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Von Julius Müller-Meiningen

Die Mafia soll bis zu 40 Giftmüllfrachter im Mittelmeer versenkt haben - nun gibt es erste Beweise. Nicht nur die Camorra verdient an der Müllbeseitigung.

Giftmüll Mafia ItalienGrossbild

Bis nach Afrika soll die Mafia Giftmüll transportiert haben. Im vergangenen Jahr sorgte die fehlende Müllentsorgung in Neapel für Chaos (Bild). (Foto: AP)

Lange galt es in Italien als Legende, was der kalabrische Staatsanwalt Francesco Neri in seinen Untersuchungen nachzuweisen versuchte: Die Tatsache, dass die Mafia im Mittelmeer vor Kalabrien Dutzende Schiffe mit giftigem, teilweise auch radioaktivem Müll versenkte. Neris Ermittlungen wurden vor knapp zehn Jahren eingestellt, weil ihm das Wichtigste fehlte: Beweise.

Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft aus der süditalienischen Kleinstadt Paola die Ermittlungen wieder aufgenommen und steht nun offenbar vor dem Durchbruch. Am Wochenende ließ sie etwa 50 Kilometer westlich von Cetraro an der kalabrischen Küste einen Unterwasser-Roboter knapp 500 Meter tief in die See hinab. Die Maschine lieferte Fotos, die sich mit den Berichten des Mafia-Kronzeugen Francesco Fonti decken. Er sagte bereits vor Jahren aus, am selben Ort 1992 den mit 120 Giftmüll-Fässern beladenen Frachter "Cunsky" mit einer Ladung Dynamit versenkt zu haben.

Auf den vom Roboter gemachten Fotos ist ein großes Frachtschiff auf dem Meeresgrund zu erkennen, mit einem Riss im Bug. Aus dem Bug ragt ein Fass, von dem die Ermittler vermuten, es sei Teil der gesamten radioaktiven Ladung des Frachters. "Nun haben wir einen starken Anhaltspunkt", sagte Staatsanwalt Bruno Giordano.

Der Fund im tyrrhenischen Meer wäre der erste konkrete Beweis in einem internationalen Müllskandal, dessen Umrisse in Italien bereits seit Jahren bekannt sind. Aus Mangel an Beweisen kamen die Ermittler nicht voran. Doch längst weiß man, dass nicht nur die Camorra aus Kampanien mit der illegalen Entsorgung von Giftmüll Geld verdient. Seit Jahrzehnten, so geht aus den Nachforschungen der Staatsanwälte hervor, ist auch die kalabrische 'Ndrangheta im Giftmüll-Geschäft aktiv und unterhält auch auf dem Festland illegale Deponien, etwa in der schwer zugänglichen Bergregion des Aspromonte.

Transporte nach Somalia

Von den illegalen Entsorgungen im Mittelmeer könnten auch andere Regionen, etwa die Basilikata im Bereich des Golf von Tarent, betroffen sein. Sogar bis nach Afrika soll die Mafia Giftmüll exportiert und illegal deponiert haben. Der Kronzeuge Fonti sagte nach Angaben der Zeitung Il Manifesto aus, in den Jahren 1987 und 1992 an Giftmülltransporten der 'Ndrangheta nach Somalia beteiligt gewesen zu sein. "Das war ein einziger Abfalleimer. Die kamen von überall her", zitierte die Zeitung den Kronzeugen.

Dem Anti-Mafia-Staatsanwalt Vincenzo Macrì zufolge, der die Verhöre mit Fonti führte, hat sich die 'Ndrangheta seit den sechziger Jahren mit der illegalen Entsorgung systematisch bereichert. "Dieser Profit hat es der 'Ndrangheta ermöglicht, sich zu internationalisieren und die eigenen Aktivitäten im Ausland auszuweiten", sagt Macrì. Das Geschäft mit dem Giftmüll ist demnach neben dem Waffen- und Drogenschmuggel die finanzielle Basis für Familien wie den Clan der Pelle-Vottari, der in das Duisburger Attentat vom Sommer 2007 verwickelt ist . Damals waren sechs Männer als Folge einer Familien-Fehde gleichsam hingerichtet worden. Nach Angaben des Kronzeugen Fonti ist unter anderem auch die Familie Pelle in das Giftmüllgeschäft verwickelt.

Fehlende technische und finanzielle Mittel

Dass die seit Anfang der neunziger Jahre laufenden Ermittlungen nicht voran kamen, lag auch an den fehlenden technischen und finanziellen Mitteln, behauptet die Staatsanwaltschaft. Im vergangenen Dezember hatten Messungen der regionalen Umweltbehörde den Verdacht genährt, im Meer vor Cetraro liege ein gesunkener Frachter. Daraufhin beschloss die Staatsanwaltschaft den Einsatz des Unterwasser-Roboters. Die italienische Umweltorganisation Legaambiente geht von etwa 40 von der Mafia im Mittelmeer versenkten Giftmüllfrachtern aus.

Der Zeitung La Repubblica zufolge belastete der Kronzeuge Fonti auch den Ingenieur Giorgio Comerio, der in den achtziger Jahren im Auftrag der italienischen Regierung mit seiner Entsorgungsfirma radioaktiven Schlamm auf dem Meeresgrund lagerte. Als die Regierung ihren Auftrag zurückzog, soll Comerio mit der 'Ndrangheta gemeinsame Sache gemacht haben. Das italienische Umweltministerium kündigte nun an, eine Task-Force einzurichten. Die Opposition wollte bereits im Parlament durch eine Anfrage Druck machen.

(SZ vom 17.09.2009/holz)

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Leserkommentare (10)



17.09.2009 17:55:55

trayloader: CDU wählen!

Da kann man nur sagen-

weiter so!

Weiter die Parteien wählen (CDU+FDP), die gerade eben im Hintergrund Aufhebungsverträge für den Ausstieg aus dem Ausstieg knüpfen.

Ich werde dieses Jahr zu ersten Mal Grün wählen.

Schlimmer gehts nimmer


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