Marco W. hat sich erstmals ausführlich über seine Haft geäußert. Der Schüler ist an einem geheimen Ort untergebracht. Am Abend soll ein Interview mit ihm ausgestrahlt werden.

Nach seiner Entlassung aus türkischer Untersuchungshaft und der Rückkehr nach Deutschland hat der 17- jährige Marco W. sich erstmals ausführlich über seine Haft geäußert.

Dem Fernsehsender RTL, der am Sonntag um 22.30 Uhr das Interview mit dem Schüler ausstrahlen wollte, sagte Marco laut Vorab-Mitteilung des Senders: "Es war eine sehr schwere Zeit, und ich brauche jetzt erst einmal sehr viel Ruhe."

Ein ganz normaler deutscher Junge

Vor seiner Verhaftung sei er "ein ganz normaler deutscher Junge" gewesen. "Ich bin, glaube ich, immer noch genauso wie vorher, aber habe sehr viele Sachen neu hinzugelernt."

Nachdem er mit der Anschuldigung des sexuellen Missbrauchs konfrontiert wurde, "dachten wir erst einmal, dass das eine Verwechslung sei", sagte der Schüler.

Auch im Gefängnis habe er zunächst noch gedacht, dass sich der Rückflug der Familie lediglich verzögern würde: "Wir dachten, dass es irgendwann in der Nacht oder am nächsten Tag geht. Aber das hat sich ja ein bisschen länger verschoben."

Der 17-jährige Marco W. spricht während eines Interviews mit dem RTL-Explosiv-Moderator Markus Lanz in Nürnberg. Foto: dpa

Die Zeit im Gefängnis für ihn sehr langsam verlaufen: "Man kann sich ja ein bisschen die Zeit vertreiben mit Sport, mit Fernsehen. (...) Aber die Zeit wurde dann irgendwann wieder normaler, und man konnte sich dann immer besser die Zeit vertreiben."

Das Interview wird um 22.35 Uhr in der Sendung „Explosiv“-Spezial gesendet. Nach übereinstimmenden Presseberichten hat RTL den 17-Jährigen exklusiv unter Vertrag genommen, was der Grund für seine Abschirmung von der
Öffentlichkeit sei.

Noch in Antalya hatte Marcos Anwalt Michael Nagel mitgeteilt, dass der Jugendliche erst einmal nicht in seine Heimatstadt zurückkehren werde. Sein größter Wunsch sei es, mit seiner Familie allein zu sein und sich eine Woche lang von seiner Mutter verwöhnen zu lassen, sagte Nagel.

Nach 247 Tagen im Gefängnis war Marco am frühen Samstagmorgen mit einem Privatjet auf dem Nürnberger Flughafen gelandet. Er verließ den Airport gemeinsam mit Begleitern in einer Limousine mit unbekanntem Ziel.

Der nächtliche Heimflug kam für viele Beobachter überraschend. Wegen des Andrangs von Reportern und Fotografen auf einer nahe gelegenen Aussichtsterrasse weigerten sich die Passagiere zunächst, aus dem Flugzeug auszusteigen. Erst als die Maschine gewendet hatte und einige hundert Meter weiter gerollt war, stiegen die Insassen in die wartende Limousine und ein Taxi.

(Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2) nächste Seite

In diesem Artikel:

  1. Sie lesen jetzt Seite 1
  2. Seite 2