Schnorrer, Geier, Wichtigtuer – direkt nach ihrem Tod ist ein bizarrer Streit um das Erbe des Fotomodells Anna Nicole Smith entbrannt.
Es waren nach dem Tod des Fotomodells Anna Nicole Smith noch keine zwölf Stunden vergangen, da stritten sich die größten Fernsehsender schon um das Videoband mit den letzten Wiederbelebungsversuchen der Sanitäter, während drei Herren vor Gericht zogen, um die Vaterschaft für Smiths fünf Monate alte Tochter Dannielynn einzuklagen, und die Wichtigtuer in den Talkshows in einen Wettstreit darum traten, wer sie denn nun besser gekannt hatte.
Anna Nicole Smiths Lebensgeschichte war schon tragisch genug – von der Kellerin einer Hähnchenbraterei in Texas zum Busenwunder in Hollywood, vom Kind aus armen Verhältnissen zur 26-jährigen Milliardärswitwe, die um das Vermögen ihres verstorbenen 63 Jahre älteren Mannes J. Howard Marshall bis vor das oberste US-Gericht zieht. Dazu Drogen, Pillen, Alkohol, Auftritte vor den Kameras ihrer Reality Show, bei denen sie lallte und torkelte und sich wie ein verwöhntes Kleinkind benahm.
Was zu Lebzeiten noch Mitleid erregte, wurde nun mit ihrem Tode zum tragischen Spektakel. Trauriger erster Höhepunkt war die Talkshow von Larry King auf CNN, bei der sich sämtliche Gäste, die als enge Vertraute angekündigt waren, als Zufallsbekanntschaften und Geschäftspartner entpuppten.
Den Anfang machte Penny Genovese, die von ihrer Trauer um Anna Nicole erzählte, die ihr doch als Brautjungfer zur Seite stand. Larry King brauchte zwei Fragen, um die Farce zu Ende zu bringen – die Brautjungfernschaft war ein Werbegag des Herstellers der Schlankheitskurprogramme Trim-Spa gewesen, für den Anna Nicole Smith Werbung gemacht hatte.
Als nächstes spielte der Soap-Opera-Star John James den trauernden Freund, der auf die Frage, wann er Smith zum letzten Mal gesehen zugeben musste: vor fünf Monaten.
Krönung der Runde war Joanie Laurer, die als Frauenringerin Chyna Girl eine kurze Karriere im „Professional Wrestling“ gemacht und gemeinsam mit Smith in der Billigkomödie „Illegal Aliens“ mitgespielt hatte. Laurer schien an ihren Tränen zu ersticken, als sie sagte, sie verstünde Anna Nicoles lebenslanges Leiden ja so gut, sie habe ja die gleichen Gefühle, diese dauernde Angst, ausgenutzt und verhöhnt zu werden.
Was die letzte Zeitzeugin der Runde, die Frau des Trim-Spa-Chefs Monique Goen, zu einem verächtlichen Schnauben veranlasste. Schließlich hatten schon mehrere Klatschblätter darüber berichtet, dass die Exringerin Anna Nicole Smith über Wochen hin verfolgt und sich die Freundschaft nur eingebildet hatte.
Während Larry King mit seiner Show die Einsamkeit der Toten und Profilneurosen ihrer entfernten Bekannten illustrierte, führten ihre ehemaligen Liebhaber vor, mit welcher Habgier Stars in Hollywood täglich zu tun bekommen.
Da verkaufte Anna Nicole Smiths Anwalt und letzter Ehemann seine ersten öffentlichen Tränen an Bord eines Privatjets für viel Geld an die Fernsehsendung „Entertainment Tonight“. Stern und die Produzenten der Sendung kennen sich schon länger. Zunächst hatte Stern „Entertainment Tonight“ selbstgedrehte Videoaufnahmen aus dem Kreißsaal verkauft, in dem Anna Nicole Smith ihre Tochter zur Welt brachte.
Als ihr Sohn aus erster Ehe, Daniel, drei Tage später an einer Überdosis Psychopharmaka starb, verkaufte Stern auch das erste Interview von Smith an diese Sendung.
Neben Stern haben sich nun auch Smiths ehemaliger Liebhaber Larry Birkhead eingeschaltet, der die Vaterschaft von Dannielynn beansprucht und vor Gericht gerade mit dem Antrag abgeschmettert wurde, ihrer Leiche eine DNS-Probe zu entnehmen.
Ähnliche Ansprüche meldet nun Prinz Frederic von Anhalt an, 63-jähriger Ehemann der 90-jährigen Filmdiva Zsa Zsa Gabor. Der Prinz hat sich zu einer Vaterschaftsklage entschlossen. Er wolle den Antrag bei einem Gericht in Los Angeles einreichen und rechnet mit guten Chancen, weil Smith „zur Zeit der Empfängnis ja hier bei mir in Los Angeles war.“ Er habe mit dem Model über neun Jahre eine Beziehung gehabt und sie „vielleicht 60, 70 Mal“ getroffen.
Im Fall der Vaterschaft geht es natürlich in erster Linie um Geld. Wer immer als Vater des fünfmonatigen Mädchens anerkannt wird, dürfte auch als möglicher Treuhänder von Anna Nicole Smiths Vermögen eingesetzt werden. Auch da ist die Lage noch unklar, denn nach Jahren des Rechtsstreits um die 1,6 Milliarden Dollar die der verstorbenen Ölmilliardär Anna Nicole Smith angeblich versprochen hat, starb dessen Sohn zwar an einem Herzinfarkt, doch dessen Frau führt den Rechtsstreit weiter.
Dann wären noch zu erwähnen: der Rechtsstreit um Anna Nicole Smiths Villa auf den Bahamas, die gerade aufgetauchten Fotos, die Smith mit dem Einwanderungsminister der Bahamas im Bett zeigen, sowie die unzähligen Anna-Nicole-Smith-Devotionalien, die auf Ebay angeboten werden. Weiterhin ungeklärt bleibt die Todesursache.








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