondern mich freuen, dass ich noch Alternativen zum Fersehen habe, die vielen älteren Menschen nicht mehr gegeben sind. Und für die dann diese Sendungen genau das bedeuten, was Sie beschrieben haben.
Es ist schon ein Zeichen von Intoleranz, wenn die vor allem jüngeren Autoren in diesem Forum mit Totschlagargumenten und teilweise unsachlichen Anwürfen über den volkstümlichen Schlager herziehen. Wenn er Ihnen nicht gefällt, dann hören Sie ihn einfach nicht, aber lassen Sie den Anhängern diesert Musikrichtung ihre Freude daran. Es kritisiert ja auch kein Schlagerfan billigen Plastikpop und Hip-Hop-Grütze, obwohl es genug davon gibt.
Die ÖR sollten die Sendungen mit volksmusikalischem Inhalt nicht streichen, sondern mit den derzeit grassierenden Tier-Doku-Soaps fusionieren. Damit wären auf einen Schlag so ziemlich alle Zuschauerschichten abgedeckt ("schau doch mal, wie die Robbe in die Saiten greift - ist das nicht niedlich?"), die Produktionskosten wären auch erfreulich niedrig ("...und die Orang-Utans wollen nicht eine Banane mehr haben, ist das nicht klasse?"), und auch ein Florian Silbereisen würde gar nicht mehr so schrecklich auffallen, weil man ihn für ein weiteres Tier halten täte ("...!").
Könnte wenigstens die SZ die Musik richtig benennen? Es ist keine Volksmusik sondern volkstümliche um nicht zu sagen volkstümelnde Musik.
Ich schließe mich der Mehrheit der Vorkommentatoren an: Diese Musik ist unerträglich, besonders wenn sie auf allen öffentlich-rechtlichen Kanälen und ausgestrahlt wird.
Sie ist halt schön billig zu produzieren und teuer (von GEZ-Zahlern bezahlt) an die öffentlich-rechtliche Geldvernichtungsmaschine zu verkaufen.
Paging