Untiefen des Menschlichen
Missbrauchsfall in Amstetten
29.04.2008, 9:40
Grossbild
Hinter der Fassade spielte sich ein menschliches Drama ab: Das Haus in Amstetten ist über Nacht berüchtigt geworden. (Foto: Reuters)
Österreich hat sich bis heute nicht erholt vom "Fall Kampusch" - jener Leidensgeschichte eines Mädchens, das acht Jahre lang von seinem Entführer in einem Keller bei Wien festgehalten wurde. Seitdem die junge Frau aus ihrem Verlies fliehen konnte, steht sie im Zentrum eines nicht nachlassenden öffentlichen Interesses. Erst vor wenigen Tagen - und damit fast zwei Jahre nach ihrer Flucht - veröffentlichte eine Gratis-Zeitung intime Details aus den ersten Vernehmungen der traumatisierten jungen Frau.
Der Voyeurismus eines detailverliebten Boulevards, mutmaßliche Ermittlungspannen, die offenbar aus politischen Gründen vertuscht wurden, ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss und eine Regierungskrise sind seitdem mit dem Namen Kampusch verbunden.
Jenseits aller politischen Skandale rund um die Ermittlungsarbeiten aber fragt sich das kleine, an Skandalen nicht eben arme Land auch immer wieder: Warum hat keiner etwas bemerkt? Schließlich durfte Kampusch ihr Verlies verlassen, sie war spazieren, ging skifahren. Hatte die gesellschaftliche Kontrolle, die nachbarschaftliche Fürsorge versagt?
| Bildstrecke Ein Haus mit schrecklichem Geheimnis | ||||||||||||||
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Nun könnte sich eine ähnliche, selbstquälerische Debatte wiederholen, denn der "Fall Amstetten" weist erschreckende Parallelen auf: ein Leben im Verlies, sexuellen Missbrauch, die kuriose Ahnungslosigkeit von Verwandten und Nachbarn. Wer hat da was nicht gesehen, nicht sehen wollen? Welche Rolle spielt die Ehefrau, die sich um die vermeintlichen, von der Tochter heimlich vorbeigebrachten Enkelkinder gekümmert und nicht nachgefragt hat?
Was bewegte diese Frau, die über einem Verlies wohnte, in dem vier Menschen hausten? Warum ließen sich Polizei und Jugendamt vom Vater der Kinder bei der Suche nach der angeblich vermissten Tochter abspeisen mit der Behauptung, diese lebe in einer Sekte und lege ab und zu ihre kleinen Kinder auf der Türschwelle ab? Was sagen die Nachbarn, die neben einem Haus voller Sonderlinge lebten und nichts, aber auch gar nichts mitkriegten?
Dubios, kurios - und vor allem traurig sind solche Geschichten, die eines gemeinsam haben: Hinterher und vor allem mit dem Blick von außen lassen sich schnell harte Urteile fällen, die den verzweifelten, höchstwahrscheinlich psychisch kranken Menschen nicht gerecht werden. Wer Inzest und Vergewaltigung, seelische und körperliche Abhängigkeit, Angst und Schmerzen erleidet, der braucht Hilfe, keine Häme.
Bleiben die politischen und medialen Parallelen. Denn auch Amstetten wird, wie im Fall Kampusch der Ort Strasshof in der Wiener Peripherie, in den kommenden Tagen und Wochen überrollt werden von einer Maschinerie der Neugier. Dabei werden die Opfer dem brutal sezierenden Blick der Öffentlichkeit ausgesetzt sein.
Privates bald Allgemeingut
Ihr Schicksal bietet wieder viele schaurige Details, an denen eine Gesellschaft nicht vorübergehen wird, die ihren Mitgliedern den Schutz der Intimität und ein Recht auf Privatsphäre verweigert. Österreichs Zeitungslandschaft ist reich an konkurrierenden Blättern, da wird mit harten Bandagen gekämpft. Und ein kleines Land, dessen Einwohnerschaft zweieinhalbmal so groß ist wie die Berlins, schaut womöglich besonders neugierig auf den Jahrmarkt der Skandale, den eine überschaubare Gemeinschaft bietet.
Derzeit sind Mutter und Kinder aus Amstetten in psychiatrischen Kliniken untergebracht, noch wird der Vater vernommen, noch beteuern Polizei und Umfeld, man wolle die Opfer schützen. Doch die vielen Indiskretionen im Fall Kampusch haben gezeigt, was solche Beteuerungen wert sind. Bei der Vorbereitung der parlamentarischen Untersuchung wurden die Kampusch-Akten quer durch die Administration gestreut, sodass viele Menschen sich anhand sehr persönlicher Aussagen ein Bild vom Martyrium des Mädchens machen konnten. Kein Wunder, dass Privates bald Allgemeingut war.
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![]() 29.04.2008 12:57:48 Tante Polly: rellama schrieb: "Man sollte mal in seinem Lieblingsferienort in Thailand nachforschen, wen er da alles eingesperrt hat, Ausserdem hat er Immobilien, welche er sich durch fingierte Feuerschäden an den Wirtschaften seiner Frau gekauft hat, Der Mann plant wirkliich alles." War mir bisher nicht bekannt, dass er Urlaube in Thailand machte und ich stelle mir in dem Zusammenhang die Frage: Was war in der Zeit mit den Menschen, die er in seinem Haus gefangen hielt? Da muss es eigentlich doch noch mindestens eine zweite Person gegeben haben, die diese "versorgt" hat? Oder? ![]()
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