Kindheit ohne Tageslicht, ein verbrannter Babyleichnam, ein unglaubliches Doppelleben und schließlich die unwahrscheinliche Befreiung - eine Pressekonferenz erläutert den Missbrauchsfall von Amstetten.

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Ein von der Polizei veröffentlichtes Bild zeigt einen Teil der Kellerräume, in denen die Gefangenen ihr Leben fristen mussten. Foto: AFP

In Amstetten haben die Behörden am späten Nachmittag bei einer Pressekonferenz Auskunft zum aktuellen Kenntnisstand im Missbrauchsfall gegeben. Demnach hat der Verdächtige Josef F. zugegeben, seine Tochter mehrfach vergewaltigt zu haben. Der 73-Jährige räumte in Verhören ein, die heute 42-Jährige gegen ihren Willen im Keller seines Hauses gefangen gehalten und geschlagen zu haben. Das sagte der Leiter der Kriminalpolizei Niederösterreich, Franz Polzer.

Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei ist die 19 Jahre alte Kerstin, zugleich Tochter und Enkelin von Josef K., von diesem dagegen nicht vergewaltigt worden. Bei den anderen Kindern werde noch geklärt, ob es möglicherweise sexuelle Übergriffe gegeben habe. Chefermittler Polzer sagte, die Polizei gehe aber davon aus, dass der 73-Jährige in seinem Tun und Handeln vollkommen auf die 42 Jahre alte Tochter bezogen gewesen sei. Er habe mit dieser "neuen Beziehung" ein "zweites vorborgenes Leben" geführt.

Elisabeth F. hatte in den langen Jahren ihrer Gefangenschaft laut Behörden keine Chance, aus dem Kellerverlies zu fliehen. Sie sei trotz Schreiens und Klopfens nicht im Stande gewesen, jemanden zu holen, der sie befreit, sagte Polzer. Die Tür zu den Räumen unten im Haus habe nur mit einer Fernbedienung und einer Kombination von Schaltern geöffnet werden können. Josef F. habe die Fernbedienung stets mitgenommen. Er habe allen verboten, den Keller zu betreten.

Bei der Pressekonferenz wurden auch Details dazu bekannt, wie es Elisabeth F. schließlich doch gelang, gemeinsam mit ihren Kindern aus dem Verlies zu entkommen. Ausgelöst wurde das Ende der Einkerkerung demnach durch einen "dramatischen Vorfall", nämlich die schwere Erkrankung der 19-jährigen Tochter von Josef und Elisabeth F.

"Das Kind hatte enorme Probleme und litt unter Krampfanfällen", sagte Polzer. Elisabeth F. drängte laut Polizei ihren Vater dazu, die junge Frau ins Krankenhaus zu bringen. Der Mann habe dabei offenkundig einen "letzten Funken Menschlichkeit" gezeigt und sich überreden lassen. Laut Polizei setzte er einmal mehr auf seine "Masche", dass plötzlich wieder eines der Kinder der als vermisst geltenden Elisabeth F. aufgetaucht sei.

Vor Nachbarn und Behörden hatte Josef F. stets behauptet, seine Tochter lebe bei einer Sekte und habe ihre Babys vor seiner Haustüre "abgelegt".

Plötzlich ein "Fenster in die Freiheit"

Was folgte, nannte Polzer eine "Ironie des Schicksals": In einer Fernsehsendung, die Elisabeth F. in ihrem Verlies verfolgen konnte, wurde ein Aufruf gesendet, dass sich die Mutter dringend in der Klinik melden soll, da die Ärzte Informationen benötigten. Josef F. willigte ein und tischte dieses Mal seiner Ehefrau die Geschichte auf, dass die verschollen geglaubte Tochter plötzlich mit zwei weiteren Kindern wieder aufgetaucht sei.

Nach der Anzeige eines misstrauisch gewordenen Arztes wurden Josef F., Elisabeth F. und zwei Kinder nach dem Krankenhausbesuch von der Polizei abgefangen. Bei den Beamten dürfte Elisabeth F. plötzlich "ihr Fenster in die Freiheit" gesehen haben, sagte Polzer. Schließlich vertraute sie sich den Beamten an. "Sie konnten es anfangs auch nicht glauben", sagte der Leiter des Landeskriminalamtes.

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