von Christina Berndt

Der Tabakgigant hat in den 70er-Jahren in Köln ein Forschungsinstitut unterhalten, um die Auswirkungen des Rauchens zu erkunden. Die Ergebnisse brachten nichts Gutes über das Rauchen hervor - und wurden geheim gehalten.

Geheimforschung muss sich nicht immer um Atombomben oder Biowaffen drehen. Auch Tabakkonzerne sind ihr mitunter zugetan.

So hat der Gigant Philip Morris in den 70er-Jahren in Köln ein Forschungsinstitut namens Inbifo (Institut für industrielle und biologische Forschung) unterhalten, um die Auswirkungen des Rauchens zu erkunden, wie Wissenschaftler um Martin McKee von der London School of Hygiene and Tropical Medicine berichten (Lancet online, 12.11.).

Die Forschungsergebnisse aber, die nichts Gutes über das Rauchen hervorbrachten, gelangten gar nicht oder nur geschönt an die Öffentlichkeit. "Die Tabakindustrie hat jahrelang behauptet, dass sie nichts über Forschungsarbeiten zu den giftigen Auswirkungen des Rauchens wusste", sagt McKee. "Dabei hat sie in den 70er-Jahren entschieden, dass sie diese Information braucht. Aber sie wollte sie nicht auf eine Art erlangen, die der öffentlichen Überprüfung unterstand."

Mit großem Aufwand habe Philip Morris daher vertuscht, dass Inbifo etwas mit dem Unternehmen zu tun hat. McKee hat von der Verbindung erfahren, weil er interne Firmendokumente durchstöberte, die Philip Morris nach einem Vergleich mit dem US-Bundesstaat Minnesota im Jahr 1998 zur Verfügung stellen musste.

"Es ist entlarvend, dass sich der Konzern Deutschland für seine Geheimforschung ausgesucht hat", kommentiert Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum die neuen Erkenntnisse.

Den Firmendokumenten sei auch zu entnehmen, dass die Atmosphäre hier zu Lande immer besonders günstig für die Tabakindustrie war. So gibt es Belege für deren Einfluss auf die deutsche Politik - einschließlich Dankschreiben an Helmut Kohl.

(SZ vom 12.11.2004)

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