Von Alexander Menden

Das Rätsel um den Piano-Mann ist gelöst: Viereinhalb Monate nach der Einweisung des sprachlosen Unbekannten in die britische Psychiatrie hat sich nun herausgestellt, dass der Mann ein gänzlich unmusikalischer Bauernsohn aus der Oberpfalz ist.

Spricht wieder: Der Piano-Mann. (Foto: AP)

Mit Kaspar Hauser ist er schon verglichen worden; tatsächlich scheint es nun, als teile der „Piano-Man“ mit dem berühmtesten Findelkind der Geschichte zumindest die Nationalität.

Das Rätsel der Identität des Mannes, der im April auf der Insel Sheppey nahe der Küste von Kent durchnässt und sprachlos aufgegriffen wurde, scheint gelöst: Es ist ein Deutscher, ein junger Mann aus der Oberpfalz.

Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte am Montag, bei dem „Piano-Man“ handele sich um einen 20 Jahre alten Mann aus Bayern. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung stammt er aus der oberpfälzischen Stadt Waldmünchen.

Im Rathaus der Stadt war zunächst nichts über den berühmten Rückkehrer bekannt. „Der Piano-Man soll von uns sein?“, fragte eine Mitarbeiterin im Rathaus und holte tief Luft. „Cool.“ Noch gibt es keine offizielle Bestätigung, aber Bürgermeister Franz Löffler sagte, er werde mit der Familie sobald wie möglich Kontakt aufnehmen und sehen, was die Stadt für sie tun könne.

„Er möchte keinen Kontakt zur Öffentlichkeit haben“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Der Mann habe sich an die Botschaft in London gewandt, die habe ihm die Papiere für die Rückreise nach Deutschland verschafft.

Bereits am Samstag sei er zurückgeflogen. Wie es dem Mann gesundheitlich geht, ob er weiter behandelt wird und ob er zu seiner Familie zurückgekehrt sei, wollte das Auswärtige Amt nicht sagen. Es gibt Meldungen, wonach sein Vater und seine zwei Schwestern einen Bauernhof betreiben.

Sicher ist, dass der blonde, groß gewachsene Mann, der in scheinbar völlig verwirrtem Zustand in die Psychiatrische Klinik Little Brook in Dartford eingeliefert worden war, am Samstag als geheilt entlassen wurde.

Der britische staatliche Gesundheitsdienst NHS enthält sich aus Datenschutzgründen jeden weiteren Kommentars. Auch das Innenministerium in Bayern hält sich zurück: Es gebe keinen Anlass für Ermittlungen gegen den Mann.

Die britische Zeitung Daily Mirror zitiert inoffizielle Quellen, denen zufolge der Unbekannte kürzlich sein gut viermonatiges Schweigen gebrochen habe.

Er habe einer Krankenschwester eröffnet, er sei ein Deutscher, der bis April in Paris gearbeitet, dann jedoch seinen Job verloren habe.

Daraufhin sei er mit dem Eurostar-Zug nach England gefahren und habe sich im Meer ertränken wollen, als die Polizei ihn am Strand von Sheppey aufgriff.

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