Der Killer von Fort Hood hat selbst vor einem Massaker innerhalb des Militärs gewarnt. Einen entsprechenden Vortrag hielt er offenbar vor eineinhalb Jahren.

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Nidal Malik Hasan Foto: dpa

Nidal Malik Hasan hat am Freitag in Fort Hood 13 Menschen erschossen. Über das Tatmotiv herrscht weiter Unklarheit. Namentlich nicht genannte Ermittlungsbeamte bestätigten allerdings der New York Times zufolge, dass Hasan unter enormem psychischen Druck gestanden habe und sich dabei extremen religiösen Positionen angenähert habe. Hasan stand kurz vor einem Auslandseinsatz.

Hätte das Massaker verhindert werden können? Er warnte vor eineinhalb Jahren jedenfalls selbst vor derartigen Taten. Der Militärpsychiater im Rang eines Majors hatte noch vor seiner Versetzung nach Fort Hood einen entsprechenden Vortrag im Walter-Reed-Hospital gehalten, wo er traumatisierte Heimkehrer behandelte.

Wie die Washington Post berichtet, warnte er dabei vor "ungünstigen Ereignissen", falls das US-Militär muslimischen Soldaten nicht erlauben sollte, aus Gewissensgründen auszuscheiden statt in Kriege gegen Glaubensbrüder zu ziehen.

Die Präsentation, aus der die Washington Post zitiert, war Teil von Hasans Ausbildung am Walter-Reed-Hospital. Das Thema sollte dabei frei gewählt werden. Andere Militärpsychiater im Training hatten demnach über neue Medikamente und Behandlungsmethoden referiert. Im Juni 2007 stand Hasan demnach vor 25 anderen Militärpsychiatern und redete dabei offenbar lang über den Islam und Drohungen, die das Militär durch Muslime erhalten könnte, die zum Kampf im Irak und in Afghanistan gezwungen werden.

"Es wird immer schwieriger für Muslime, moralisch zu rechtfertigen, dass sie in einem Militär Dienst leisten, dass sich ständig gegen andere Muslime einsetzt", sagte er in dem Vortrag laut der Washington Post.

Als "wirklich seltsam" beschrieben Anwesende, die anonym bleiben wollten, die Präsentation. Die vorgesetzten Ärzte am Krankenhaus wären am Ende "aufgeregt" gewesen.

Der Vortrag hatte offenbar keine Auswirkung auf Hasans Versetzung. Seit Juli praktizierte der Psychiater in Fort Hood.

Ob es ein politisches Motiv für die Tat gibt, ist derzeit ungeklärt. Auf die politische Agenda rückte die Schießerei in Fort Hood dennoch. Der einflussreiche US-Senator Joe Lieberman hatte am Sonntag eine Kongressuntersuchung der Vorfälle gefordert. Sollten die bisherigen Berichte zutreffen, handele es sich um den "schlimmsten Terroranschlag" seit dem 11. September 2001. Der Täter trage die Züge eines Terroristen, der sich in den USA selbst radikalisiert habe, sagte der Vorsitzende des Senatsausschusses für Heimatschutz dem US-Fernsehsender Fox News.

Die Ermittler gehen dabei aber derzeit weiterhin offen der Frage nach, ob, wie und unter welchen Umständen sich der Major radikalisiert hat. Hasan hatte demnach 10 bis 20 Mal Kontakt mit einem radikalen Imam im Ausland, Anwar al Awlaki. Dieser Austausch habe im vergangenen Jahr begonnen und sei in diesem Jahr fortgesetzt worden, sagte ein Ermittlungsbeamter.

Al Awlaki lebte bis 2002 in den USA, bis zum vergangenen Jahr war er im Jemen inhaftiert. Er betreibt ein Blog, in dem er sich kritisch über die Politik der USA geäußert hat. Am Montag äußerte sich Al Awlaki positiv über den Amokläufer und sagte: "Nidal Hasan ist ein Held." Er habe es nicht mehr ertragen, "ein Muslim zu sein und in einer Armee zu dienen, die gegen sein eigenes Volk kämpft".

Hasan ist unterdessen aufgewacht. Vor einem Militärgericht wird sich Major Nidal Malik Hasan für das Massaker auf dem texanischen Stützpunkt Fort Hood verantworten müssen. Das entschieden nach US-Medienberichten vom Montag (Ortszeit) das Verteidigungs- und das Justizministerium. Die US-Bundespolizei FBI teilte mit, es gebe keine Anzeichen dafür, dass der Psychiater Komplizen gehabt habe oder Teil einer größeren terroristischen Verschwörung gewesen sei. Ein Prozess vor einem Zivilgericht wird deshalb nicht angestrebt.

Fünf Tage nach dem Blutbad findet heute (Dienstag) eine Trauerfeier für die 13 Todesopfer statt. Dazu werden auch Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle auf dem Stützpunkt erwartet. Wegen der Trauerfeierlichkeiten hat Obama eigens seinen Abflug nach Asien verschoben. Hasan hatte bei seinem Amoklauf am vergangenen Donnerstag auch 43 Menschen verletzt.

(sueddeutsche.de/dpa/AP/grc)