Mal clownesk, mal großväterlich, immer aber bescheiden - der Auftritt in der Hansestadt zeigt, was den Dalai Lama zu einem global verehrten Menschen macht.
Im Lotossitz auf dem Samtsessel: Der Dalai Lama gibt sich gelassen Foto: Reuters
Einen roten, samtbezogenen Sessel haben sie im Hamburger Elysee-Hotel dem Dalai Lama bereitgestellt. Der 72-Jährige schaut das breite Möbelstück zufrieden an - und setzt sich dann im Lotussitz auf das Polster; Seine Heiligkeit grinst. Jetzt lasst es mal gut sein mit der Verehrung, will er wohl ausdrücken, denn auch unter den Journalisten sind einige applaudierend aufgesprungen.
Zwei Dinge seien ihm wichtig, sagt dann der Mann im rotorangenen Mönchsgewand: erstens Mitgefühl und menschliche Werte zu vermitteln, zweitens die Harmonie zwischen den Religionen zu fördern. "Wenn wir Mitgefühl in unseren Herzen haben, wirkt sich das gut auf unsere Psyche aus", sagt er, und dass alle Religionen - bei allen Unterschieden - die gleichen Werte propagierten: Liebe, Mitgefühl, Genügsamkeit und Toleranz.
Dann ruft er die reichen Länder auf, den Armen zu helfen, kritisiert Profitdenken und Konsumvergötzung. Eine Journalistin will wissen, ob der 15. Dalai Lama auch eine Frau sein könnte. "Ja", sagt er, der 14. Dalai Lama, und lächelt großväterlich, "aber sie sollte hübsch sein." Zum Schluss noch ein Lob für das Land, in dem er bis zum Ende der kommenden Woche sein wird: Schon als Kind habe er im Krieg zu Deutschland gehalten, das von so vielen Nationen bekämpft wurde. "Da wusste ich noch nichts vom Holocaust", fügt er entschuldigend hinzu.
Es ist zu spüren: Nicht die Kraft der Worte oder Vorträge hat den Dalai Lama zu einem der wenigen global verehrten Menschen gemacht - es ist die Verbindung aus Charisma und Bescheidenheit, aus Glauben und Lebensgeschichte. Der Mann ist ein Glücksfall für den weltweiten Buddhismus, und auch Nichtbuddhisten können die Kraft der Frömmigkeit spüren. Und ohne ihn wäre der gewaltlose Kampf der Tibeter ums Überleben unter chinesischer Herrschaft wohl schon zu Ende.
Am 6. Juli 1935 wurde er als Tenzin Gyatso in eine einfache Bauernfamilie geboren. Als er zwei Jahre alt war, erkannten Mönche ihn als Inkarnation des Gottkönigs, mit fünf war er der "Ozean der Weisheit", wie sein Titel übersetzt heißt. Erzogen wurde er dann unter anderem von Heinrich Harrer, dem deutschen Abenteurer (und, wie sich herausstellte, SS-Mitglied). 1959, nach dem Einmarsch der chinesischen Armee in Tibet, floh der Dalai Lama nach Indien, seitdem kämpft er gewaltlos für sein Volk; 1989 erhielt er dafür den Friedensnobelpreis.
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