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"Bratwurst, Deisler, Schienbeinschoner"
WM-Jahr
16.02.2006, 16:41
Man muss sie einfach gern haben: Britische Fußball-Fans... (Foto: AP)
Ohne Ball geht nichts. Zum Kennenlernen im „Deutschkurs für Fußballfans“ kicken sich die Teilnehmer erstmal lässig das Leder zu. „Ick heiße Tim“, stellt sich einer in wackeligem Deutsch vor.
Auch die anderen sind mit dem Ball fitter als in der deutschen Sprache. Doch das soll sich ändern. Wenn am 9. Juni die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland angepfiffen wird, will sich Tim Hillyer aus Wimbledon mit den Gastgebern am Spielfeldrand verständigen können – auf Deutsch.
Dem gängigen Vorurteil zufolge artikulieren sich englische Fußballfans vorzugsweise grölend, johlend und schreiend. Das mag in vielen Fällen zutreffen; neuerdings gibt es allerdings auch Hooligans von ganz anderem Schlag, solche wie Tim Hillyer.
„Der Mann lernt mit 14 anderen Fußballfreunden die Sprache Goethes und Schillers. Im Goethe-Institut in London trainieren sie Begriffe wie „Schwalbe“, „Abseits“ oder „Tor“. Ein bunt gemischter Haufen: jung und alt, Bauarbeiter, Werber und Akademiker, auch ein Gefängniswärter ist dabei.
Die Sprachschüler kommen aus London und Liverpool, aus Australien und Kalifornien. Sie sind Fans von Manchester United, Aston Villa oder Chelsea. Auch sechs Frauen besuchen den Kurs.
Der Unterricht ist für Leute, die Deutsch lernen wollen und an Fußball interessiert sind“, erklärt Kursleiterin Katja Wostradowski.
Für 195 Pfund (knapp 300 Euro) bringt sie den Schülern beispielsweise bei, nach dem Weg zu fragen oder ein Hotelzimmer zu buchen. „Es geht darum, auf den WM-Aufenthalt vorzubereiten und gleichzeitig die deutsche Fußballkultur näher zu bringen.“
...und ein deutsches Wort können sie schon: "Bier", heißt auf englisch "Beer" und klingt fast genauso, wie praktisch. (Foto: AP)
Nach der Vorstellungsrunde werden erste Fußball-Vokabeln einstudiert: „Schiedsrichter“ für „Referee“, das „Team“ wird zur „Mannschaft“, leichter sind da die ohnehin halbenglischen „Fußballshorts“.
Die nächste Schwierigkeitsstufe: Zungenbrecher wie „Lieblingsmannschaft“ oder „Der Schiri braucht ’nen Blindenhund“.
Dann sollen die Teilnehmer sagen, welche deutschen Wörter sie bereits kennen. „Bratwurst“ ruft einer. „Deisler“ und „Schalke“ folgen. Anhand von Trikotmustern lernen sie Farben; Zahlen werden mit Hilfe der Rückennummern nahe gebracht.
Anschließend wieder Vokabeln: „Schienbeinschoner“, „Trikot“, „Trainingstasche“ und, superwichtig, „Bierflasche“.
Tim Hillyer findet den Kurs „eine gute Sache“. Er möchte lernen, typische Fehler im Ausland zu vermeiden. Steve Shirley, der im roten Trainingsanzug der englischen Elf gekommen ist, hat in der Schule etwas Deutsch gelernt. Doch bei dem 52-Jährigen ist nicht viel hängen geblieben. Jetzt möchte er seine Kenntnisse auffrischen, um den Weg ins Stadion zu finden.
Anfeuern wird er die Spieler dennoch auf Englisch, vermutet Shirley. Doch für die anschließende Diskussion über Fußball in der Kneipe will er die wiedererlangten Deutschfähigkeiten benutzen.
Fiona Miley aus Birmingham, aktive Fußballerin und Trainerin einer Damenmannschaft, gefällt die Kombination aus Sport und Sprache: „Ein netter Weg, um Deutsch zu lernen.“
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