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"Schlaf fest, Prinzessin, süße Träume"
Suizid-Serie in Großbritannien
23.01.2008, 17:58
Sieben tote Jugendliche innerhalb eines Jahres. (Foto: Telegraph)
Natasha Randall war ein ganz gewöhnlicher Teenager. Die 17-Jährige hatte Freunde, ging gerne aus und wollte Kindergärtnerin werden. Dass sie viel Zeit vor ihrem PC verbrachte und eine Website auf "Bebo", einer Internet-Plattform für Sozialkontakte, unterhielt - auch das war alles andere als ungewöhnlich. Umso fassungsloser waren ihre Eltern, als sie ihre Tochter tot in ihrem Zimmer auffanden. Sie hatte sich erhängt.
Fassungslos reagierten auch die Bewohner des kleinen Ortes Bridgend im Süden von Wales. Denn Natashas Suizid war bereits der siebte Selbstmord eines Teenagers in ihrer Gemeinde innerhalb eines Jahres. Polizei und Psychologen, Eltern und Lehrer versuchen nun herauszufinden, was hinter dieser grausamen Kette steckt. Denn eines ist sicher: Alle Jugendlichen kannten sich mehr oder weniger gut, und alle waren über "Bebo" oder eine andere Kontaktseite miteinander vernetzt.
Die furchtbare Serie begann im Januar 2007, als sich der 18-jährige Dale Crole auf einem Jahrmarkt unweit seiner Heimatgemeinde Bridgend erhängte. Einen Monat später fügte sich sein Klassenkamerad David Dilling, 19, dasselbe Schicksal zu. Ebenfalls im Februar vergangenen Jahres wurde die Leiche des 20-jährigen Thomas Davies gefunden. Er hatte sich in einem Wäldchen eine Schlinge um den Hals gelegt. Zwei Tage zuvor hatte er sich noch einen Anzug gekauft - für die Beerdigung seines Freundes Dilling.
Die Selbstmordserie setzte sich im August mit dem 17-jährigen Zachary Barnes fort, der ein Freund von Davies war. Und Liam Clarke, 20, der sich im Dezember 2007 tötete, war ein Freund des ersten Selbstmörders Dale Crole. Gareth Morgan und Natasha Randall, die in diesem Januar starben, waren wiederum enge Freunde von Clarke. Ein Foto zeigt Liam und Tasha - wie sie von ihren Freunden genannt wurde -,wie sie herumalbern. Tage bevor sie sich das Leben nahm, hinterließ Natasha auf der Website ihres Freundes Liam einen Eintrag: "R.I.P. Clarky boy!! Wir werden dich vermissen! Denke immer an die guten Zeiten! Ich liebe dich."
Der Süden von Wales hat ohnehin im Landesvergleich eine der höchsten Selbstmordraten des Vereinigten Königreiches. Aber dies ist nach übereinstimmender Ansicht von Experten nicht der Grund für die beklemmende Häufung von Suiziden in Bridgend, zumal die Opfer einander kannten.
Eine speziell eingesetzte Gruppe mit Vertretern des staatlichen Gesundheitsdienstes, der Schulen, der Polizei und örtlicher Behörden kam bereits im vergangenen Jahr zu dem Schluss, dass es sich um eine Art Nachahmungseffekt handeln könnte. Der Experte David Gunnell von der Universität Bristol hatte schon früher einen Zusammenhang zwischen Berichten über Selbstmorde in den Medien und darauf folgenden, identischen Suiziden festgestellt. Internet-Diskussionen darüber, sich selbst das Leben zu nehmen, hätten dieselben Auswirkungen. "Es ist sehr viel wahrscheinlicher, dass junge Menschen heute Berichte über Suizide im Internet und nicht in der Zeitung lesen", sagte Gunnell.
Die walisische Polizei hingegen verfolgt eine andere Theorie, die auf der Tatsache basiert, dass Freunde der Toten virtuelle Gedenksteine für sie auf den jeweiligen Websites erwerben können. "Es ist gut möglich, dass sie es für cool halten, eine Gedenkwebsite zu bekommen", meinte ein leitender Polizeibeamter zur Zeitung The Times. "Vielleicht ist das sogar eine Möglichkeit, unter Gleichaltrigen so etwas wie Prestige zu erlangen."
Tasha, die ihr Gedenken an Liam hinterlassen hatte, erhielt direkt nach ihrem Tod ebenfalls Grüße von Freunden. Insgesamt 19 solcher "tablets" stehen bereits auf ihrer Website. "R.I.P. chick", steht auf einem, "Schlaf fest, Prinzessin" auf einem anderen, und "Süße Träume, mein Engel". Die Behörden befürchten nun weitere Selbstmorde. Ebenfalls im Januar versuchten innerhalb von zwei Tagen zwei 15-jährige Mädchen sich das Leben zu nehmen. Sie wurden rechtzeitig entdeckt.
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