Papst Benedikt XVI. wird den Dalai Lama bei dessen Italien-Besuch im Dezember nicht im Vatikan empfangen. Die italienische Presse spekuliert über die Gründe.
Die Besuche des Dalai Lama bei mehreren westlichen Staatsführern verursachten in China große Verstimmung. Papst Benedikt XVI. wird das geistliche Oberhaupt der Tibeter nun nicht empfangen Foto: AFP
In der jüngsten Zeit haben die Besuche des Dalai Lama bei mehreren westlichen Staatschefs in China große Verstimmung verursacht. Zumindest das Oberhaupt der katholischen Kirche scheint den Unmut Chinas derzeit nicht auf sich ziehen zu wollen: Papst Benedikt XVI. wird das geistliche Oberhaupt der Tibeter bei dessen für Dezember geplanten Italien-Besuch nicht im Vatikan empfangen.
Ein inoffiziell für den 13. Dezember vorgesehenes Treffen Benedikts mit dem dem Dalai Lama werde nicht stattfinden, bestätigte der Vize-Direktor des vatikanischen Pressesaals, Pater Ciro Benedettini.
Die Zeitung La Repubblica kommentierte, wahrscheinlich sei der Druck aus China auf den Heiligen Stuhl zu groß gewesen. Die chinesische Armee war 1951 in Tibet einmarschiert. Seitdem betrachtet Peking die Region als Teil Chinas. Der Dalai Lama lebt in Indien im Exil.
Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Liu Jianchao hatte Anfang November betont: "Wir hoffen, dass der Vatikan nichts unternimmt, was die Gefühle des chinesischen Volkes verletzt, und Ernsthaftigkeit zeigt, die Beziehungen zu China durch konkrete Schritte zu verbessern."
Benedikt XVI. versucht seit Monaten, die jahrzehntelangen Spannungen zwischen dem Vatikan und Peking beizulegen. In einem päpstlichen Schreiben an alle Katholiken in China hatte er im Juni zu Dialog und Versöhnung aufgerufen.
Die katholische Kirche in China ist seit dem Bruch der Kommunisten mit dem Vatikan 1951 gespalten: Es gibt eine von Peking kontrollierte Staatskirche, die die Autorität Roms ablehnt. Ihr gehören nach offiziellen Angaben fünf Millionen Gläubige an.
Zudem gibt es eine Rom-treue Untergrundkirche, die etwa zehn Millionen Gläubige zählen soll. Diese Kirche leidet seit Jahren unter Verfolgungen.
Benedikt hatte den Dalai Lama bereits vor etwa einem Jahr zu einer privaten Audienz empfangen. Um Ärger mit Peking zu vermeiden, war das Treffen jedoch nicht in den offiziellen Terminkalender des Papstes aufgenommen worden. Auch Johannes Paul II. war mehrmals mit dem Dalai Lama zusammengetroffen.
Die jüngsten Empfänge des Dalai Lama durch Kanzlerin Angela Merkel, US-Präsident George W. Bush sowie Kanadas Ministerpräsident Stephen Harper hatten jeweils zu heftigen Protesten Pekings geführt.




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