4. Dezember 2012 16:39 Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert "Der Druck auf William und Catherine war sehr groß"

Wie wird der royale Nachwuchs heißen? Wie wird er aufwachsen? Und welche Rolle werden Prinz Charles, Pippa Middleton und Prinz Harry dabei spielen? Deutschlands Royal-Experte, Rolf Seelmann-Eggebert, spricht im Interview über das Kind, das Kate und William erwarten.

Von Jana Stegemann

Mehr als dreißig Mal hat Rolf Seelmann-Eggebert der Queen die Hand geschüttelt. Seit Ende der Siebziger Jahre hat es keine royale Hochzeit, keine Taufe und kein Begräbnis in europäischen Königshäusern gegeben, die er nicht für die deutschen Fernsehzuschauer in der ARD kommentiert hat. Im Februar dieses Jahres feierte der Journalist seinen 75. Geburtstag. Zu diesem Anlass würdigte Günter Struve, der ehemalige ARD-Programmdirektor, ihn mit den Worten: "Für mich gilt eine Ehe gar nicht als ordentlich geschlossen, wenn Rolf Seelmann-Eggebert nicht dabei war." Dabei startete er seine Karriere einst als ARD/NDR-Korrespondent für Afrika, bevor er im Jahr 1978 Studioleiter in London wurde. Dort trat er anlässlich des 30. Geburtstages von Prinz Charles erstmals in Adelsdingen auf. Mit Pathos und Enthusiasmus berichtet Seelmann-Eggebert im Interview über das britische Königshaus und die frohe Kunde von der Schwangerschaft am Hof.

Süddeutsche.de: Der Rest der Welt weiß seit dieser Woche von Catherines Schwangerschaft. Seit wann wissen Sie als langjähriger Vertrauter am britischen Königshof, dass die Herzogin ein Kind erwartet?

Rolf Seelmann-Eggebert: Die berühmten Freundinnen und Freunde melden sich ja vorher. Vor einer Woche gab es Hinweise von einer der sogenannten besten Freundinnen, dass da im Juni etwas erwartet würde. Es kann stimmen, dass sie es gewusst hat, aber es kann auch ein "Good guess" gewesen sein. Jedenfalls weiß man nun, in welchem Monat sich Catherine ungefähr befindet. Der Juni ist ein toller Monat für die Geburt, denn da feiert die Queen ihren Geburtstag mit der Parade "Trooping the Colour".

Also perfektes Timing von William und Catherine, die sowieso schon als Vorzeigepaar der Royals gelten?

Ja! Es ist gut, dass sie sich Zeit gelassen haben. Es gab eine Diskussion in Großbritannien, inwieweit eine Schwangerschaft das 60. Thronjubiläum der Queen überschattet, ihr sogar die Schau gestohlen hätte. Perfektes Timing aber auch noch aus einem anderen Grund: Denn vom Königshaus werden immer gute Nachrichten erwartet, wenn die Zeiten schlecht sind. Die Wirtschaftssituation in Großbritannien ist momentan auch nicht glücklich und da ist das Köngshaus immer gerufen, die Sonne scheinen zu lassen - das haben sie großartig gemacht und mit der Meldung von Catherines Schwangerschaft ein fünftes Adventslicht im Dezember hinzugefügt.

Herzogin Catherine gehört zu den beliebtesten Mitgliedern des Königshauses. Wie verändert sich ihre Rolle jetzt?

Sie kann sich kaum noch positiver hervorheben, als sie es im Moment sowieso schon tut, aber natürlich ist die Herzogin mit einem Baby noch gefragter als bisher. Alle sind ganz hibbelig gewesen, dass es so lange gedauert hat. Der Thronfolger ist erst perfekt, wenn er auch eine Familie hat. Der Druck auf William und Catherine war sehr groß, jetzt ist die Hälfte davon weg. Schließlich hat William auf seiner letzten Auslandsreise davon gesprochen, zwei Kinder haben zu wollen. Das Thema Kinder wird im britischen Königshaus also noch lange eine große Rolle spielen. Keine Kinder zu haben, wird in allen Königshäusern der Welt als Mangel empfunden. Das kann eine Geschichte sein, die einen ein ganzes Leben verfolgt, wie man an der einstigen belgischen Königin Fabiola gesehen hat.

Wie wird die zukünftige Nummer drei der britischen Thronfolge aufwachsen?

Er oder sie wird sicher öffentliche Schulen besuchen. Der Hof wird keine Prinzen-Schule um das Kind konstruieren, wie es bei der Urgroßmutter noch der Fall war. Elisabeth ist mit ihrer Schwester zusammen in einer Privatschule aufgewachsen, die man speziell im Buckhingham Palace installiert hatte, damit sie mit dem gemeinen Volk nicht in Berührung kam. Das ist bei Charles und seinen Geschwistern schon ganz anders gewesen. Gerade Prinz William ist ja sehr gezeichnet und sensibilisiert von den Belästigungen seiner Mutter durch Journalisten. So wird er versuchen, ein Abkommen mit der Presse zu finden, damit sein Kind nicht schon als Dreijähriges von Fotografen belästigt wird. Auch wenn ich das Gefühl habe, dass es in der britischen Presse viel Nachdenklichkeit gegeben hat nach der Diana-Geschichte. Natürlich gibt sich keiner die Schuld an dem Tunnel-Unfall, aber als Ruhmesblatt sehen es die Journalisten auch nicht.

