Die Welt der Charity-Events
Spenden und Show-Business
25.12.2007, 18:39
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Die deutsche Charity-Queen Ute-Henriette Ohoven mit ihrer Tochter Chiara (Foto: Getty Images)
Christliche Werke der Barmherzigkeit sind nicht immer ganz uneigennützig. Schon im Mittelalter investierten Adelige und reiche Patrizier einen Teil ihres Vermögens in Stiftungen, Spitäler und kirchliche Orden. Sie nährten die Armen in der Hoffnung, dem Himmelreich damit ein Stück näher zu kommen. Die Karitas - aktive Nächstenliebe, aber auch Hochachtung für die Notleidenden - gilt bis heute als vornehme Tugend, die man auch ganz gerne für die Nachwelt dokumentiert. Wer den Bedürftigen hilft, genießt Respekt und darf den Respekt dann selbst auch genießen.
Dieses Wechselspiel liegt der modernen Charity-Idee zu Grunde. Oft sind es prominente Personen, die sich für humanitäre Projekte einsetzen und gleichzeitig hoffen, die eigene Beliebtheit etwas zu steigern. Es ist zwar nobel, im Verborgenen zu spenden, aber nicht unbedingt effektiv: Jede Spendengala, jedes Benefiz-Golfturnier, jedes Charity-Konzert ist darauf angewiesen, dass sich innerhalb einer Gruppe ein gewisser Spendendruck entwickelt.
Schecks und Scheine fließen reichlich, wenn Fernsehkameras in der Nähe sind. "Tue Gutes und sprich darüber", dieser amerikanische Grundsatz hat sich durchgesetzt. Und wenn es der Sache dient, gibt es meist auch wenig daran auszusetzen.
Charity ist längst eine gesellschaftliche Pflicht für jene, die bekanntermaßen einen aufwendigen Lebensstil pflegen. Bill Gates hat es vorgemacht, wie man Wohltaten strategisch streut; andere Milliardäre in aller Welt machen es ihm nach. Selbst zugeknöpfte Kapitalisten wirken im Spiegel der Mildtätigkeit plötzlich ganz menschlich. Soziales Engagement als Selbstrechtfertigung - angesichts der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich scheint es vielen Großverdienern opportun, wenigstens einen Teil des Einkommens mit den weniger Privilegierten zu teilen.
Wer etwas auf sich hält, gründet am besten gleich seine eigene Stiftung. Auch in Deutschland kümmern sich immer mehr Unternehmer und private Förderer um Benachteiligte. Sie finanzieren Kindergärten, Behindertenstätten und Krankenhäuser; sie bauen Schulen in Entwicklungsländern oder sorgen für besseres Trinkwasser. Einige Prominente bürgen mit ihrem Namen für die gute Sache: Franz Beckenbauer sammelt Geld bei Golfturnieren für seine Kinderstiftung; Boris Becker fliegt als Botschafter für die Laureus Foundation um die halbe Welt; Veronica Ferres rührt die Werbetrommel für ihren Verein Powerchild, der sich öffentlichkeitswirksam um traumatisierte Jugendliche kümmert. In der Regel ist ein Heer von Berichterstattern dabei, wenn Spendensammlern und Spendern der rote Teppich ausgerollt wird.
Die Inflation der Benefiz-Galas hat dazu geführt, dass die Veranstalter immer professioneller auftreten. Agenturen vermitteln die nötigen Hollywood-Stars, für das Fünf-Gänge-Menü stehen die einschlägigen Sterneköche bereit, die Limousinen für den Shuttle-Service zum Hotel stellt die Automobilbranche. Man muss heute schon ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit erzeugen, um sich im Wettbewerb der Wohltätigkeit zu behaupten.
Ein Musterbeispiel dafür ist die Bambi-Preisverleihung, bei der Bill Clinton, Tom Cruise oder Sophia Loren für den Glamour zuständig sind, während Sponsoren und Privatspender auch dafür bezahlen, dass sie am Tisch der Wichtigen bewirtet werden. Als deutsche "Charity-Queen" lässt sich die Unesco-Sonderbotschafterin Ute-Henriette Ohoven feiern - ihre pompös inszenierten Galas zählen zu den Höhepunkten im Terminkalender der Klatschkolumnisten.
Im vergangenen Jahr geriet die Frau eines wohlhabenden Investmentbankers wegen einer undurchsichtigen Spendenüberweisung allerdings heftig in die Kritik und musste den Rückzug von Sponsoren verkraften. Für Ohoven kein Grund, kürzer zu treten: Ihre Veranstaltung in einem Kölner Grand-Hotel im Mai 2007 war so glanzvoll und gefühlig wie immer.
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