Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert Mutige Briten setzen auf rothaarige Zwillinge

Die Wettbüros in England sind derzeit heillos überlastet. Als potentielle Namen für den royalen Nachwuchs stehen Mary, Victoria, John, Diana, Frances, Georg und Charles hoch im Kurs. Ganz mutige Briten setzen auf rothaarige Zwillinge.

Wenn die Eltern lebenden Figuren einen Gefallen tun wollen, würde es mich nicht wundern, wenn in dem Namen irgendwo ein 'Elizabeth' vorkäme. Dann hätten wir eine wunderbare Elizabeth III. Für Jungen wäre George eine gute Lösung, es kann natürlich aber auch sein, dass jemand sagt, der Mann der Queen, Prinz Philip, hat immer so im Hintergrund gestanden, also machen wir doch mal einen Philip daraus. Ich habe aber die Hoffnung, dass sie Namen wählen werden, die bislang nie vorgekommen sind. Weil sie ja auch ein Paar sind, dass so noch nicht im englischen Königshaus vorgekommen ist.

Haben Prinz Harry und Pippa Middleton Chancen auf eine Patenschaft?

Das wäre sicher eine hübsche Lösung. Sie werden wohl nicht die ersten Paten des Kindes, aber Paten doch. Königskinder haben immer mehr als zwei Paten.

Sie begleiten die Berichterstattung über das britische Königshaus seit mehr als 30 Jahren. Was macht die Queen und ihre Familie für die Menschen so faszinierend?

Ihre Kontinuität. Die Zeit heute ist so schnelllebig, dass Leute kaum die Chance haben weltweit bekannt zu werden. Selbst ein amerikanischer Präsident wie Barack Obama ist irgendwann weg vom Fenster. Aber den Buschmännern im südlichen Afrika ist die Königin von England genauso vertraut wie den Lappländern im Norden. Sie ist eine Frau, die seit mehr als 60 Jahren die Zeitungen auf der ganzen Welt füllt und auf allen Titelbildern zu sehen war. Das englische Köngishaus hat eine besondere Bedeutung, weil es über viele Jahrhunderte gewachsen und zu einem frühen Zeitpunkt entmachtet und demokratisiert worden ist. Es besteht größtenteils aus sympathischen Figuren.

Die Geschichte um Charles und Diana war aber nicht unbedingt sympathisch.

Aber sie fasziniert die Menschen weltweit, eben weil die Hauptdarsteller über so einen langen Zeitraum zur Verfügung stehen. Die Mitglieder des britischen Königshauses sind Identifkationspersonen, die aber nicht unbedingt als Vorbild gesehen werden.

Berichtet seit Jahrzehnten von Europas Königshäusern: Rolf Seelmann-Eggebert.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wird es für Sie nach so langer Zeit nicht langweilig, immer wieder über Personen wie die Queen, Prinz Charles, Camilla, Andrew und Anne zu berichten?

Auch wenn Sie den Eindruck haben mögen, ich berichtete nur über die Briten - tatsächlich kümmere ich mich um alle sieben europäischen Königshäuser, und langweilig wird's da nie.

Auf Prinzessin Diana folgte Camilla. Wenn die Queen abdankt ...

Sie wird regieren bis zum letzten Atemzug. Nur zu anstrengenden Auslandsreisen wird sie wohl zukünftig die jüngere Generation schicken.

Prinz Charles wird die heute 86-jährige Queen irgendwann beerben. Wird seine zweite Frau, Camilla, ihre Rolle ausfüllen können?

Ich kann mir vorstellen, dass Camilla eine sehr gute Königin wird. Zu dem Zeitpunkt ihrer Hochzeit war das für mich noch eine offene Angelegenheit. Mittlerweile hat sich die britische Bevölkerung aber an sie gewöhnt. Sie spricht wie eine Herzogin, sie denkt wie eine Herzogin, sie tritt auf wie eine Herzogin. Warum soll das nicht auch für sie als Königin gelten? Sie teilt viele Interessen mit der Queen, versteht viel von Pferden und dem Landleben. Sie wird eine Königin in Gummistiefeln sein, keine im Pelzmantel."