In einem 425 Millionen Jahre alten Felsen haben Forscher das erste nachweislich männliche Fossil entdeckt. Der Fund ist eine wissenschaftliche Sensation, da sich Größe und Form der Weichteile detailliert rekonstrieren lassen – darunter der älteste bislang gefundene Penis.

Eine Computer-Rekonstruktion des Krebses, der an einen modernen Wasserfloh erinnert. (Foto: AP)

Wie das Fachmagazin Science (Bd. 302, S. 1749) am Donnerstag berichtete, bekam das fünf Millimeter große Krebstier den Namen Colymbosathon ecplecticos - übersetzt: Überraschender Schwimmer mit großem Penis.

Das Tier wurde unter Vulkanasche begraben, die zu Stein wurde und in der sich ein Abdruck der weichen Körperteile erhalten hat. Diese einzigartige Konservierung ermöglichte es den Forschern, mit Hilfe modernster Computerverfahren ein dreidimensionales Abbild des Tiers zu erstellen.

Die Wissenschaftler schnitten bei ihrer Analyse den Stein mit dem Fossil in extrem dünne Scheiben, die jeweils fotografiert und deren Daten in einer Datenbank gespeichert wurden. Daraus wurde dann später ein dreidimensionales Bild erstellt.

Eine dreidimensionale Ansicht des Colymbosathon ecplecticos. (Foto: AP)

„Das ganze Tier ist erstaunlich“, berichtet der Verfasser der Studie, David Siveter. „Jedes Fossil mit weichen Körperteilen aus dem Silur (430 bis 400 Millionen Jahre vor unserer Zeit) ist ungewöhnlich.“

Zu den sichtbaren Einzelheiten gehören Kiemen, Augen, Gliedmaßen und eben das bislang älteste männliche Geschlechtsorgan. Die überraschendste Entdeckung dabei ist, dass das Tier kaum Unterschiede zu heutigen Nachfahren aufweist, die heute noch in praktisch jedem Gewässer der Welt leben. Es handelt es sich um zweischalige Tiere, die allerdings zu den Krebsen gehören, nicht zu den Schalentieren wie den Muscheln.

Während die Evolution hoch entwickelte Augen, Flügel und Federn hervorbrachte, blieb diese Spezies offenbar, wie sie war: „Das ist eine Demonstration ungeheurer Stabilität“, sagte der US-Geologe Tom Cronin vom Geological Survey in Reston. „Diese Kerlchen sind völlig unbeeindruckt durch die Jahrmillionen getrottet.“

Erst im September hatten Berliner Forscher 400 Millionen Jahre alte Geschlechtsorgane von Weberknechten vorgestellt. Die versteinerten männlichen und weiblichen Spinnentiere hatte das Team um Jason Dunlop von der Berliner Humboldt-Universität im schottischen Rhynie entdeckt (New Scientist, Bd.2413, S.19, 2003).

(sueddeutsche.de/dpa/AP)

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