Texte: Bernd Dörries, Hans Kratzer, Christiane Kohl, Johannes Nitschmann, Janek Schmidt, Titus Arnu, Martin Zips

Um das drohende Rauchverbot zu umgehen, setzen Deutschlands Gastwirte nun auf Tunnel, Lastwagenanhänger und riesige Nebenräume. Unter anderem. Ein deutschlandweiter Überblick.

Raucher vor dem Maximilaneum; ddpGrossbild

Rauchzeichen: Demonstranten mit Zigarren am 5 November in München vor dem Maximilianeum gegen das generelle Rauchverbot in Gaststätten. Aber auch die Wirte sind findig. (Foto: ddp)

Das Rauchverbot hält Deutschlands Gastwirte fest im Griff. In den Kneipen von Baden-Württemberg, Niedersachsen, Hamburg und Hessen darf bereits nur noch in abgetrennten Bereichen gequalmt werden. Andere Bundesländer gewähren noch eine Schonfrist. Aber es gibt kein Verbot, das sich nicht umgehen lassen würde! Ein aktueller Überblick.

Im Saarland und in Rheinland-Pfalz wird das Rauchverbot auf die Zeit nach Karneval verschoben. Damit möchten verdiente Lokalpolitiker verhindern, dass ihre Karnevalsvereine schon jetzt mit finanziellen Einbußen zu rechnen haben. Neuer Termin ist der 15. Februar. Auch alle Narren in den Karnevalshochburgen von Nordrhein-Westfalen werden in dieser Session in ihren Gaststätten weiterhin rauchen dürfen.

Der für den Nichtraucherschutz zuständige Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU) möchte den Gaststätten großzügig eine halbjährige Übergangsfrist gewähren. "In diesem Zeitraum sollen die Gastwirte notwendige Umbauten bewerkstelligen", sagt sein Sprecher. Das ist nett.

Bernd Frenzel, Wirt der Kneipe "Eisenwerk" in Goßfelden bei Fulda, büßt seit der Einführung der Nichtraucher-Verordnungen in Hessen 50 Prozent seines früheren Umsatzes ein. Weil viele Stammgäste ausbleiben, hat er nun eine zweite Kneipe auf den Parkplatz vor sein Lokal gestellt: Einen zur Gaststätte ausgebauten Lkw-Anhänger, der über einen Tresen, eine Zapfanlage, eine komplette Wasserversorgung und einen Stammtisch verfügt. In Lkw-Anhängern gilt das Rauchverbot schließlich nicht.

Und: Seit Frenzel die Raucherkneipe auf Rädern eröffnet hat, ist sein Laden wieder bummsvoll. Notfalls kann er mit seiner Kneipe ja einfach in ein anderes Bundesland fahren. Oder auf Anti-Rauchverbots-Demos in Frankfurt seine (Raucher-)Stimme erheben.

Eine andere Art der Durchfahrt plant Wirt Ulli Kasiske in Berlin: In seiner gleichnamigen Kneipe im Stadtteil Friedrichshain möchte er einen Rauchertunnel bauen. Der soll von dem zukünftig rauchfreien Raum seines Lokals durch das Raucherzimmer zu den Toiletten führen. Das wäre zwar viel Aufwand, räumt Kasiske ein, aber er möchte auf keinen Fall seine qualmenden Stammkunden vergraulen. "Wenn ich den Tunnel habe, könnten die Nichtraucher dann eben unbehelligt auf’s Klo gehen, ohne in den Zigarettenrauch zu kommen", sagt er.

Auf der nächsten Seite: In Bayern sperrt ein Wirt rauchfeindliche Parlamentarier aus.

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Leserkommentare (115)



30.11.2007 11:56:01

dietel40:

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