Von Annette Ramelsberger und Rolff Marten

Die größte Polizeiaktion in der Geschichte Niedersachsens, Großeinsätze in anderen Bundesländern: Über 12.000 Verdächtige sind im Visier der Operation "Himmel".

Der Berliner Internetdienstleister Strato hat dementiert, die Ermittlungen zum bislang größten deutschen Kinderpornographie-Fall angestoßen zu haben. "Von uns ging keine Anzeige aus, da muss es ein Missverständnis bei der Berliner Staatsanwaltschaft gegeben haben", sagte eine Unternehmenssprecherin der SZ am Donnerstag.

Zu Beginn der Woche war bekannt geworden, dass bundesweit gegen 12000 Internetnutzer ermittelt wird, die im Verdacht stehen, kinderpornographische Dateien zu besitzen oder mit solchen zu handeln. Die Leitung der Operation "Himmel" liegt bei Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt in Berlin. In Gang gesetzt wurde die Aktion den Ermittlern zufolge von einem Berliner Anbieter, der zu Beginn des Jahres auffälligen Datenverkehr auf seinen Servern entdeckte und den Behörden meldete.

Bei Strato hieß es nun, dass aus dem vorigen Jahr keine Fälle von Kinderpornographie bekannt seien. Verdächtige Internetseiten würden nur aufgrund von Nutzerhinweisen überprüft und schwerwiegende Fälle - etwa Hinweise auf Anschläge oder Kinderpornographie - der Staatsanwaltschaft gemeldet. Dies sei im Zusammenhang mit der Aktion "Himmel" nicht der Fall gewesen, so die Sprecherin.

Unterdessen wurden am Donnerstag weitere Zahlen aus den laufenden Ermittlungen bekannt. Ein Schwerpunkt der Fahnder ist offenbar Nordrhein-Westfalen, wo es dem LKA Düsseldorf zufolge 3000 Verdächtige gibt. Die Fälle seien über das ganze Land verstreut, sagte eine LKA-Sprecherin, zum Stand der Ermittlungen wolle man sich nicht äußern.

Das LKA Hannover sprach von der größten Polizeiaktion gegen Kinderpornographie im Internet in der Geschichte Niedersachsens, in dem Bundesland gebe es 1000 Verdächtige "aus allen Berufsschichten". Auch aus Hessen wurden mehrere Hundert Verdächtige gemeldet. Die Landeskriminalämter in Bayern und Baden-Württemberg hatten bereits vor Tagen jeweils knapp 2000 Verdächtige bestätigt.

Die Durchsuchungen seien längst nicht abgeschlossen, die Auswertung des Materials werde noch einmal erhebliche Zeit in Anspruch nehmen sagte Bayerns LKA-Sprecher Peter Burghardt der SZ. Die Täter reagierten absolut unterschiedlich. "Die einen haben keinerlei Unrechtsbewusstsein. Die beschweren sich noch während der Durchsuchung, was die Polizei bei ihnen verloren hat. Andere dagegen brechen zusammen und sind erleichtert, dass wir sie erwischt haben."

(SZ vom 28.12.2007/grc)