Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert "Der Druck auf William und Catherine war sehr groß"

Wie wird der royale Nachwuchs heißen? Wie wird er aufwachsen? Und welche Rolle werden Prinz Charles, Pippa Middleton und Prinz Harry dabei spielen? Deutschlands Royal-Experte, Rolf Seelmann-Eggebert, spricht im Interview über das Kind, das Kate und William erwarten.

Von Jana Stegemann

Mehr als dreißig Mal hat Rolf Seelmann-Eggebert der Queen die Hand geschüttelt. Seit Ende der Siebziger Jahre hat es keine royale Hochzeit, keine Taufe und kein Begräbnis in europäischen Königshäusern gegeben, die er nicht für die deutschen Fernsehzuschauer in der ARD kommentiert hat. Im Februar dieses Jahres feierte der Journalist seinen 75. Geburtstag. Zu diesem Anlass würdigte Günter Struve, der ehemalige ARD-Programmdirektor, ihn mit den Worten: "Für mich gilt eine Ehe gar nicht als ordentlich geschlossen, wenn Rolf Seelmann-Eggebert nicht dabei war." Dabei startete er seine Karriere einst als ARD/NDR-Korrespondent für Afrika, bevor er im Jahr 1978 Studioleiter in London wurde. Dort trat er anlässlich des 30. Geburtstages von Prinz Charles erstmals in Adelsdingen auf. Mit Pathos und Enthusiasmus berichtet Seelmann-Eggebert im Interview über das britische Königshaus und die frohe Kunde von der Schwangerschaft am Hof.

Süddeutsche.de: Der Rest der Welt weiß seit dieser Woche von Catherines Schwangerschaft. Seit wann wissen Sie als langjähriger Vertrauter am britischen Königshof, dass die Herzogin ein Kind erwartet?

Rolf Seelmann-Eggebert: Die berühmten Freundinnen und Freunde melden sich ja vorher. Vor einer Woche gab es Hinweise von einer der sogenannten besten Freundinnen, dass da im Juni etwas erwartet würde. Es kann stimmen, dass sie es gewusst hat, aber es kann auch ein "Good guess" gewesen sein. Jedenfalls weiß man nun, in welchem Monat sich Catherine ungefähr befindet. Der Juni ist ein toller Monat für die Geburt, denn da feiert die Queen ihren Geburtstag mit der Parade "Trooping the Colour".

Also perfektes Timing von William und Catherine, die sowieso schon als Vorzeigepaar der Royals gelten?

Ja! Es ist gut, dass sie sich Zeit gelassen haben. Es gab eine Diskussion in Großbritannien, inwieweit eine Schwangerschaft das 60. Thronjubiläum der Queen überschattet, ihr sogar die Schau gestohlen hätte. Perfektes Timing aber auch noch aus einem anderen Grund: Denn vom Königshaus werden immer gute Nachrichten erwartet, wenn die Zeiten schlecht sind. Die Wirtschaftssituation in Großbritannien ist momentan auch nicht glücklich und da ist das Köngshaus immer gerufen, die Sonne scheinen zu lassen - das haben sie großartig gemacht und mit der Meldung von Catherines Schwangerschaft ein fünftes Adventslicht im Dezember hinzugefügt.

Herzogin Catherine gehört zu den beliebtesten Mitgliedern des Königshauses. Wie verändert sich ihre Rolle jetzt?

Sie kann sich kaum noch positiver hervorheben, als sie es im Moment sowieso schon tut, aber natürlich ist die Herzogin mit einem Baby noch gefragter als bisher. Alle sind ganz hibbelig gewesen, dass es so lange gedauert hat. Der Thronfolger ist erst perfekt, wenn er auch eine Familie hat. Der Druck auf William und Catherine war sehr groß, jetzt ist die Hälfte davon weg. Schließlich hat William auf seiner letzten Auslandsreise davon gesprochen, zwei Kinder haben zu wollen. Das Thema Kinder wird im britischen Königshaus also noch lange eine große Rolle spielen. Keine Kinder zu haben, wird in allen Königshäusern der Welt als Mangel empfunden. Das kann eine Geschichte sein, die einen ein ganzes Leben verfolgt, wie man an der einstigen belgischen Königin Fabiola gesehen hat.

Wie wird die zukünftige Nummer drei der britischen Thronfolge aufwachsen?

Er oder sie wird sicher öffentliche Schulen besuchen. Der Hof wird keine Prinzen-Schule um das Kind konstruieren, wie es bei der Urgroßmutter noch der Fall war. Elisabeth ist mit ihrer Schwester zusammen in einer Privatschule aufgewachsen, die man speziell im Buckhingham Palace installiert hatte, damit sie mit dem gemeinen Volk nicht in Berührung kam. Das ist bei Charles und seinen Geschwistern schon ganz anders gewesen. Gerade Prinz William ist ja sehr gezeichnet und sensibilisiert von den Belästigungen seiner Mutter durch Journalisten. So wird er versuchen, ein Abkommen mit der Presse zu finden, damit sein Kind nicht schon als Dreijähriges von Fotografen belästigt wird. Auch wenn ich das Gefühl habe, dass es in der britischen Presse viel Nachdenklichkeit gegeben hat nach der Diana-Geschichte. Natürlich gibt sich keiner die Schuld an dem Tunnel-Unfall, aber als Ruhmesblatt sehen es die Journalisten auch nicht.

Prinzessin Diana versuchte ihren Söhnen so viele Freiheiten zu ermöglichen wie es im Umfeld des Buckingham Palasts ging. Wird die Queen über das Kind von William und Catherine strenger wachen?

Charles wurde mit eiserner Hand erzogen, wobei das mehr von Prinz Philip als von der Queen ausgegangen ist. Er hat Briefe an seine Großmutter aus dem ihm so verhassten Elite-Internat Gordonstoun geschrieben und darum gebeten, von dort weggehen zu dürfen. Er hat sich später offiziell in einer von ihm autorisierten Biographie über die Härte in seiner Kindheit beschwert. Bei seinen eigenen Kindern hat er es anders gemacht und die lockere Hand, die er und Diana gehabt haben, werden wohl auch für die Enkelkinder gelten. Daher wird William kein strikterer Vater sein als es Charles für ihn gewesen ist.