Absturz im Mittelmeer Auf der Suche nach Verdächtigen überprüfen Experten in Paris Aufnahmen von 9000 Kameras

Spekulationen darüber befeuerten Aussagen des griechischen Verteidigungsministers Panos Kammenos. Die Maschine sei zunächst eine scharfe Kurve 90 Grad nach links geflogen, um dann kurz darauf um 360 Grad nach rechts zu drehen. Zugleich sei der Airbus binnen Minuten auf etwa 4500 Meter Flughöhe abgesackt. Als er vom Radar verschwand, sei er noch etwa 3000 Meter hoch geflogen. Ein solches Radarmuster wäre aber auch erklärbar mit einem schweren Defekt wie einem Abreißen des Hecks - was wiederum eine Bombe verursacht haben könnte.

Präsident Hollande sprach den Familien der Opfer Frankreichs "Solidarität und Mitgefühl" aus. Seine Regierung arbeite bei den Ermittlungen eng mit den ägyptischen Behörden zusammen. "Wir haben die Pflicht, alles über die Ursachen des Geschehens zu erfahren." Wenige Minuten später teilte die Staatsanwaltschaft von Paris mit, man habe die Generaldirektion der Gendarmerie mit den Ermittlungen beauftragt. Und in Ägypten setzte der Generalstaatsanwalt die Terrorspezialisten der Staatssicherheit in Marsch.

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Ägypten hat bei der Sicherheit von Flügen nachgebessert

Sowohl Ägypten als auch Frankreich sind im vergangenen Jahr Opfer schwerer Anschläge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geworden. Am 31. Oktober 2015 war der Airbus A 321 einer russischen Fluggesellschaft kurz nach dem Start im Badeort Scharm el-Scheich am Roten Meer über dem Sinai abgestürzt. Dabei kamen alle 224 Menschen an Bord ums Leben. Russland und auch westliche Staaten gehen davon aus, dass die Maschine durch eine in der Kabine versteckte Bombe zum Absturz gebracht wurde. Der IS hat sich dafür verantwortlich erklärt.

Mängel in der Flughafensicherheit sollen es den Attentätern ermöglicht haben, die Bombe an Bord zu schmuggeln. Inzwischen hat Ägypten nachgebessert, wie jüngst Bundesinnenminister Thomas de Maizière bei einem Besuch in Kairo sagte. Dennoch gab es in Frankreich schon am Morgen Mutmaßungen, wer wohl wie und wo eine Bombe an Bord geschmuggelt haben könnte - und die Theorie, dass dies schon auf dem Flughafen in Kairo geschehen sein könnte.

Nach den Anschlägen von Paris verloren 70 Mitarbeiter den Zugang zum Flughafen

Aber auch 3000 Kilometer nordwestlich von Kairo suchen Ermittler nach Spuren: Am Flughafen Charles de Gaulle werten Sicherheitsexperten Bilder von insgesamt 9000 Videokameras aus: Sie prüfen die Gesichter der Passagiere, des Personals am Gate - und sie sichten die Aufnahmen im Umfeld des Airbus A 320 vom Vorabend. Insgesamt 85 000 Mitarbeiter besitzen einen roten Badge für den Sicherheitsbereich von Europas zweitgrößtem Airport. Im November, nach den mörderischen Attentaten von Paris, hatten Polizei und Inlandsgeheimdienst penibler nachgeprüft, wer da alles Zugang hatte in die "zone réservee" des Flughafens: Prompt waren 70 Mitarbeiter wegen des Verdachts islamistischer "Radikalisierung" ihre Sicherheitsausweise los.

Seither wird schärfer und öfter kontrolliert. Jeden Tag patrouillieren 1650 Polizisten, Grenzkontrolleure, Soldaten und Zivilfahnder am Flughafen. "Aber", so sagt ein hoher Funktionär aus dem Innenministerium, "hundert Prozent Sicherheit gibt es nicht. Nirgendwo."

Verwirrung um mögliche Wrackteile im Mittelmeer

+++ Griechische Offizielle: Wrackteile gehören nicht zur vermissten Maschine +++ Egyptair-Vizepräsident teilte zuvor mit: "Wir haben das Wrack gefunden" +++ Luftfahrtminister hält Terrorakt für wahrscheinlicher als technischen Defekt +++ Von Felicitas Kock, Tanja Mokosch, Paul Munzinger und Jana Stegemann mehr ...