Von Kosta Schinarakis

Forensische Wissenschaftler wollen Fälscher und Erpresser anhand ihrer Drucker überführen.

Der Kommissar blickt wissend auf den Brief: das "e" ist fast immer abgebrochen, das "h" meist verschmiert. In alten Krimis waren die Verfasser von Droh- und Erpresserbriefen schnell überführt, weil ihre Schreibmaschine sie verriet.

Doch auch Verbrecher mit moderner Bürotechnik hinterlassen eindeutige Spuren mit ihren Schreiben: Amerikanische Forscher haben den heimischen Drucker als Spitzel in der Verbrechensbekämpfung entdeckt.

Mit einer Software wollen sie an einem Ausdruck nicht nur das Fabrikat des Druckers bestimmen. Bald soll es auch möglich sein, jeden Drucker auf der Welt individuell zu erkennen. Eine einzelne Seite könnte dann Verbrecher entlarven. Dabei stehen derzeit vor allem Geld- und Dokumentenfälscher im Fadenkreuz. Aber auch Terroristen, die falsche Flugtickets und Papiere nutzen, sollen dingfest gemacht werden.

Den Fahndern soll einer der typischen Bildfehler helfen, den Laserdrucker machen, das "Banding". Die Geräte erzeugen auf dem bedruckten Blatt waagerechte Linien, weil sie den Toner mal dünner und mal dicker auftragen. Bei schlechten Druckern sind die Linien sogar mit dem bloßen Auge zu erkennen.

Seit vielen Jahren erforscht Edward Delp an der Purdue-Universität in Indiana die Innereien der Geräte, um dieses Phänomen in den Griff zu kriegen. Im Drucker belichtet ein feiner Laserstrahl Punkt für Punkt eine elektrisch geladene Trommel. Auf diese Weise werden gezielt Bereiche auf der Trommel entladen. Dort sammelt sich dann der Toner an, bevor er auf das Papier gedrückt wird. Werden aber Trommel oder Laser nicht gleichmäßig geführt oder rollt die Mechanik nicht gleichmäßig ab, entsteht das störende Banding.

Durch seine Forschung wollte Edward Delp ursprünglich nur die Qualität des Ausdrucks erhöhen. Erst mit der Zeit wurde ihm die Bedeutung für die Kriminalistik klar. "Die Fehlertoleranzen der Hersteller sind dafür groß genug", sagt Jan Allebach, der mit Delp an dem Projekt arbeitet. Ein Grund für die Querstreifen sei zum Beispiel, dass das Getriebe aus billigem Plastik hergestellt werde.

Um den Urheber eines Ausdrucks zu finden, scannen die Wissenschaftler aus Indiana das Schriftbild mit einer hohen Auflösung von 2400 dpi (dots per inch) und unterscheiden bei jedem Pixel zwischen 256Graustufen. Denn eine Auswirkung des Banding ist schließlich, dass Grauwerte auch dort variieren, wo sie eigentlich dieselbe Farbe abbilden sollten - etwa innerhalb eines schwarzen Buchstaben.

Die Abweichungen bilden ein Muster, das von einer Analysesoftware ausgewertet und einem Fabrikat zugeordnet werden kann. Zum Beispiel wiederholen sich die Pixel mit einem bestimmten Grauton bei einem Drucker der Bauart HP Color Laserjet rund 60-mal pro Zentimeter.

Die Forscher sind sich sicher, dass sie mit ihrer Software Fabrikate voneinander unterscheiden können. Im Test klappt das bereits zu 90Prozent. Nur bei sehr ähnlichen Baureihen mit identischer Technik kommt die Software noch durcheinander.

Laserpulse fürs Individuelle

Im Lichte des gesteigerten Sicherheitsbedürfnisses in den USA haben sich die Forscher aber noch ein weiteres ehrgeiziges Ziel gesetzt. Ein einzelnes bedrucktes Blatt soll nicht nur dem Fabrikat zugeordnet werden, sondern exakt dem Drucker, aus dem es stammt. Dafür reichen allerdings die Graustufenfehler, mit denen ein Drucker aus der Fabrik kommt, nicht aus.

Edward Delp, der nach eigenen Angaben auch mit einem US-Geheimdienst, dem Secret Service, zusammenarbeitet, schlägt deshalb vor, dass die Firmen Änderungen an ihren Druckern vornehmen.

"Man sollte die Art und Weise modifizieren, wie der Drucker Zeichen aufs Papier setzt", sagt George Chiu, der dritte Forscher in Delps Team. In ihren Labors haben die Wissenschaftler das schon erprobt, indem sie in den Belichtungsprozess eingreifen: Sie sorgen dafür, dass die Stärke des Laserstrahls im Drucker laufend variiert. Entsprechend ändern sich auf dem Papier auch Größe und Sättigung der einzelnen Pixel.

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