Von Robert Roßmann

Jetzt hat Knut auch noch ein kleines Börsenwunder geschafft. Die Aktie des Berliner Zoos ist seit Mitte Januar um 67 Prozent gestiegen. 3010 Euro kostet jedes der Papiere inzwischen.

KnutGrossbild

Wirbelt auch die Börse auf: Eisbär Knut (Foto: Reuters)

Eigentlich ist der Bär ja das Symbol für sinkende Börsenkurse. Hat er das Sagen, herrscht an den Aktienmärkten eine Baisse. Doch diese eherne Börsengesetz wird gerade vom kleinen Eisbären aus Berlin geschliffen.

Seit Knut Mitte Januar angefangen hat, die Deutschen in seinen Bann zu ziehen, ist die Aktie des Berliner Zoos um 67 Prozent gestiegen. 3010 Euro kostet jedes der Papiere inzwischen. Der Dax schaffte im selben Zeitraum keine vier Prozent. Die Nachfrage nach der Zoo-Aktie sei "schon ungewöhnlich hoch" heißt es an der Berliner Börse.

Im gesamten Jahr 2004 wurden nur 116 Stück gehandelt, 2005 waren es gerade mal 91. Ganz anders in diesen Knut-Zeiten: Allein am Montag gingen bis zum Nachmittag 55 Kaufwünsche ein. Kein Wunder angesichts des Besucherandrangs, den der Eisbär ausgelöst hat. Elf Euro kostet jede Eintrittskarte, da kommt einiges in die Kassen.

Was kaum einer weiß: Der Berliner Zoo ist seit seiner Gründung ,,durch Allerhöchste Königliche Kabinets-Ordre vom 8.September 1841‘‘ eine Aktiengesellschaft. Genau 4000 Papiere sind im Umlauf. Eines davon gehört traditionell dem Land Berlin, die restlichen 3999 sind breit gestreut in Privatbesitz.

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Bildstrecke Knut, das Eisbär-Baby Rahmen
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Dividenden werden keine ausgeschüttet. Dafür dürfen die Aktionäre - gegen Zahlung eines Einmalbetrags von 500 Euro - den Zoo ein Leben lang kostenlos besuchen. Die Dauerfreikarte gilt auch für zwei Angehörige. Außerdem ist das begehrte Stück vererbbar.

Doch nicht nur diese Form der Dividende macht die Aktie zu etwas besonderem. Das Zoo-Papier ist auch eine der letzten deutschen Aktien in "Streifband-Verwahrung". Wer eine kauft, erhält nicht nur einen elektronischen Eintrag in seinem Depot - er bekommt auch ein echte Aktie zugeschickt. Manch einer der Anteilseigner hat sich das Papier stolz an die Wand gehängt.

"Ich freue mich außerordentlich über das Interesse an unseren Aktien", sagt denn auch der Kaufmännische Direktor des Zoos, Gerald Uhlich. Das Interesse ist allerdings so groß, dass der Großteil der Interessenten nicht zum Zug kommt.

Die Tierpark-Aktien werden zwar frei an der Berliner Börse gehandelt, und das sogar in zwei Versionen. Wer das Wertpapier mit der Nummer 503186 ersteht, darf den Zoo kostenlos besuchen. Wer sich die Variante 503180 leistet, kann zusätzlich ins Aquarium.

Voraussetzung ist allerdings, dass einer der Altaktionäre sein Papier verkauft. Am Montag Nachmittag standen den 55 Kaufwünschen jedoch gerademal vier Verkaufsorder gegenüber. An diesem Verhältnis dürfte sich in nächster Zeit auch nichts ändern - dank Knut.

(SZ vom 3.4.2007)

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