Von Stefan Ulrich

Eine katholische Laien-Organisation kämpft erfolgreich gegen Armut, Obdachlosigkeit und die Todesstrafe: Die Menschenfreunde der "kleinen UN von Trastevere" haben sogar schon US-Präsident Bush angelockt.

Junge Romafrau; dpa

Nächstenliebe: Zu Weihnachten beschenkt die Gemeinschaft Sant’Egidio die Armen Roms - auch diese junge Romafrau. (Foto: dpa)

Bananen haben es schwer in Rom. Ein trockener kalter Nordwind, zerzaust sie im Winter. Mitten im Stadtviertel Trastevere aber, im Innenhof einer Gemeinschaft der besonderen Art, gedeihen zwei prächtige, haushohe Stauden.

Fast fühlt sich der Gast wie in Afrika. "Hier herrscht ein besonderes Mikroklima", sagt Cesare Zucconi und deutet auf die Mauern des Hofs. "Diese haben einst Schwestern, die hier in Klausur lebten, so hoch gezogen, damit die Nachbarn sie nicht sehen konnten." Heute dient das Kloster der internationalen katholischen Laien-Gemeinschaft Sant’Egidio als Hauptquartier.

Hier, unter den Bananen, haben schon Präsidenten, Diktatoren und Rebellenführer gesessen, um über Krieg und Frieden in ihren Ländern zu diskutieren, erzählt Zucconi. Manchmal, im Falle Mosambiks etwa, führte das zu einem Erfolg, an den keiner mehr recht glaubte - zu einem dauerhaften Frieden.

Denn nicht nur im Bananenhof, sondern auch in der ganzen Gemeinschaft herrscht ein Mikroklima, das erstaunliche Dinge reifen lässt.

Jüngstes Beispiel: das Moratorium zur Todesstrafe. Diese Woche stimmte die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit großer Mehrheit für einen weltweiten Stopp der Hinrichtungen, und das, obwohl sich die USA und China dagegen stemmten.

In den sechziger Jahre von Schülern gegründet

Sant’Egidio hatte seit Jahren an vorderster Stelle auf diesen Moment hingearbeitet. "Das Moratorium ist ein moralischer Sieg", sagt Marco Impagliazzo, der Präsident von Sant’Egidio. Wie alle Mitarbeiter wirkt der jugendliche Mann mit den schwarzen Locken hier ehrenamtlich, im Brotberuf ist er Geschichtsprofessor.

Der UN-Beschluss zeitige schon praktische Folgen, erzählt er. "Am Tag nach der Abstimmung rief mich der Justizminister eines afrikanischen Landes an und bat: ‚Helft uns, die Todesstrafe abzuschaffen.’" Wieder einmal scheint ein Traum von Sant’Egidio heranzureifen.

Die Bewegung war Ende der sechziger Jahre von römischen Schülern um den Gymnasiasten Andrea Riccardi gegründet worden. In einer Zeit des Aufbruchs und der Proteste wollten sie Engagement und Gebet in einer Bewegung vereinen. Sie trafen sich zu Messen und Bibellesungen und verbrachten viel Freizeit damit, den Armen zu helfen, von denen es in Rom schon immer viele gab.

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