Prinzessin Diana versuchte ihren Söhnen so viele Freiheiten zu ermöglichen wie es im Umfeld des Buckingham Palasts ging. Wird die Queen über das Kind von William und Catherine strenger wachen?

Charles wurde mit eiserner Hand erzogen, wobei das mehr von Prinz Philip als von der Queen ausgegangen ist. Er hat Briefe an seine Großmutter aus dem ihm so verhassten Elite-Internat Gordonstoun geschrieben und darum gebeten, von dort weggehen zu dürfen. Er hat sich später offiziell in einer von ihm autorisierten Biographie über die Härte in seiner Kindheit beschwert. Bei seinen eigenen Kindern hat er es anders gemacht und die lockere Hand, die er und Diana gehabt haben, werden wohl auch für die Enkelkinder gelten. Daher wird William kein strikterer Vater sein als es Charles für ihn gewesen ist.

Die Wettbüros in England sind derzeit heillos überlastet. Als potentielle Namen für den royalen Nachwuchs stehen Mary, Victoria, John, Diana, Frances, Georg und Charles hoch im Kurs. Ganz mutige Briten setzen auf rothaarige Zwillinge.

Wenn die Eltern lebenden Figuren einen Gefallen tun wollen, würde es mich nicht wundern, wenn in dem Namen irgendwo ein 'Elizabeth' vorkäme. Dann hätten wir eine wunderbare Elizabeth III. Für Jungen wäre George eine gute Lösung, es kann natürlich aber auch sein, dass jemand sagt, der Mann der Queen, Prinz Philip, hat immer so im Hintergrund gestanden, also machen wir doch mal einen Philip daraus. Ich habe aber die Hoffnung, dass sie Namen wählen werden, die bislang nie vorgekommen sind. Weil sie ja auch ein Paar sind, dass so noch nicht im englischen Königshaus vorgekommen ist.

Haben Prinz Harry und Pippa Middleton Chancen auf eine Patenschaft?

Das wäre sicher eine hübsche Lösung. Sie werden wohl nicht die ersten Paten des Kindes, aber Paten doch. Königskinder haben immer mehr als zwei Paten.

Sie begleiten die Berichterstattung über das britische Königshaus seit mehr als 30 Jahren. Was macht die Queen und ihre Familie für die Menschen so faszinierend?

Ihre Kontinuität. Die Zeit heute ist so schnelllebig, dass Leute kaum die Chance haben weltweit bekannt zu werden. Selbst ein amerikanischer Präsident wie Barack Obama ist irgendwann weg vom Fenster. Aber den Buschmännern im südlichen Afrika ist die Königin von England genauso vertraut wie den Lappländern im Norden. Sie ist eine Frau, die seit mehr als 60 Jahren die Zeitungen auf der ganzen Welt füllt und auf allen Titelbildern zu sehen war. Das englische Köngishaus hat eine besondere Bedeutung, weil es über viele Jahrhunderte gewachsen und zu einem frühen Zeitpunkt entmachtet und demokratisiert worden ist. Es besteht größtenteils aus sympathischen Figuren.

Die Geschichte um Charles und Diana war aber nicht unbedingt sympathisch.

Aber sie fasziniert die Menschen weltweit, eben weil die Hauptdarsteller über so einen langen Zeitraum zur Verfügung stehen. Die Mitglieder des britischen Königshauses sind Identifkationspersonen, die aber nicht unbedingt als Vorbild gesehen werden.

Berichtet seit Jahrzehnten von Europas Königshäusern: Rolf Seelmann-Eggebert.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wird es für Sie nach so langer Zeit nicht langweilig, immer wieder über Personen wie die Queen, Prinz Charles, Camilla, Andrew und Anne zu berichten?

Auch wenn Sie den Eindruck haben mögen, ich berichtete nur über die Briten - tatsächlich kümmere ich mich um alle sieben europäischen Königshäuser, und langweilig wird's da nie.

Auf Prinzessin Diana folgte Camilla. Wenn die Queen abdankt ...

Sie wird regieren bis zum letzten Atemzug. Nur zu anstrengenden Auslandsreisen wird sie wohl zukünftig die jüngere Generation schicken.

Prinz Charles wird die heute 86-jährige Queen irgendwann beerben. Wird seine zweite Frau, Camilla, ihre Rolle ausfüllen können?

Ich kann mir vorstellen, dass Camilla eine sehr gute Königin wird. Zu dem Zeitpunkt ihrer Hochzeit war das für mich noch eine offene Angelegenheit. Mittlerweile hat sich die britische Bevölkerung aber an sie gewöhnt. Sie spricht wie eine Herzogin, sie denkt wie eine Herzogin, sie tritt auf wie eine Herzogin. Warum soll das nicht auch für sie als Königin gelten? Sie teilt viele Interessen mit der Queen, versteht viel von Pferden und dem Landleben. Sie wird eine Königin in Gummistiefeln sein, keine im Pelzmantel."