Abschluss der Familiensynode Rom kann sich nicht zu Reformen durchringen

Papst Franziskus mit Bischöfen während der Familiensynode in Rom.

(Foto: AFP)
  • Drei Wochen dauerte die Familiensynode in Rom. Heute ist sie mit einer Abschlusserklärung der 270 Bischöfe zu Ende gegangen.
  • Beim Thema Homosexualität sind die Unterschiede so groß, dass eine gemeinsame Position nicht möglich ist.
  • Die Bedeutung der Ehe wird theologisch sogar noch aufgewertet. Die Rolle der Seelsorge wird gestärkt.
  • Das Papier ist ein realistisches Bild der Machtverhältnisse in der katholischen Kirche: Der Papst mag Bewegung wünschen - ein guter Teil der Bischöfe wünscht sie nicht so sehr.
Von Matthias Drobinski, Rom

Es ist eine herbe Niederlage für jene Bischöfe, die sich für konkrete Reformen in der katholischen Kirche einsetzen - und auch für Papst Franziskus: Drei Wochen lang haben in Rom 270 Bischöfe auf ihrer Synode über Ehe und Familie diskutiert. Am Ende aber steht ein Abschlussdokument, das alle enttäuschen muss, die konkrete Änderungen gewünscht haben, zum Beispiel im Umgang mit Geschiedenen, die wieder geheiratet haben, mit Ehen ohne Trauschein oder mit homosexuellen Partnerschaften. Der Widerstand der konservativen Bischöfe in der Synode war zu groß.

Keine konkreten Empfehlungen an den Papst

248 Änderungen fügte die Synode in den Entwurf des Abschlussdokuments ein, doch auch der auf 94 Abschnitte angewachsene Text, über den die Bischöfe Abschnitt für Abschnitt abstimmten, enthält keine konkreten Empfehlungen an den Papst.

Auch vom vielfach gelobten Bericht der deutschen Sprachgruppe finden sich dort bestenfalls Spuren - das Schuldbekenntnis, oft sehr hartherzig über Alleinerziehende oder Homosexuelle geurteilt zu haben, fiel unter den Tisch. Im Gegenteil versuchte offenbar bis zum Schluss eine große Gruppe von Bischöfen, den Abschlusstext noch einmal zu verschärfen und Formen des Zusammenlebens und der Sexualität außerhalb der Ehe dezidiert als irregulär und sündig darzustellen.

Gegen den Willen Gottes

Damit immerhin sind sie gescheitert. Das Dokument vermeidet eine rigoristische Sprache und harte Urteile. Es betont den Wert des Gewissens der Christen und dass die Kirche und die Seelsorger immer auf den Einzelfall schauen sollen, zum Beispiel in der Beichte. Nicht immer folgten aus den Prinzipien und allgemeinen Regeln konkrete Handlungsweisen, steht darin geschrieben, die Seelsorge müsse die konkrete Situation der Menschen im Blick haben. "Paare und das Eheleben sind keine abstrakten Wirklichkeiten, sie bleiben imperfekt und verletzlich", heißt es gleich zu Anfang des Textes.

Zu den wiederverheirateten Geschiedenen heißt es, das sakramentale Band der Ehe zu brechen, sei gegen den Willen Gottes, allerdings mache die "Komplexität der verschiedenen Situationen" Unterscheidungen notwendig. Im Gespräch mit dem Priester" geschehe das "Formen des rechten Urteils über das, was einer vollen Teilhabe am Leben der Kirche entgegensteht und über die Schritte, welch diese wachsen lassen", heißt es.

Die Passagen 84 und 85, die sich mit den geschiedenen Wiederverheirateten beschäftigen, fanden allerdings nur knapp eine Zwei-Drittel-Mehrheit.

Ehe wird theologisch aufgewertet

Insgesamt betont das Papier den Wegcharakter der Seelsorge, die die Menschen in ihren konkreten Lebenslagen begleiten müsse, auf dem Weg zur "vollen Sakramentalität" ihrer Beziehung. Der Text spricht von einer "Dynamik der Barmherzigkeit". Auf die sehr unterschiedlichen Situationen in den verschiedenen Ländern der Welt müsse die Kirche mit einer "differenzierten Pastoral" antworten.

Ausdrücklich spricht der Text von einer "Berufung der Familie" - den Begriff Berufung verwendet die katholische Kirche sonst bei Priestern und Ordensleuten; theologisch wird die Ehe also aufgewertet. Breiten Raum nehmen die Gefährdungen der Familie durch Krieg, Flucht und Vertreibung ein, durch Armut, sexuelle Gewalt und eine "Kultur des Wegwerfens".

Beim Thema Homosexualität ist eine gemeinsame Position nicht möglich

Am Mittag hat ein müder Kardinal Schönborn den Text noch als "großes Ja zur Familie" gelobt. Und auf Rückfragen dann zugeben müssen: Auf mehr habe man sich nicht einigen können. Beim Thema Homosexualität zum Beispiel seien die Unterschiede so groß, dass eine gemeinsame Position nicht möglich sei.

Das ist die Wahrheit nach drei Wochen Synode: Mehr war nicht drin. Das Papier ist ein realistisches Bild der Machtverhältnisse in der katholischen Kirche: Der Papst mag Bewegung wünschen - ein guter Teil der Bischöfe wünscht sie nicht so sehr.

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Die katholische Kirche hätte beim Thema Ehe und Familie einiges zu sagen. Doch sie vergibt diese Chance - weil sie letztlich ständig nur über Sex redet. Von Matthias Drobinski mehr... Kommentar