Nach der Entführung des Öltankers Sirius Star haben somalische Piraten einen Weizen-Frachter aus dem Iran gekapert.

Trotz einer verstärkten Marinepräsenz der Nato werden die Piraten vor Somalia immer dreister. Nach der Entführung eines saudiarabischen Tankers mit Rohöl im Wert von 100 Millionen Dollar wurde am Dienstag auch ein Frachter aus dem Iran gekapert.

Über das Schicksal der Delight gebe es keine konkreten Informationen, sagte US-Militärsprecherin Jane Campbell in Dubai. Das Schiff fahre unter der Flagge von Hongkong, werde aber von einer iranischen Reederei betrieben. Nach Informationen der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua beförderte der Frachter mit seinen 25 Besatzungsmitgliedern 36.000 Tonnen Weizen.

Ebenfalls 25 Besatzungsmitglieder sind an Bord der Sirius Star, die am Samstag mit zwei Millionen Barrel Öl verschleppt wurde. Die 330 Meter lange „Sirius Star“ ist das größte Schiff, das jemals von somalischen Piraten entführt wurde. Es war im Auftrag der Reederei Vela International unterwegs, einer Tochter des saudiarabischen Konzerns Aramco.

Allerdings haben die Piraten offenbar Probleme, ihre Beute zu nutzen. Am Dienstag lag der Tanker vor der somalischen Hafenstadt Harardhere. Augenzeugen erklärten, das Schiff ankere nur wenige Kilometer vor der Küste. Zahlreiche Schaulustige seien gekommen, um den Tanker zu sehen. "Ich fische hier seit drei Jahrzehnten, aber ich habe noch nie ein so großes Schiff wie dieses gesehen", sagte der Fischer Abdinur Hadschi.

Nato plant keine Militäraktion

Der saudiarabische Außenminister Prinz Saud al Faisal bezeichnete den Überfall am Dienstag als ungeheuerliche Tat. Die Piraterie richte sich wie der Terrorismus gegen alle, daher müssten auch alle gemeinsam handeln, sagte er während eines Besuchs in Athen.

Ein Sprecher der 5. US-Flotte sagte, er rechne nicht damit, dass amerikanische Kriegsschiffe den gekaperten Tanker umstellen würden. Man sei jedoch sehr besorgt. Der Angriff zeige, dass die Piraten auch größere Schiffe weit auf See in ihre Gewalt bringen könnten. Den Piraten geht es zumeist darum, Millionen Dollar Lösegeld zu erpressen.

Auch die Nato erklärte, sie habe derzeit keine Pläne, den Tanker und seine Besatzung aus den Händen der Piraten zu befreien. Sprecher James Appathurai sagte in Brüssel, das Bündnis habe ein Mandat zur Bekämpfung der Piraterie. Es dürfe jedoch nicht an Bord von Schiffen gehen, die bereits entführt worden seien. Derzeit patrouillieren im Golf von Aden drei Kriegsschiffe, um Piraten abzuschrecken.

Die deutsche Marine vereitelte hingegen am Dienstag einen Piratenangriff auf einen britischen Tanker. Nach einem Hilferuf des britischen Schiffes habe die
Fregatte Karlsruhe einen bewaffneten Hubschrauber losgeschickt. Als
sich dieser dem Tanker Trafalgar näherte, ließen die Seeräuber nach
Angaben der Marine von dem Schiff ab. Die Piraten hatten den britischen Tanker mit acht bis neun Schnellbooten angegriffen.

Bereits am Vortag hatte die deutsche Fregatte einen äthiopischen Frachter davor bewahrt, von Seeräubern gekapert zu werden. Auch in diesem Fall hätten sich die verdächtigen Boote mit hoher Geschwindigkeit entfernt, als der Bordhubschrauber der deutschen Fregatte eintraf. Der Frachter habe seine Fahrt von China nach Dschibuti unbeschadet fortsetzen können.

(AP/dpa/cag)