Trotz tosenden Straßenlärms lassen sich mitten in der Berliner Innenstadt immer mehr Füchse häuslich nieder. Am Alexanderplatz, auf der Museumsinsel und sogar im Palast der Republik wurden sie bereits gesichtet.

Rotfuchs dpa

Ein junger Rotfuchs. (Foto: dpa)

Am Alexanderplatz und auf der Museumsinsel wurden sie schon gesehen. Und auch im Palast der Republik ist ein Fuchs heimisch geworden, bestätigt Jagdexperte Derk Ehlert, der das Tier aus dem vierten Stock der Ruine herausschauen sah.

Ehlert ist Jagdreferent des Landes Berlin und Spezialist für wilde Tiere in der Großstadt. 1300 bis 1500 der Tiere leben mittlerweile nach seinen Schätzungen auf der 892 Quadratkilometer großen Fläche Berlins, viele auch in U- oder S- Bahnhöfen.

“Im Stadtgebiet leben heute mehr Füchse als auf vergleichbarer Fläche im Wald“, sagt Ehlert. Früher wurden sie von der Jagdbehörde zurück in den Wald gebracht.

Von der Jagdbehörde geduldet

Die Füchse aus ihrem gewohnten Lebensraum zu reißen, bringt Ehlerts Ansicht nach aber nichts, da sie in der Vergangenheit immer wieder in die Stadt zurückkehrten. Deshalb lässt die Jagdbehörde der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Tiere in Berlin jetzt in Ruhe.

Füchse gelten als Kulturfolger, die sich an alle Lebensräume anpassen können. Harro Strehlow vom Naturschutzbund (NABU) Berlin sieht daher in den in der Stadt lebenden Tieren auch kein Problem.

Füchse in Metropolen seien eine “natürliche Entwicklung“. Die Tiere ließen sich in der Stadt nieder, weil sie hier besonders viel Nahrung fänden und sich neben Mäusen, Ratten oder Kaninchen auch von städtischem Abfall ernährten, ergänzt Ehlert.

Ehrenamtliche Wildwächter

Mehrere Anrufe von besorgten Bürgern gehen jährlich bei der Jagdbehörde ein. 40 ehrenamtliche Wildwächter kümmern sich um Problemfälle. Über 7200 Mal mussten sie im zurückliegenden Jagdjahr (April 2004 bis März 2005) zu wilden Tieren ausrücken, meist mitten in der Nacht.

Sollte man einem Fuchs begegnen, rät der Jagdexperte, ruhig zu bleiben. Das Tier sollte nicht bedrängt und keinesfalls gefüttert werden. Letzteres kann teuer werden und wird mit einer Strafe von bis zu 5000 Euro geahndet.

Füttern führt überdies dazu, dass die Tiere zahm werden und keine Scheu mehr vor Menschen haben. Über Tollwut müssen sich die Berliner aber keine großen Sorgen machen: Den Angaben des Veterinärmediziners Jochen Hentschke vom Institut für Lebensmittel, Arzneimittel und Tierseuchen zufolge gab es in den letzten zehn Jahren in Berlin keine Fall von Tollwut bei Füchsen mehr.

(dpa)

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