Ägypten Aufregung um künstliches Jungfernhäutchen

Ein Unternehmen aus China vertreibt künstliche Jungfernhäutchen für frisch verheiratete Frauen in Ägypten - und sorgt bei konservativen Politikern für Empörung.

Chinesische Firmen machen in Afrika blendende Geschäfte. Doch ein Produkt aus Fernost sorgt nun für extrem viel Ärger in Ägypten: Es geht um ein künstliches Jungfernhäutchen. Das Kunststoff-Hymen soll frisch verheirateten Frauen ermöglichen, dem Ehemann zur Not die eigene Jungfräulichkeit vorzutäuschen.

Konservative ägyptische Politiker sind empört und fordern das Verbot des Produktes. Scheich Sajed Askar, Mitglied der einflussreichen Muslimbruderschaft, sagte, das künstliche Jungfernhäutchen würde ägyptische Frauen in Versuchung führen. "Es wäre eine Schande, wenn die Regierung dieses Produkt zuließe", heißt es auf der Website der islamisch-fundamentalistischen Bewegung, die 88 Sitze im Parlament hält.

"Wer immer es importiert, sollte bestraft werden", forderte der Islamgelehrte Abdel Moati Bajumi. Die islamische Kultur erlaube Geschlechtsverkehr nur innerhalb "der Grenzen der Ehe".

In Ägypten ist der Islam Staatsreligion. Obwohl Frauen und Männer laut Verfassung gleichberechtigt sind, wird Mädchen aus Kostengründen oft die schulische Ausbildung vorenthalten. Auch das staatliche Gesundheitssystem bleibt vielen vorenthalten, da sie keine Geburtsurkunde oder einen Personalausweis besitzen.

Viele Mädchen werden schon vor dem gesetzlichen Alter von 16 Jahren verheiratet, nicht selten auch gegen ihren Willen. Von ihnen wird meist erwartet als Jungfrau in die Ehe zu gehen.

Orange statt rot

Die künstliche Jungfernhaut ist hauchdünn mit Kunstblut beschichtet. Sie reagiert auf Wärme und Feuchtigkeit, so dass es sich selbst auflöst. Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes in Tübingen warnt jedoch vor künstlichen Hymen, die man im Internet bestellen kann. Beim Test färbte sich das Bettlaken orange statt rot.

Laut der Menschenrechtsorganisation häufen sich auch in Deutschland die Anfragen junger Frauen mit Migrationshintergrund nach Möglichkeiten, ihr Jungfernhäutchen wiederherstellen zu lassen. Durch die Rekonstruktion wollen diese sicherstellen, dass sie in der Hochzeitsnacht bluten und ihre Jungfräulichkeit so bewiesen ist.

Die gesellschaftliche Bedeutung der Jungfräulichkeit werde häufig dafür verwendet, Frauen ihre sexuelle Selbstbestimmung zu verweigern, so Terre des Femmes. Die Organisation lehnt deshalb die Rekonstruktion ab.