Von Hans Holzhaider und Kassian Stroh

Sieben tote Schafe und eine Spur sind Beweis genug: Nach 170 Jahren lebt in Bayern wieder ein Braunbär. Der Freistaat empfängt seinen Gast mit einer "g"sunden Watschn".

Sieht aus wie eine gigantische Rohrpost, ist aber eine Bärenfalle, aufgestellt im Lechtal (Foto: ddp)

Seit Tagen hatten die Experten darauf gewartet - und seit spätestens Samstag ist es soweit: Der Braunbär, der seit mehr als einer Woche im österreichischen Lechtal beobachtet worden ist, ist nach Bayern übergewechselt. Er ist der erste seiner Art seit 170 Jahren, der in Deutschland in freier Wildbahn unterwegs ist. Zwar hat ihn in Bayern noch keiner zu Gesicht bekommen. Sieben tote Schafe, einige Fell-Reste und eine Fährte aber lassen keinen Zweifel daran: Der Bär ist in Bayern.

Auch unentdeckt hielt er am Wochenende eine ganze Reihe von Tierschützern und Biologen auf Trab. Am Samstagmorgen fand der Berufsjäger Georg Schwanninger auf einer eingezäunten Weide unmittelbar neben der Forstdienststelle in Graswang (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) drei tote und mehrere verletzte Schafe. Anfangs waren sich die Experten uneins, ob die Tiere tatsächlich von dem jungen Bären gerissen wurden, der zuletzt am Freitag etwa 20 Kilometer entfernt im tirolerischen Pflach bei Reutte gesichtet wurde.

Am Sonntagabend aber meldete der Worldwilde Fund for Nature (WWF) einen weiteren Fund: vier tote Schafe auf einer Weide nordöstlich von Garmisch-Partenkirchen, die vermutlich am Nachmittag gerissen wurden. Den genauen Ort wollte WWF-Sprecherin Ulrike Bauer nicht bekannt geben: „Wir wollen keinen Bären-Tourismus."

Die Polizei jedoch nannte später Einzelheiten: Es handele sich um die Rechbergwiesen bei Farchant. Zwar ist der Täter spurlos verschwunden, doch die Experten vom WWF sind sich sicher: Schuld am Tod der vier Schafe ist besagter Braunbär. Am Tatort habe man seine Haare und eine Fährte entdeckt, sagte Bauer. Und da das Vorgehen dem am Samstag entdeckten Fall ähnelt, gehen die Experten davon aus, dass auch diese drei Schafe vom Bären gerissen wurden.

Am Lech entlang bis Reutte

Betrachtet man die bislang ermittelte Wanderroute des Bären, überrascht es nicht, dass er von Reutte ins Gebiet nördlich von Garmisch-Partenkirchen gewechselt ist.

Er war das Lechtal heraufgekommen: In der Nacht zum Mittwoch hatte der Bär in Weißenbach einen Baumstamm aufgebrochen, um an ein Nest wilder Bienen heranzukommen, am Donnerstag hatte er in Pflach eine Bienenhütte ausgeräumt - nur zwei Kilometer vor der Grenze zu Bayern.

Um nun die weitere Route des Bären verfolgen zu können, wollen ihm der WWF und Biologen der Freiburger Universität einen Peilsender verpassen.

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