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Von Birgit Lutz-Temsch

Seit Jahren werden Sicherheitsprobleme bei der Bahn ignoriert, kritisiert die Gewerkschaft der Eisenbahner nach dem Unglück in Viareggio. Die schreckliche Konsequenz: 15 Tote und 50 meist Schwerverletzte.

ViareggioGrossbild

Die Umgebung des Bahnhofs in Viareggio hat sich in ein Trümmerfeld verwandelt. (Foto: dpa)

30 Personen werden noch unter den Schutthalden vermisst. In dem Trümmerfeld, das bis gestern kurz vor Mitternacht noch Wohnhäuser entlang der Bahngleise waren, sind 15 Menschen ums Leben gekommen. Am Morgen schlagen die Hunde an, berichtet die Internetseite der italienischen Tageszeitung La Repubblica - in einem halb eingestürzten Wohnhaus finden die Suchenden einen kleinen Jungen, der mit seiner fünfköpfigen Familie in dem Haus gewohnt hat. Er liegt in seinem Bett, ist leicht verletzt, kann auf die Fragen der Retter antworten.

Anderen Helfern bieten sich schreckliche Bilder: In einem vor den Häusern geparkten und völlig ausgebrannten Renault Scenic finden die Feuerwehrmänner die Leiche eines kleinen Kindes, festgeschnallt in seinem Kindersitz. Das Kind war vermutlich in seinem Sitz eingeschlafen, die Eltern ließen es dort sitzen und hielten sich mit ihrem zweiten Kind im Garten auf.

 
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Zugunglück in Viareggio Tod in der Toskana Rahmen
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Die Gefahr an der Unglücksstelle ist noch nicht gebannt: Zwar sei das Feuer inzwischen eingedämmt, es bestehe aber die Gefahr, dass sich noch weitere Kesselwagen entzündeten, sagen die Sicherheitskräfte. 1000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht.

"Schnelligkeit statt Sicherheit"

Als Unglücksursache nehmen die Verantwortlichen der staatlichen Eisenbahnen (Ferrovie dello Stato) mittlerweile an, dass einer der mit Flüssiggas geladenen Waggons entgleist sei, wodurch vier weitere Waggons aus den Gleisen gesprungen seien. Dadurch wiederum sei Gas aus den Tankwaggons ausgetreten, das sich schließlich entzündet habe. Es sei also nicht zu einer Explosion des ersten Wagens gekommen, wie zuerst angenommen. Warum der erste Waggon allerdings entgleist ist, ist noch unklar.

Die Gewerkschaft der Eisenbahner übt heftige Kritik an der Führungsriege der Bahn: In einer Stellungnahme der Eisenbahner heißt es laut der Repubblica: "Der Bruch einer Waggon-Achse eines solchen Gefahrentransports ist nie angemessen in Betracht gezogen worden, obwohl das Risiko sehr wohl bekannt war. Unfälle wie dieser sind unzählige Male passiert, zuletzt erst vor ein paar Tagen in Pisa S. Rossore." Jedes Mal seien die Unfälle glimpflich ausgegangen, doch Konsequenzen seien keine gezogen worden.

Grund dafür sei eine falsche Priorotätensetzung, heißt es in der Stellungnahme weiter: "Der Bahntransport ist ein komplexer Service, in dem auch der kleinste Ausfall größte Tragödien verursachen kann - und als solcher muss auch der kleinste Vorfall größte Bedeutung haben und genau untersucht werden. Wir erneuern unsere harte Kritik an der Führung der Bahn, die Ressourcen und Technologien nur darauf ausgerichtet hat, prestigeträchtige Hochgeschwindigkeitsprojekte zu verwirklichen, während sie den Rest der Eisenbahn, vor allem Güter- und Pendelzüge, verkümmern lassen haben, sei es in Bezug auf Qualität wie auch in Bezug auf Sicherheit."

Auch in Viareggio melden sich die Anwohner, denen die Nähe zu den Gleisen schon lange nicht mehr geheuer ist: "Seit Jahren fordern wir eine Schutzwand", sagen Anwohner des Straßenzugs Largo Risorgimento einer Reporterin der Repubblica. Ihre Häuser stehen nur wenige Meter von den Gleisen entfernt. 50 Menschen wohnen in diesen drei Palazzi. "Ich hatte im dritten Stock das Fenster offen und hatte auf einmal eine Feuerwand vor mir", erzählt eine Anwohnerin. "Wir haben schon oft darauf hingewiesen, dass es hier ein Problem mit der Sicherheit gibt", erzählt ein anderer, "nicht nur wegen der Gleise, sondern auch wegen der ganzen Lastwagen, die hier immer parken. Auch gestern stand hier wieder ein Tanklastzug. Dessen Motor hat auch schon gebrannt, der Tank zum Glück nicht, sonst wäre hier noch viel mehr passiert.“

Der italienische Transportminister, Altero Matteoli, hat eine Untersuchungskommission eingesetzt, Innenminister Roberto Maroni ist auf dem Weg an die Unglücksstelle.

(sueddeutsche.de/bilu/jja)

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Leserkommentare (4)



30.06.2009 12:33:31

Juniperus: Rollende Bomben

Die Flüssiggastransporte auf Schiene und Straße ( zurückliegendes Unglück auf einen spanischen Campingplatz ) sind rollende Bomben. Dagegen nehmen sich die Castor-Transporte zumindest im öffentlichen Verkehrsraum geradezu harmlos aus.


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