Bei der Folter mit lauter Musik ziehen Verhörexperten der US-Streitkräfte offenbar alle Register. Eine britische Menschenrechtsgruppe hat die am häufigsten verwendeten Lieder benannt: Eine Liste missbrauchter Hits, darunter "Stayin' Alive".
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Hunderte protestieren außerhalb der amerikanischen Botschaft in London gegen die Verletzung der Menschenrechte im US-Gefangenenlager Guantanamo (Archivfoto vom 11.01.2008) Foto: dpa
Nach Angaben der britischen Menschenrechtsgruppe Reprieve reicht das Spektrum der am häufigsten zu Folterzwecken eingesetzen Songs von Metallicas Rocksongs bis zu Kinderliedern.
Musik jeder Richtung, extrem laut abgespielt, wird zum Foltermittel. Auch Amnesty International hat das bereits angekreidet: Im US-Gefangenenlager Guantanamo Bay drehten die Wärter demnach "Enter Sandman" richtig laut auf, um Häftlinge mit dem düsteren Sound gefügig zu machen.
Die Vereinten Nationen und der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte haben die Verwendung von lauter Musik bei Verhören untersagt, dennoch wird sie weiter eingesetzt: zumindest in Afghanistan, im Irak, in Guantanamo. Und vermutlich auch an vielen anderen Orten.
Reprieve vertritt mehr als 30 Gefangene in Guantanamo. Die Menschenrechtsorganisation hat nun eine Liste mit "Folterliedern" veröffentlicht - und eine Zeugenaussage. Demnach wirkt diese Art der Folter schlimmer als körperliche Tortur.
Reprieve zitiert auf ihrer Webseite den Guantanamo-Häftling Binyam Mohamed, der nach 18 Monaten in marokkanischen Gefängnissen in die US-Anlage gebracht wurde. Er wurde in Marroko immer wieder körperlich misshandelt, dennoch sei die spätere, psychische Misshandlung noch schrecklicher gewesen.
"Sie hängten mich auf, ich konnte am nächsten Tag nur wenige Stunden schlafen. Dann wurde ich wieder aufgehängt, diesmal zwei Tage lang. Mein Füße waren angeschwollen, meine Hände und Gelenke taub. Es gab laute Musik. Eminem’s ‘Slim Shady’ und Dr. Dre, 20 Tage lang. Die CIA bearbeitete uns Tag und Nacht. Viele verloren den Verstand. Ich konnte Leute hören, die ihre Köpfe gegen die Wände und Türen schlugen und lauthals schrien."
Reprieve hat nun die Initative www.zerodb.org gestartet, die die Folterpraxis beenden will. Auf der nächsten Seite finden Sie eine Liste der Titel, die bei Verhören im Irak, Afghanistan und Guantanamo Bay eingesetzt wurden. Viele von ihnen sind Hits. Und verwandeln sich in den falschen Händen zu Waffen.
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