Es sollte nie geschossen werden, das war abgemacht, aber martialisch aufgetreten sind die drei 64, 73 und 74 Jahre alten Verbrecher schon: "Unser Bestreben war, Schrecken zu verbreiten", gestand jetzt einer von ihnen vor Gericht - im Prozess gegen die ältesten Bankräuber der Republik.

Fotos aus Überwachungskameras von Banken

Die Rentnerbande auf frischer Tat: Fotos aus Überwachungs- Kameras von Banken. (Foto: dpa)

Mit umfassenden Geständnissen hat am Dienstag der Prozess gegen die vermutlich ältesten Bankräuber Deutschlands vor dem Landgericht Hagen begonnen. Dem Räuber-Trio im Alter von 64, 73 und 74 Jahren mit bereits langjähriger Haft-Erfahrung werden von der Anklage 14 Banküberfälle in Westfalen vorgeworfen.

Dabei sollen sie innerhalb von sechzehn Jahren mehr als eine Million Euro erbeutet haben. „Unser Bestreben war, Schrecken zu verbreiten“, erklärte der 73-jährige Angeklagte aus Dortmund zum Prozess-Auftakt. Einzig der jüngste Räuber wollte sich zunächst nicht vor Gericht äußern.

Die drei „Opa-Räuber“ waren jeweils schwer bewaffnet unter anderem mit Maschinenpistolen und einer Handgranaten-Attrappe in die Filialen gestürmt und hatten Angestellte und Kunden bedroht. Dabei sei vorher aber abgesprochen gewesen, dass nicht geschossen werde, erklärte der 73-Jährige. Auch sollte es keine Verletzten geben.

„Haupttriebkraft aller meiner Schandtaten war Angst“, gab der Dortmunder als Motiv für die Raubzüge an. Nach insgesamt 40 Jahren Gefängnis bekomme er keine Rente und habe nicht in ein Altersheim gewollt. Mit seinem Anteil an der Beute kaufte er einen Hof bei Bielefeld.

„Ich bin ein Idiot gewesen, ich hätte es nicht nötig gehabt“, meinte sein ein Jahr älterer Komplize aus Iserlohn, der dort bis zu seiner Festnahme im November 2004 eine kleine Motorenwerkstatt betrieb.

Festnahme vor einem Coup

Angefangen habe er mit den Überfällen wegen eines angeblichen Fehlurteils. 1969 sei er wegen eines Banküberfalls vier Jahre unschuldig ins Gefängnis gekommen. Anschließend habe er gedacht: „Jetzt hole ich mir meine Wiedergutmachung.“ Der Iserlohner hat insgesamt bereits 14 Jahre im Gefängnis verbracht.

Die Rentner-Räuber verübten die Überfälle zwischen 1988 und 2004 jeweils in der dunklen Jahreszeit. Im November 2004 konnten das Trio von einer eigens gebildeten „SOKO Opa“ unmittelbar vor einem neuen Coup festgenommen werden.

Die Polizei hatte die Täter der Raubserie zunächst nicht in dieser Altersgruppe gesucht.

Gestrauchelter Mensch

Heinz Walter Lindemann, der Anwalt des 73-Jährigen Angeklagten, rechnet mit einer hohen Gefängnisstrafe für seinen Mandanten. „Er wird wahrscheinlich sein Leben lang im Gefängnis bleiben“, sagte er am Rande des Prozesses.

Bei seinen früheren insgesamt 40 Jahren Gefängnisaufenthalt sei er jeweils wegen Vermögensdelikten wie etwa Raub oder Diebstahl verurteilt worden. Mit 67 Jahren sei er 1999 aus dem Gefängnis gekommen und habe keine Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen können.

In den ersten Monaten habe er noch versucht, ohne Straftaten über die Runden zu kommen, dann habe er wieder angefangen. Lindemann nannte ihn einen „gestrauchelten Menschen“.

(dpa)

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