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Von Arne Perras, Bosaso

"Und er zieht seine Pistole": Wie der Afrika-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung eine Flugzeugentführung in Somalia durchlebte.

Perras, Somalia, EntführungGrossbild

Arne Perras - im Bild mit Leibwächtern, die ihn auf seiner Reise in Puntland begleiteten - schreibt seit neun Jahren für die Süddeutsche Zeitung über Afrika. Seit drei Jahren ist Perras, 42, Korrespondent auf dem Kontinent. Der Historiker, der in Oxford über Kolonialgeschichte promovierte, lebt mit seiner Familie in Uganda. (Foto: privat)

Draußen auf dem Rollfeld steht die Antonov 24. Man sieht, dass sie nicht mehr die jüngste ist. Aber ihr Anblick macht uns an diesem Morgen glücklich. Es ist Montag, hinter uns liegen fünf Tage Recherche in Bosaso, einer Piratenhochburg in Somalia. Wir sind unter dem Schutz der autonomen Regierung von Puntland gereist, der Sicherheitsminister hat Visa erteilt, seine Soldaten haben uns Tag und Nacht mit schwer bewaffneten Bodyguards beschützt. Somalia ist ein äußerst hartes Terrain für Journalisten. Aber das ist der Job. Wer berichten will über das Problem mit den Piraten, muss auch vor Ort recherchieren. Viele Monate lang ist diese Reise minutiös von uns vorbereitet worden. Die Recherchen sind gut gelaufen. Nun, an diesem Montag, wollen wir also wieder raus.

Ich reise mit meinem Kollegen von der Frankfurter Rundschau, Johannes Dieterich. Wir kennen uns, auf ihn ist Verlass. Wir trinken in der Abflughalle noch einen Cappuccino, der Kaffee ist gut, Somalia war eine italienische Kolonie. Wir witzeln noch. Gut, dass die Italiener früher hier waren und nicht die Briten mit ihrem grässlichen Porridge. Dann wird unser Flug aufgerufen, Daallo Airlines, nach Dschibuti. Über die hintere Treppe gehen etwa 30 Passagiere an Bord. Aus der Nähe betrachtet sieht die blau-weiße Antonow reichlich verschlissen aus.

Aber ich weiß, dass alte Flieger ihre Vorteile haben, wenn sie gewartet werden. Sie sind nicht so anfällig wie die Hightech-Maschinen. Die Antonow gilt als unverwüstlich. Später werden wir noch froh sein über die Maschine, in der das Cockpit durch eine Metalltür von der Kabine getrennt wird. Die Crew sitzt schon vorne: Pilot, Kopilot, Navigator, Ingenieur. Zwei Russen, zwei Ukrainer. Der Steward ist ein baumlanger Kerl namens Mohamed. Er fliegt seit sieben Jahren mit den Russen, so hat er ihre Sprache gelernt. Größeres Glück können wir an diesem Tag nicht haben.

Geschafft, denken wir

Kurz vor 14 Uhr wirft der Pilot die Propeller an. Es ist brütend heiß in der Kabine, alle schwitzen. In der ersten Reihe sitzen zwei Männer, die ganz besonders schwitzen. Aber davon wird ein Passagier erst später erzählen. Ich freue mich auf den Flug, es wird den Golf von Aden entlang gehen, wo die ockerfarbene Wüste auf den türkisfarbenen Ozean trifft. Wir denken an ein kühles Bier in Dschibuti, dessen Gassen von kahlgeschorenen französischen Fremdenlegionären bevölkert sind. Die Maschine rollt über die Piste, wir heben ab, ich sitze in der linken Reihe, Johannes in der rechten. Wir atmen durch. Geschafft, denken wir.

Vor mir sitzt eine verschleierte Mutter mit ihren Kindern. Der kleine Junge linst zwischen den Sitzen hindurch. Ich spiele "Guckguck" mit ihm. Er kichert, versteckt sein Gesicht. Es vergehen zwei, vielleicht drei Minuten - dann springt plötzlich ein Mann in der ersten Reihe auf. Er ist groß und hat einen irren Blick. Er brüllt ein paar Worte auf Somali, die ich nicht verstehe, und zieht seine Pistole. Es dauert zwei, drei Sekunden, bis die Botschaft bei mir ankommt. Dieser Mann entführt gerade unsere Maschine.

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  1. Sie lesen jetzt: 1 Mit dem Leben abgeschlossen
  2. 2 Was will der Mann? Und wo will er hin?

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