Von Uwe Ritzer

An zu wenig Geld liegt es nicht. Für viele ist es einfach praktisch: Anonyme Bestattungen liegen hierzulande im Trend.

Zwei Tage nach seinem Tod am 5. Dezember 1791 wurde der hochverschuldete Wolfgang Amadeus Mozart auf dem Wiener Friedhof St. Marx in einem Armengrab verscharrt. "Bis heute weiß man nicht, wo genau er begraben liegt‘‘, sagt Hartmut Woite, "trotzdem schwärmen Milliarden Menschen von ihm.‘‘ Man könne also jemandes auch ohne eine Grabstätte gedenken.

Woite, Inhaber des Berliner Billigbestatters "Berolina Sarg-Discount‘‘, bietet an, die Asche von Verstorbenen aus einem Heißluftballon in alle Winde zu zerstreuen oder mit einer Feuerwerksrakete in den Himmel zu schießen. Jenen über Tschechien, denn in Deutschland ist das nicht erlaubt. Solch exotische Abgänge von dieser Welt werden zwar selten nachgefragt; dass Menschen jedoch anonym bestattet werden, geschieht immer häufiger.

Die Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas schätzt den Anteil auf 15 Prozent der für 2007 prognostizierten 840.000 Sterbefälle hierzulande. Klassiker ist die Seebestattung. Neuerdings werden aber auch immer mehr Urnen in einem jener glatten Rasenfelder versenkt, die es inzwischen in jedem größeren der 33.000 deutschen Friedhöfe gibt. Nur selten ist allerdings - wie weiland bei Mozart - Armut der Grund. Häufig stecken praktische Erwägungen dahinter. Alleinstehende zum Beispiel, deren Angehörigen zu weit entfernt wohnen, um ein Grab pflegen zu können, wählen gerne diese Bestattungsform.

Viele Steinmetze und Bildhauer halten jedoch nicht viel von der anonymen Beerdigung. Diese trage dem starken Bedürfnis nach Ritualen im Umgang mit dem Tod keine Rechnung, sagt etwa Martin Schwieren, Präsident des Bundesinnungsverbandes. Er mahnt an, die Verwandten benötigten einen fixen Ort, an dem sie bewusst trauern und an den sie zurückkehren könnten. Natürlich stecken hinter solchen Warnungen auch handfeste wirtschaftliche Interessen. Schließlich verdienen Steinmetze und Holzbildhauer am Milliardengeschäft mit dem Tod. Wer aber anonym bestattet wird, der braucht keinen Grabstein.

Wie alles im Leben unterliegt auch die Bestattungskultur gewissen Trends. Immer individueller wird der letzte Abschied zelebriert. Ein Motorrad als Dekoration der Aussegnungsfeier, weil der Verstorbene begeisterter Biker war, ist keine Seltenheit mehr. In Frankfurt bietet neuerdings ein Spezialbestatter für Homosexuelle regenbogenfarbige Särge an. "Bestatter sind heute nicht nur Dienstleister auf hohem Niveau, sondern auch Eventmanager‘‘, sagt Carolin Seufert vom größten deutschen Bestattungsinstitut Ahorn-Grieneisen. Wollten 1999 einer Aeternitas-Umfrage zufolge noch mehr als 80 Prozent der Bundesbürger traditionell begraben werden, ist es inzwischen nur noch gut die Hälfte.

Groß in Mode gekommen sind Friedwälder, wo die Asche der Verstorbenen am Fuße eines Baumes abgelagert wird. Jeder fünfte Deutsche würde einer Allensbach-Umfrage zufolge seine Asche am liebsten auf seinem Grundstück verstreuen oder beigesetzt wissen. Experten halten es nur für eine Frage der Zeit, bis man Urnen auch im Wohnzimmer auf den Kaminsims stellen kann. Noch allerdings ist der Umgang mit Verstorbenen in Deutschland so streng geregelt wie nirgendwo sonst in Europa. Es herrscht Friedhofszwang. Den mussten sich im vorigen Jahr auch die Hinterbliebenen von Rudi Carrell fügen. Der Wunsch des Showmasters, im Park seiner Villa bei Bremen die letzte Ruhe zu finden, blieb unerfüllt.

(SZ vom 31.10.07)

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Leserkommentare (4)



31.10.2007 07:35:16

xjj: Es riecht unangenehm..

Am Gelde hängt, zum Gelde drängt doch alles.

Apotheker - Mafia

Bestatter – Mafia

Notare – Mafia

Beamte – Mafia

…….. _ Mafia


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