Von Alexander Menden

Am unwirtlichsten Ort der Welt: Der Londoner Künstler Simon Faithfull beginnt heute sein digitales Antarktis-Tagebuch

Antarktis, AP

Mit dem Palm Pilot in die eisige Kälte: Simon Faithfull will zeichnen was er sieht. (Foto: AP)

Einen Bart hat er sich wachsen lassen, einen dichten, karottenroten Seebären-Bart. Speziell für diese Reise, das gibt Simon Faithfull zu: „Ich wollte nicht wie so ein zimperlicher Künstlertyp wirken.“

Er macht sich ohnehin wenig Illusionen über seine Rolle auf dem Schiff RRS Ernest Shackleton, das bis Ende Januar sein Zuhause sein wird: „Ich werde wohl immerzu rechtfertigen müssen, dass ich überhaupt mitreise.“

Schon bei den Vorbereitungstreffen hätten die anderen ihn gemustert, „wie sie sonst vielleicht eine Pinguinkolonie ansehen“. Aber das betrachtet Simon Faithfull alles als Teil der bevorstehenden Erfahrung.

Die Shackleton, der Stolz der Flotte des britischen Polar-Forschungsprogramms British Antarctic Survey (BAS), ist ein Eisbrecher.

Über Ascension Island und die Falklandinseln geht ihre Reise, um schließlich bei der einsamsten Forschungsstation der Welt zu enden. Auf Stelzen gebaut, ragt Halley V aus dem Brunt-Schelf vor der Küste des antarktischen Festlands.

Techniker, Wissenschaftler, Künstler


An Bord befinden sich rund 50 Wissenschaftler und Techniker des BAS sowie ein Künstler aus London: Simon Faithfull. Die Techniker werden die Vorräte der Station auffrischen, die Wissenschaftler werden mittels Laser meteorologische Daten sammeln. Und seit heute ist auch Simon Faithfull dabei, um zu zeichnen, was er sieht

Der 38-Jährige ist einer der ersten Teilnehmer des neuen, vom British Arts Council und dem BAS gemeinsam ausgerichteten Stipendienprogramms „Künstler und Autoren in der Antarktis“.

Es soll den ausgewählten Künstlern und Schriftstellern Gelegenheit geben, sich mit einem bisher wenig bearbeiteten Kontinent auseinanderzusetzen. Bisher hatten einzig Territorialstreitigkeiten, die in der Antarktis seit Jahrzehnten andauern, ein wenig zur offiziellen Förderung von „Antarktiskunst“ beigetragen.

Um ihren Gebietsanspruch zwischen dem 53. und dem 74. Grad westlicher Breite zu untermauern, den auch Chile und Argentinien für sich reklamieren, betreiben die Briten im antarktischen Port Lockroy das kleinste Postamt der Welt.

Dafür werden eigens Postwertzeichen mit dem Aufdruck „British Antarctic Territory“ hergestellt, auf denen neben der Shackleton auch ein paar britische Forschungsstationen abgebildet sind.

Von solcher Repräsentationskunst im Kleinformat könnten Simon Faithfulls elliptische Miniaturen allerdings nicht weiter entfernt sein: Faithfull, der an der Universität Reading und dem Royal College of Art ausgebildet wurde, hat für sich den Palm Pilot als Medium darstellender Kunst entdeckt.

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