Nachdem ein Lottoverkäufer vier Kanadier jahrelang um ihren Millionen gebracht hat, bekommen die Gewinner nun doch noch ihr Geld. Der Betrug ist aber kein Einzelfall.
Diese Weihnacht ist für vier Angestellte einer katholischen Schule in Toronto besonders schön. Sie haben überraschend vier Millionen Euro erhalten, die sie um Haaresbreite verpasst hätten. Um diesen Lotteriegewinn hatte sie nämlich vorübergehend ein Ladeninhaber gebracht. Jetzt hat ihn die Polizei in seiner Villa verhaftet. Er ist nur einer von mehreren mutmaßlichen Lotto-Betrugsfällen in Kanada, die von der Polizei derzeit untersucht werden.
Manchmal hilft nur Geduld: Die Kanadier Victor und Thelma Hayes, beide 89, gewannen vor zwei Jahren umgerechnet 6,3 Millionen Dollar. Foto: AFP
Die vier Schulangestellten, drei Frauen und ein Mann, kaufen seit Jahren zusammen Lottoscheine und setzen immer auf die selben Zahlen. Als Lorraine Teicht den Schein im Juni 2004 in den kleinen Tankstellenladen zum Verifizieren der Nummern brachte, beschied ihr der 60jährige Inhaber Hafiz Malik: Sorry, kein Gewinn. Heimlich, so wirft ihm die Polizei heute vor, habe er den Schein zurückbehalten und den Gewinn ein halbes Jahr später eingezogen, nachdem er seinen Laden geschlossen hatte.
Die vier Geprellten entdeckten im Internet, dass ihre Zahlen gewonnen hatten. Zunächst richtete sich der Verdacht gegen Lorraine Teicht, die den Lotterieschein in den Laden gebracht hatte. Ihre drei Mitspieler heuerten einen Privatdetektiv an, aber es gab keine Verdachtsmomente.
Malik dagegen führte plötzlich einen luxuriösen Lebensstil in seinem neuen, großen Haus in einem guten Viertel Torontos. Teicht und ihre Mitspieler benachrichtigten die Lotteriegesellschaft, die die Polizei einschaltete. Diese hat nun Maliks Villa, seine Konten und drei Autos im Wert von insgesamt 3,5 Millionen Euro beschlagnahmt. Die rechtmäßigen Gewinner erhielten endlich ihren Millionen-Scheck samt Zinsen.
Der Verhaftung des mutmaßlichen Betrügers dürften bald weitere Fälle folgen. Die mangelnde Überwachungspraxis der kanadischen Lottoindustrie wurde in zwei Untersuchungsberichten kritisiert. So hat der Ombudsmann von Ontario herausgefunden, dass eine überproportionale Anzahl von Ladeninhabern mit Lottostellen oder deren Familienmitglieder in den vergangenen Jahren riesige Beträge gewannen.
Der Glücksspielindustrie gehe es mehr um den Profit als um die Rechtmäßigkeit der Gewinner, klagte der Ombudsmann. In Ontario hatte eine Ladeninhaberin einen alten Mann um seinen Gewinn von 175.000 Euro gebracht. In der Provinz British Columbia wurde der Chef der Lotteriegesellschaft gefeuert, weil festgestellt wurde, wie mangelhaft die Maßnahmen der Lotteriegesellschaft gegen Betrug waren.
Die vier Schulangestellten in Toronto können sich nun endlich ihre Wünsche erfüllen: Eine der Gewinnerinnen fliegt mit ihren Kindern nach Disney World, eine andere will sich einen stressfreien Lebensstil gönnen, die dritte ihre Schulden bezahlen und der Mann ein Perlenhalsband kaufen - für seine Katze.
(SZ vom 24.12.2007/woja)
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