In Delhi foltert und tötet eine Familie die Tochter und ihren Freund mit Eisenstangen und Stromstößen. Der Grund: Der junge Mann gehörte einer niederen Kaste an.
Er würde genauso wieder handeln, er bereut nichts. Zumindest sagte das der Onkel der getöteten Asha so, während Polizisten ihn abführten. In zahlreichen indischen Zeitungen schilderten Anwohner und Ermittler, was sich gerade in einer Wohngegend im Nordwesten Delhis zugetragen hatte: zwei sogenannte Ehrenmorde. Die Familie der 19-jährigen Asha soll sowohl die junge Frau als auch ihren 21-jährigen Freund Yogesh erst gefoltert und dann getötet haben. Die beiden seien mit Eisenstangen verprügelt worden und wohl an den Folgen von Stromstößen gestorben, sagte ein Polizist.
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Der soziale Status spielt in Indien bei der Hochzeit eine große Rolle. (© AFP)
Die Behörden verhafteten Ashas Vater und Onkel. Ihre Mutter, ihre Tante und der Cousin waren zuletzt noch auf der Flucht, sie werden einer Mittäterschaft verdächtigt. "Wenn ich die Gelegenheit hätte, würde ich die beiden wieder bestrafen", sagte Ashas Onkel nach Angaben der Times of India. Schließlich habe der junge Mann einer niederen Kaste angehört, die Beziehung mit seiner Nichte sei daher aus seiner Sicht unangemessen gewesen.
Schon seit längerem hatten die Eltern ihre Tochter aufgefordert, den Kontakt zu Yogesh abzubrechen, der als Fahrer arbeitete. Als sie sich weigerte, verlobten sie die Tochter mit einem Mann, der nach ihrem Empfinden der sozialen Norm entsprach, und schickten sie zum Onkel, wo sie nun leben sollte. Asha traf sich aber weiterhin mit Yogesh, den sie über alles liebte.
Die Rolle der Herkunft
Eines Abends soll der junge Mann nach Aussage seiner Schwester zur Wohnung von Ashas Onkel gerufen worden sein. Dort erwartete beide ein Martyrium: Nachbarn berichten, die junge Frau habe immer wieder um Gnade für ihren Freund gefleht. Als sie nebenan klingelten, wurden sie mit dem Hinweis weggeschickt, es handele sich um "eine Familienangelegenheit". Damit gaben sie sich zufrieden. Die Polizei fand Asha und Yogesh am Morgen danach tot auf - gefesselt, geknebelt und voller Blut. Die Familienministerin der Region Delhi sprach von "einem barbarischen Gewaltakt".
Zwar gibt es keine genauen Statistiken, aber in Indien kommt es immer wieder einmal zu solchen Dramen, wenn Angehörige mit der Partnerwahl der Kinder nicht einverstanden sind. Die Herkunft spielt bei Eheanbahnungen eine große Rolle. Wichtig sind meist sozialer Status und Bildungsgrad, auch die Kasten-Zugehörigkeit. Hochzeiten unter Paaren aus verschiedenen Schichten sind möglich, aber selten. Meistens regeln die Eltern, wen Tochter und Sohn heiraten werden. Die 19-jährige Asha wollte selbst bestimmen, mit welchem Mann sie zusammenlebt. Das hat ihr die Familie offenbar nicht verziehen.
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