Von Oliver Meiler und Martin Winter

Zwei Millionen Menschen in Birma sind von tödlichen Epidemien bedroht. Schon jetzt sind mehr als 40 Prozent der Opfer Kinder, doch Birma schottet das Land weiter ab.

Ein Mönch schützt sich vor dem Regen. (Foto: rtr)

Trotz weltweiter Appelle schottet Birmas Militärregime das Land immer noch weitgehend gegen Hilfe ab. Die Lage für die von der Naturkatastrophe getroffenen Menschen im Delta des Irrawaddy droht dadurch so dramatisch zu werden, dass selbst der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon, ungewöhnlich offene Worte fand.

"Wenn die Hilfe nicht sehr schnell kommt, dann droht eine Krise, gegen die die jetzige ganz klein erscheinen wird." Experten sehen bis zu zwei Millionen Menschen von tödlichen Krankheiten und Epidemien bedroht, wenn nicht schnell geholfen wird. Schon jetzt sind mehr als 40 Prozent der Opfer Kinder.

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Auch wenn man sich in Brüssel keine Illusionen über die Chancen macht, auf die Militärmachthaber Einfluss nehmen zu können, will EU-Entwicklungshilfekommissar Louis Michel nichts unversucht lassen. Von den Ministern für Entwicklungshilfe der 27 Länder der EU bekam er am Dienstag die politische Rückendeckung für einen Besuch in Birma. Dort will er versuchen, mit den Machthabern einen "Dialog über humanitäre Hilfe" zu führen. Im Anschluss an das Treffen reiste Michel nach Bangkok ab, obwohl bis dahin noch nicht klar war, ob er nach Birma hereingelassen wird.

Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul forderte Russland und China auf, den Weg für eine Resolution des UN-Sicherheitsrates freizumachen, in der die birmanische Junta zur Öffnung des Landes für Hilfe aufgefordert wird. Der EU-Chefdiplomat Javier Solana drohte, dass die Charta der Vereinten Nationen auch "Wege" für den Fall vorsehe, wenn eine "Regierung sich weigert", Hilfe ins Land zu lassen. Deutschland werde seine Hilfe von jetzt zwei Millionen auf vier Millionen Euro verdoppeln, kündigte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Günter Gloser, an.

Alarmiert sind inzwischen auch die Nachbarn Birmas. Asean, die Organisation südostasiatischer Staaten, der auch Birma angehört, hält am Montag eine Krisensitzung in Singapur ab. Aber auch das scheint das birmanische Militärregime keineswegs zu beeindrucken. Über die Staatspresse ließ ein hoher Offizier am Dienstag ausrichten, die Nation freue sich über die Hilfsgüter aus dem Ausland. Sein Land brauche aber "noch" keine spezialisierten Helfer. Die Hilfsorganisationen klagen jedoch, die birmanische Armee verfüge weder über das Wissen noch über die Mittel für eine große Hilfsoperation.

(SZ vom 14.5.2008/jüsc)

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Leserkommentare (1)



14.05.2008 08:45:42

Heinrich2006: Burmas Blockade

Die Militärs blockieren die Hilfe des Auslands für die Opfer des Wirbelsturms.

Die Entwicklungsminister erregen sich zu Recht über dieses Verhalten.

Die Ohnmacht der EU im Krisenfall ist eklatant.

Die alten Kolonialmächte UK, Frankreich und NL haben aber wie der Rest der EU dort keinerlei bedeutenden Einfluss. Wenn die Burma umgebenden reichen Tigerstaaten, Indien,

China die burmesischen Militärs nicht unter Druck setzen wollen, dann kann es die EU erst recht nicht. Süd-Ostasien ist nicht der Westen, auch wenn das Volk die EU-Hilfe bitter nötig hätte, aber die Welt tickt leider heute anders.


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